Dafür mischt seit Ende vergangenen Jahres das Rheinland-Pfälzische Start-up BV Pfalz mit der Website geteiltes-fleisch.de am Markt mit, und zwar mit sogenanntem Crowdbutchering: Wie der Name schon sagt, teilt sich die Crowd das Fleisch. Ein Tier wird immer erst dann geschlachtet, wenn alle Stücke verkauft worden sind. Was nicht an Privatkunden geht (wie Innereien), wird zu Hundefutter, die Felle zu Leder.

Auf der Suche nach dem perfekten Grill

Gutes Fleisch einkaufen ist das eine, es auch noch gut zubereiten etwas anderes. Daher sind Fleischereigeschäfte und -händler nicht die einzigen Start-ups, die eine neue Fleischeslust befördern. Für relativ viel Medienrummmel haben die Gründer von Beefer gesorgt. Beefer ist ein Turbogrill: 800 Grad, eine Minute, fertig ist das Steak. So soll der Eigenschmack des Fleisches besonders gut erhalten bleiben. „Beef it or leave it“, lautet der Werbespruch.

Entwickelt haben den extra-heißen Röster die Freunde Frank Hecker (Regisseur von Kochsendungen wie „Lafer, Lichter, Lecker“ und „Kocharena“), Marc Kirwald und Frantz Konzen (alle Ende 40) aus der Nähe von Bonn aus einer Hobbylaune heraus. Heute ist die Idee bares Geld wert: 700 Euro kostet das gerademal 23 Zentimeter breite und 40 Zentimeter große Stück. Mehr als 10.000 Stück hat das Start-up nach eignen Angaben seit Marktstart vor zweieinhalb Jahren verkauft. Das passende Kochbuch dazu erscheint am 25. Mai. Konzen führt das Unternehmen inzwischen als Geschäftsführer hauptberuflich.

Ob die hohe Temperatur wirklich nötig ist oder nicht – daran scheiden sich die Grill-Geister. Zumindest passt der Beefer zur neuen Grill-Kultur: High-Tech statt Einmalgrill. Statt einfach in Badelatschen auf dem Balkon Bratwürstchen zu brutzeln wollen Grillfreunde heute die Kunst der Grillgut-Wendung und Grillzangen-Zepter-Haltung gebührend zelebrieren. Am besten in einem Grillseminar erlernt. Grillen wird zum Event.

Das hat auch der gelernte Tischler und frühere Küchenmonteur Hartmut Jabs frühzeitig gemerkt. Jabs hat ebenfalls einen Grill erfunden, den HaJaTec. Der angegebene Unique-Selling-Point: Ein Zwischenrost fängt das Fett auf, damit das Fett nicht in die Glut tropft und dadurch den Grillgeschmack verfälscht. „Jeder Grill ist eine Maßanfertigung, hergestellt in einer Werkstatt in der Nähe von Ulm“, sagt Jabs. Bisher seien zehn verkauft worden.

Doch damit nicht genug: Um seinen Grill zu vermarkten, hat Jabs in Berlin einen Beef-Club begründet. Mitglieder und Tagesgäste sollen der Fleischeslust hier in exklusivem Ambiente frönen können, mit besonderen Zigarren, Whiskys und Ledersessel-Lounge. Für den Club hat Jabs auch gleich noch einen Reifeschrank erfunden und patentieren lassen. In dem 200.000 Euro teuren Prototypen reift Rindfleisch 20 verschiedener Rassen bei einen Grad Celsius und 85 Prozent Luftfeuchtigkeit für sechs bis acht Wochen. Gäste wählen ihr Dinner direkt aus dem Schrank aus, um dann die Zubereitung in der offenen Küche mitzuverfolgen.

Das Club-Konzept möchte Jabs gerne zur Franchise-Idee ausweiten. Für Hamburg soll es bereits Interessenten geben. Der Berliner Club hat nach eignen Angaben knapp 100 Mitglieder. Doch die VIP Mitgliedschaft koste bis zu 60.000 Euro im Jahr. Mehr Geld fürs Fleisch ausgeben – das haben sich die meisten Flexitarier dann wohl doch anders vorgestellt.