Finanziell war die Gründung wenig kompliziert: Stockers Vater gehören vier Metzgereien in München. Er verkauft schon seit 14 Jahren Bio-Fleisch. So kamen Kontakte zu Lieferanten zustande und auch die Kühlräume der Metzgerei Stocker dürften Jäger und Sammler nutzen. Die App hat ein Bekannter zum Freundschaftspreis entwickelt, das Design ein anderer Bekannter. „So konnten wir alles mit kleinem Budget stemmen“, sagt Tinapp.

Dass sich Start-ups wie Jäger und Sammler mit regionalen Schlachtern und Bauern zusammenschließen, um Fleisch aus nachhaltiger Aufzug zu vertreiben, wird im „Fleisch Atlas 2016“ sogar als der Trend 2016 bezeichnet.

Nach einer Testphase vor einigen Monaten, ist Jäger und Sammler Ende April offiziell an den Markt gegangen. „Direkt am ersten Wochenende gab es zehn Bestellungen und direkt einen Wiederholungskäufer“, berichtet Tinapp. Eine Ausweitung in andere Städte können sich Tinapp und Stocker zwar generell vorstellen, aber zu groß soll es nicht werden. „Gutes Fleisch gibt es nicht in rauen Mengen“, sagt Tinapp. Gleiches sagten Filetshop und Fleischboutique über mögliche Expansionspläne.

Bisher sind fast alle Jäger und Sammler-Kunden über Facebook-Posts aufmerksam geworden. Weitere Münchener versuchen Tinapp und Stocker über eine Kooperation mit drei Restaurants, die sie beliefern, zu gewinnen. „So wächst das Vertrauen, Fleisch online zu bestellen“, sagt Tinapp. Schließlich sind wir Deutschen noch eher skeptisch gegenüber dem Lebemsmittelkauf im Internet.

Schau deinem Leberwurstbrot in die Augen

Nichtsdestotrotz ist E-Food im Aufwind. So sind unlängst mehrere weitere Unternehmen mit dem Online-Verkauf von Fleisch und Wurst aus artgerechter Tierhaltung gestartet: Beim Berliner Versandhandel „Meine kleine Farm“, gegründet vom Biologen und Journalisten Dennis Buchmann, bekommen die Produkte Fotos der Tiere, aus denen sie hergestellt sind. Motto: „Schau deinem Leberwurstbrot in die Augen und werde dir bewusst, dass du ein Tier isst.“

Ähnlich und doch etwas anders der Ansatz von „MyCow“ aus Mecklenburg-Vorpommern: Hier können Kunden vor allem Fleisch-Pakete bestellen, alles in Bio-Qualität. Die Pakete erhalten auch Gulasch und Suppenfleisch – denn Kühe bestehen eben nicht nur aus Filetsteaks. Ähnlich arbeitete das Hamburger Start-up Localgourmet, das allerdings nach acht Monaten wieder offline ging. Nach eigenen Angaben „vorerst“. Angeblich da das Unternehmen aufgrund der Nachfrage ausgeweitet werden müsste, bisherige Finanzierungsrunden aber nicht erfolgreich gewesen seien.