Immer mehr Start-ups umwerben Unternehmen mit digitalen Plattformen, die Spesenabrechnungen und Kostenerstattungen automatisieren.  

Dutzende Smartphone-Konten, jede Menge Robo-Advisor – und für alle Lebenslagen mehrere Digitalversicherer: Schon länger gilt der Privatkundenmarkt für sogenannte Fintechs als überbesetzt, mehr und mehr versuchen Finanz-Start-ups ihr Glück im B2B-Geschäft. Ein regelrechter Wettkampf um die Gunst von Unternehmenskunden entbrennt gerade in einem Bereich, der bisher weitgehend resistent gegenüber allen Digitalisierungs-Versuchen war: der Verwaltung und Erstattung von Geschäftsausgaben, die Mitarbeiter vorgestreckt haben.

Hantieren die meisten Unternehmen bisher noch mit Papierbelegen und Spesenformularen, versprechen Start-ups ihnen nun einen weitgehend automatisierten – und vor allem digitalen – Ablauf. Der Schlüssel dazu ist eine Kombination aus Buchhaltungs- und Zahlungssystem: Mitarbeiter bekommen Kreditkarten, für die individuelle Limits und Freigabe-Mechanismen festgelegt werden können. Jeder Einkauf wird im System erfasst und automatisch kategorisiert. Die Mitarbeiter können zudem per App sofort die Rechnung einreichen. Liegt diese nur in Papierform vor, wird der Nutzer aufgefordert, diese abzufotografieren.

„Wir bringen Ordnung in einen Prozess, der in den meisten Firmen vollkommen chaotisch abläuft“, sagt Marie Moesgaard, Deutschlandchefin von Pleo. Das dänische Start-up hatte nach einer 50 Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde im Mai seine Expansion nach Deutschland angekündigt. Aktuell arbeiten acht Mitarbeiter im Berliner Büro, weltweit sollen es bis zum Jahresende 350 sein. Auch der französische Konkurrent Spendesk hatte, gestärkt von einer Kapitalspritze, im vergangenen Jahr eine Niederlassung in der deutschen Hauptstadt eröffnet.

Den Mittelstand im Visier

In Großbritannien ist Soldo mit demselben Geschäftsmodell unterwegs. Ob das Start-up auch in Deutschland aktiv werden will, ist noch unklar. Konkreter werden indes die Pläne eines Berliner Unternehmens: Wie das Finanzportal Finance Forward Anfang der Woche berichtete, will Nufin mit Firmenkreditkarten ebenfalls beim Ausgaben-Management ansetzen. Obgleich das Fintech noch nicht einmal eine eigene Homepage hat, investierten Wagniskapitalgeber dem Bericht zufolge bereits zehn Millionen Euro.

Spendesk gibt an, in Deutschland aktuell mehr als 300 Unternehmenskunden zu haben. Der Markt sei der mit dem schnellsten Wachstum. Pleo wirbt mit 700 deutschen Kunden. Vorzeigekunden bei beiden Anbietern sind aktuell vor allem andere Start-ups und Tech-Firmen. „Wir zielen aber auch auf klassische Mittelständler“, sagt Moesgaard. „Auch dort werden die Vorteile digitaler Prozesse erkannt.“

Dänisches Start-up erarbeitet sich einen Vorsprung

Im Wettlauf um neue Kunden hat Pleo sich gerade einen kleinen Vorsprung erarbeitet: Das Kopenhagener Fintech gibt ab sofort – anders als Spendesk und Soldo – vollwertige Kreditkarten von Mastercard aus. Bisher handelte es sich auch bei Pleo um Prepaid-Versionen. Der Vorteil für der neuen Karten: Die Konten müssen nicht vorab per Überweisung „aufgeladen“ werden. Zudem ist die Zahl der Akzeptanzstellen höher.

Dem neuen Angebot gingen umfangreiche Vorbereitungen voraus, berichtet Moesgaard. So habe Pleo eine E-Geld-Lizenz erhalten, die es dem Unternehmen erlaube, selbst Kreditkarten herauszugeben. Bei den Prepaid-Karten hatte das Fintech noch mit dem Dienstleister IDT Financial Services zusammengearbeitet. „Wir machen uns so unabhängiger“, sagt Moesgaard. Ganz ohne fremde Hilfe betreibt Pleo das Finanzgeschäft aber nicht: Die Pleo-Konten liegen auf einem virtuellen Konto bei JP Morgan. An das System der US-Bank dockt das Fintech über Software-Schnittstellen an.

Mit der E-Geld-Lizenz tastet sich Pleo indes auch selbst in den Bankensektor vor. So will das Unternehmen seinen wichtigsten Kunden nun Kreditlinien einzuräumen. Größere Anschaffungen könnten so direkt über die Plattform des Unternehmens finanziert werden. Ähnliches plant auch der Newcomer Nufin. Ebenfalls in das Kreditsegment drängt Penta. Die Digitalbank, die vor allem auf Start-ups zielt, hatte dazu im Dezember eine neue Kooperation mit dem Fintech Iwoca besiegelt. Auch ein Ausgaben-Management gehört bei Penta zum Angebot.

Anpassung für den deutschen Markt

Alle Anbieter schrauben derzeit zudem noch eifrig an ihren Softwareplattformen. Zu den Neuheiten gehören etwa Features, mit denen Rechnungen im elektronischen Format automatisch einzelnen Zahlungen zugeordnet werden. Ein wichtiges Thema sind auch Integrationen zu anderer Unternehmenssoftware. Pleo etwa hatte im Herbst eine Integration zudem in Deutschland populären Buchhaltungssystem Datev angekündigt.

Mit Anpassungen an deutsche Besonderheiten will auch Spendesk punkten. Dazu gehört beispielsweise ein Modul, das bei Spesenabrechnungen sogenannte Verpflegungspauschalen automatisch berechnet. Im Ringen um Marktanteile rücken die Start-ups auch von ihrem strikten Fokus auf bargeldloses Bezahlen ab. „Voraussichtlich ab dem Frühjahr können wir auch in bar getätigte Ausgaben in unserem System abbilden“, kündigt Moesgaard an.