FinTechs zerpflücken das klassische Bankgeschäft in Einzelteile. Es ist eine kluge Entscheidung, dass sie nicht den Anspruch haben, die Bank im digitalen Zeitalter sein zu wollen. Sie besetzen sozusagen eine Nische und können sich voll und ganz auf diesen einen Bereich fokussieren – und das Produkt noch besser machen.

Klug ist das auch deswegen, weil ihnen die Spezialisierung den Zugang zum Markt so vergleichsweise schnell ermöglicht. FinTechs können mit dieser Strategie bei potentiellen Kunden besser punkten. Die Hürde für Kunden ist nämlich höher, gleich mit dem ganzen Finanz-Paket vom Banking bis zur Versicherung zu einem anderen Dienst zu wechseln, anstatt zum Beispiel nur bei der Geldanlage auf jemand anderen zu setzen. Schließlich ist es ohnehin schon schwierig genug, als junges Digital-Unternehmen um Kunden im Finanzsektor zu werben – wenn’s um’s Geld geht… Unsicherheit.

Aber nicht nur Start-ups profitieren von der Fragmentierung des Bank-Geschäfts. Obwohl für Kunden damit der Bequemlichkeits-Faktor wegen des fehlenden Rundum-Angebots wegfällt, so ist es doch ein Gewinn für alle Individualisten, die aus jedem der Bereiche das Beste für sich herausholen wollen – sowohl die Leistung als auch den Preis betreffend.

Dennoch ist es gut möglich, dass sich einige FinTechs mit der Zeit ebenfalls zu Generalisten entwickeln. Wenn das Geschäft in der Nische mal gut angelaufen ist, ist ein „Google-Effekt“ nicht unwahrscheinlich. Gemeint ist damit, dass Start-ups nicht genug bekommen können, wenn sie sich erfolgreich am Markt etabliert haben. Nach und nach könnten sie dann in andere Bereiche vordringen wollen – also genauso, wie sich Google auf eine gewisse Art und Weise in immer mehr Geschäftsgebiete ausdehnt.