Dies gilt umso mehr in einem Land wie Deutschland, in dem sich die Innovationsbegeisterung gerade in finanziellen Angelegenheiten bei vielen Menschen in Grenzen hält. Wieder andere FinTech-Startups verzeichnen zwar ein starkes Wachstum hinsichtlich der Nutzerzahlen, erreichen dies aber vor allem durch kostenlose Angebote. 

Ein gutes Beispiel dafür war das Berliner Unternehmen Number26, das sich kürzlich in N26 umbenannt hat. Dessen Girokonto-App wurde bereits einige hunderttausend Mal heruntergeladen. Doch Nutzern, die zu viele Abhebungen tätigten, wurde ohne Vorwarnung gekündigt. Der Grund: Wie viele andere FinTechs hatte auch Number26 damals keine Banklizenz. 

Deshalb benötigten die Berliner eine Partnerbank, die die Transaktionen abwickelte. Dafür musste das Startup jedoch Gebühren zahlen. Im Falle von Number26 waren diese bei sehr aktiven Nutzern offensichtlich so hoch, dass man sich dafür entschied, diesen zu kündigen. 

Entsprechend groß war der Aufschrei im Netz, was wiederum Renommee und wohl zusätzlich Nutzer kostete. Mittlerweile hat N26 zwar eine entsprechende Banklizenz, pocht aber bei seinen Kunden nach wie vor auf die „Fair-Use-Policy“.

Das Ziel der FinTechs kann es also nur sein, über kostenlose Angebote möglichst viele Nutzer zu gewinnen und ihnen zu einem späteren Zeitpunkt andere Produkte zu verkaufen – das so genannte Freemium-Modell. Wie viele dieser Kunden sich jedoch für diese kostenpflichtigen Leistungen gewinnen lassen, ist meist völlig offen.

Nicht nur Banken-Killer

Bei aller Vorsicht ist eines aber auch klar: Die Branche der Finanzdienstleistungen unterliegt im Zuge der Digitalisierung einem rapiden Wandel. Gut und solide aufgestellte FinTech-Unternehmen mit wirklich innovativen Ideen haben durchaus die Chance, traditionellen Banken signifikante Marktanteile abzunehmen. Nur hat eben längst nicht jedes Startup, das sich mit dem modischen FinTech-Label schmückt, das Zeug zum „Banken-Killer“. Schon allein deshalb, da die meisten von ihnen aufgrund der fehlenden BaFin-Lizenz auf eine Zusammenarbeit mit Banken angewiesen sind.

Deshalb tut man gut daran, sich von den Werbeversprechen der neuen FinTechs nicht blenden zu lassen. Egal, ob man Kunde werden will oder vielleicht sogar in ein Fintech investieren möchte: Eine Portion Skepsis schadet bestimmt nicht. Kostenlose Angebote sind nur selten wirklich kostenlos. 

Und neue Technologien, gerade in der Finanzbranche, sind speziell in Deutschland diversen Regularien unterworfen. Das mag manchmal eine schnelle Innovation verhindern – trennt aber auch sauber die sprichwörtliche Spreu vom Weizen!

Sven von Loh ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Beteiligungsgesellschaft Biewald, von Loh & Cie.