Stellen innovative FinTechs eine ernsthafte Bedrohung für Banken dar? Ein Podium diskutierte die Frage und fand zu einem friedvollen Konsens. Vorerst.

Von Mark Heywinkel

Es scheint, als hätten die Banken ihre besten Tage hinter sich: Das Misstrauen vieler Kunden in die traditionellen Finanzdienstleister wächst. Gleichzeitig stürmen immer mehr innovative Konkurrenten auf den Markt. Mit ihren unkomplizierteren und teilweise transparenteren digitalen Angeboten wollen sogenannte FinTechs die Art und Weise verändern, wie Geldgeschäfte heute abgewickelt werden. Manche dieser Ideen könnten Banken sogar obsolet machen.

Investoren versprechen sich viel von diesen neuen Playern auf dem Finanzsektor: Weltweit hat sich das Investitionsvolumen in FinTechs laut Erhebungen der Beratung Accenture zwischen 2013 und 2014 auf zwölf Milliarden US-Dollar verdreifacht. Doch stellen FinTechs dadurch bereits eine Bedrohung für die milliardenschweren Banken dar? Können sie die Dickschiffe in absehbarer Zukunft tatsächlich zum Kentern bringen?

Diese hitzigen Fragen stellten am Dienstagmorgen der Händlerbund und die Deutsche Gesellschaft für Finanz- und Haushaltspolitik einem Expertenpodium in Berlin. Hiobsbotschaften verkündete dabei aber niemand. Stattdessen fanden die Gründer, Investoren und Bankvertreter zu einem friedvollen Konsens: Es herrsche Kuschelkurs zwischen alter und neuer Welt. Banken und FinTechs würden sich gegenseitig befruchten. Zumindest jetzt noch.

Regulierung für FinTechs zu hoch

„Für Finanzdienstleister existieren in Deutschland weitgehende regulatorische Anforderungen“, erklärte Gregor Puchalla, Geschäftsführer von FintechStars, Teil der Digitalberatung Etventure, nach der Veranstaltung im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer. „Um diese Hürden zu umgehen, arbeiten viele FinTechs im Hintergrund mit Banken zusammen. Es gibt aber auch disruptive Innovationen, die das Geschäftsmodell von Banken bedrohen. Es bleibt also spannend.“

Für die Konfrontation mangelt es vielen FinTechs jedoch vor allem an Geld. Die großen Töpfe stellen in Deutschland zurzeit noch die Finanzdienstleister selbst, etwa die Commerzbank mit dem Main Incubator. Und wer beißt schon die Hand, die einen füttert.

„Im Januar gab es mit 200 Millionen US-Dollar von Victory Park Capital in Kreditech aber auch erstmals eine so große US-Investition in ein deutsches FinTech-Unternehmen“, sagte Gregor Puchalla. „Auch Paypal-Gründer Peter Thiel und seine Partner haben kürzlich in das Berliner Start-up Number26 investiert. Solche Nachrichten lassen die Branche aufhorchen und befeuern sie.“

In Berlin brodelt es

Obwohl die großen Finanzdienstleister ihre Zentralen in Frankfurt haben, sei besonders in Berlin eine Aufbruchstimmung zu spüren. „Die Gründer sind auch immer jünger“, berichtete Radoslav Albrecht, der Anfang 2013 mit Bitbond sein eigenes FinTech startete. „Als ich frisch von der Uni kam, heuerte man erst mal in einer Bank, bei einem Unternehmensberater oder als Trainee in einem Industriekonzern an.“ Mittlerweile sei es sehr populär geworden, zu gründen und risikobereit neue Geschäftsmodelle auszuprobieren.

Ständig entstünden in Berlin neue Startups mit spannenden Ansätzen, um die Finanzwelt aufzumischen. „London ist aufgrund regulatorischer Vorteile und der Nähe zu vielen wichtigen Finanzdienstleistern zwar immer noch das Mekka für FinTechs“, stellte Albrecht fest. „Berlin ist jedoch günstiger und insbesondere für die FinTech-Szene attraktiv, weil sich hier gutes und auch internationales Personal gewinnen lässt.“

So sind FinTechs noch einige Jahre davon entfernt, zur ernsthaften Konkurrenz für Banken zu werden. Aber in der jungen Branche brodelt es – vor allem in der Hauptstadt.