Mit einer Fusion der Fintechs Figo und Finreach Solutions soll eine europaweit führende B2B-Finanzplattform entstehen. Inkubator Finleap gibt Anschub mit einer Millionensumme.

Umbruch in der Fintech-Szene: Der Hamburger Bankdienstleister Figo und die Berliner Finanztechnologie-Plattform Finreach Solutions schließen sich zusammen. Gemeinsam wollen die B2B-Start-ups zu einem führenden europäischen Software-as-a-Service-Anbieter (SaaS) werden, wie die Unternehmen heute offiziell bekanntgaben. Eine Zustimmung der Aufsichtsbehörde steht noch aus. Geht die Fusion glatt, sollen beide Standorte laut Presseinformation erhalten bleiben und alle Mitarbeiter übernommen werden.

„Wir freuen uns, dass wir mit der Zusammenlegung eine Teamgröße von rund 90 Mitarbeitern und damit eine deutlich höhere Schlagkraft erreichen”, lässt sich Finreach-Chef Markus Dränert zitieren, künftig Geschäftsführer des neuen Unternehmens. Risikochefin wird Cornelia Schwertner von Figo, als Produktchef übernimmt Taner Akcok von Finreach. Der bisherige Figo-Chef, André M. Bajorat, soll in den Aufsichtsrat des neuen Fintechs einziehen.

Fokus auf API-Lösungen

Ansprechen will die künftige Fintech-Größe in erster Linie Unternehmenskunden aus verschiedenen Branchen, die Verbrauchern zusätzliche Finanzlösungen anbieten wollen. Möglich wird das über sogenannte API-Programmierschnittstellen. Bisher kamen die Andockpunkte beispielsweise zum Einsatz, um Kontowechsel-Dienste oder Online-Portale für Bonitätsprüfungen aufzusetzen. „Mit unserer Fusion reagieren wir auf die steigende Nachfrage im Markt nach konkreten Anwendungsfällen, die über die reine Datenkonnektivität hinausgeht“, so Dränert laut Pressemitteilung.

Auf mehr Möglichkeiten bei der Entwicklung neuer Produkte verweist die künftige Risikochefin: „Gemeinsam werden wir ein wesentlich breiteres Spektrum an digitalen Finanzprodukten anbieten können, als auch den Umfang und die Qualität der Datenbasis für diese Services erweitern”, heißt es von Cornelia Schwertner. In der Vergangenheit haben die beiden Fintechs bereits kooperiert.

Company-Builder gibt Finanzspritze

Um das Wachstum nach der geplanten Fusion zu beschleunigen, fließt laut Presseinformation ein hoher siebenstelliger Betrag vom Berliner Company-Builder Finleap an das neue Unternehmen. Unter dem Dach des Inkubators ist bisher Finreach aktiv. Ein bekanntes Unternehmen aus der Fintech-Schmiede ist die Solarisbank, die bereits mit Finanzierungen von mehr als 50 Millionen Euro von sich reden machte. Auch der Versicherungsmanager Clark entstammt dem Company-Builder und erhielt im vergangenen Jahr 24 Millionen Euro von Investoren.

Finleap selbst konnte im November ebenfalls eine hohe Finanzierung einwerben: 41,5 Millionen Euro stellten Kapitalgeber  zur Verfügung, darunter das chinesische Versicherungsunternehmen Ping An. Im April vergangenen Jahres stellte der Inkubator ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Deutschen Vermögensberatung auf die Beine – die Deutsche Fintech Solutions soll die Arbeit von Vermögensberatern mit Hilfe digitaler Werkzeuge erleichtern.