FinTech-Firmen experimentieren gern. Das zeigt das Beispiel Debitos in Frankfurt am Main. Gründer Hajo Engelke, ein ehemaliger Investmentbanker, wollte ursprünglich ein Finanzportal aufziehen, auf dem Unternehmer Forderungen aus Exportgeschäften an Banken verkaufen konnten. Inzwischen ist Debitos als Auktionsbörse für faule Forderungen etabliert. Unternehmer und Insolvenzverwalter nutzen das Portal nun, um geplatzte Rechnungen an professionelle Schuldeneintreiber zu versteigern, Debitos nimmt dabei sechs bis neun Prozent des Preises.

Angebot kommt wie gerufen

Der Nutzen für Unternehmen, die von säumigen Kunden geplagt werden, ist klar: Sie holen mithilfe der digitalen Auktion das Maximum aus den offenen Rechnungen heraus, weil fast alle Inkassofirmen und professionellen Schuldeneintreiber mitbieten. „Die letzte Stunde einer Auktion ist die spannendste“, sagt Gründer Engelke, der die Versteigerungen mit seinem Team live am Bildschirm verfolgt. Einmal stieg der Preis binnen 26 Minuten um 30 Prozent. Dabei gingen vier ungesicherte Forderungen gegen ein insolventes Unternehmen im Nennwert von 2,7 Millionen Euro über den Tisch.

Doch es geht noch besser: Ein Lieferant, der auf einer offenen Rechnung von 11,3 Millionen Euro gegenüber dem insolventen Windparkbetreiber Prokon sitzengeblieben war, holte über Debitos immerhin noch 30 Prozent des Betrages heraus. Der Insolvenzverwalter schätzt, dass Prokons Gläubiger 30 bis 60 Prozent wiederbekommen können. Dem Debitos-Nutzer war hier der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach.

Debitos lohnt sich aber auch für kleine Unternehmer, die sich mit säumigen Verbrauchern herumschlagen und sich keine eigene Inkassoabteilung leisten können. „Ohne das Portal hätte ich keinen Kontakt zu professionellen Forderungskäufern bekommen“, sagt der Niedersachse Marc Wesemeyer, der sich über Debitos diverser offener Forderungen gegen Nutzer seiner Fitnessstudiokette im Raum Braunschweig entledigte.

Nicht auf notleidende, sondern auf gesunde Forderungen gegenüber solventen Großunternehmen will sich CRX Markets spezialisieren. Das Münchner Start-up, gegründet von Moritz von der Linden, hat vor zwei Wochen grünes Licht von der Banken- und Versicherungsaufsicht BaFin bekommen. Der ehemalige Deutschbanker verspricht mittelständischen Unternehmern Linderung bei einem Dauerproblem: der Macht von Konzernen, die ihren Lieferanten lange Zahlungsfristen abhandeln.