Allerdings tun Unternehmer und Selbstständige gut daran, die Verbindung zur Hausbank weiter zu halten. Denn noch ist die FinTech-Branche zu klein und zu spezialisiert, um die ganze Palette von Geldgeschäften, insbesondere bei größeren und komplizierten Projekten, zu stemmen. Die US-Investmentbank Morgan Stanley schätzt, dass 2020 etwa zehn Prozent aller Kredite an Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen über Online-Plattformen vergeben werden. Derzeit ist es nur etwa ein Prozent. Die Neuen aus dem Netz ändern außerdem gern mal ihre Geschäftsmodelle, wodurch Altkunden aus dem Fokus geraten können.

Eine willkommene Alternative für Mittelständler sind die Angreifer allemal, denn kleine und mittelgroße Unternehmen sind bei der Kreditvergabe benachteiligt. Daran ändern auch die niedrigen Zinsen nichts. Laut der monatlichen Umfrage des Münchner ifo Instituts bei 4000 Unternehmen klagen aktuell 19 Prozent der Firmen mit weniger als zehn Millionen Euro Umsatz über eine restriktive Kreditvergabe durch Banken. Die Quote ist mehr als doppelt so hoch wie bei Großunternehmen ab 50 Millionen Euro Jahresumsatz (siehe Grafik Seite 62). Von den mittelgroßen Firmen leiden 12,1 Prozent unter der Knausrigkeit von Banken.

„Wir sorgen dafür, dass Unternehmer auch wirklich in den Genuss der niedrigen Zinsen kommen“, sagt Compeon-Gründer Kai Böringschulte. Das Geld für den Aufbau der Plattform hat der ehemalige Banker bei Investoren eingesammelt, einer davon ist die Beteiligungsgesellschaft DvH Ventures. Sie ist Teil der Familiengesellschaft DvH Medien des Verlegers Dieter von Holtzbrinck, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

Angst vor Rache

Böringschulte hat über 150 Banken und Sparkassen dazu gebracht, bei Compeon mitzumachen. Für die Kreditinstitute liegt der Vorteil darin, dass ihre Berater über Compeon Kontakt zu mittelständischen Kunden erhalten, die sich sonst nicht in ihre Filiale verirren würden. Sie sparen also Vertriebskosten. Stellt ein Unternehmer seine Kreditanfrage bei Compeon ein, reichen interessierte Banken ihre Angebote dazu ein. Der Kreditnehmer entscheidet sich dann für das günstigste Angebot.