In dieser Woche läuft der Jennifer-Lawrence-Film „Joy” an, die Biografie der „Miracle Mop“-Erfinderin Joy Mangano. WiWo Gründer zeigt, welche Filme für Gründer noch sehenswert sind.

Vielen US-amerikanischen Hausfrauen ist Joy Mangano eine Art beste Freundin: Die heute 59-Jährige hat 1990 – damals alleinerziehende Mutter von drei Kindern – den Miracle Mop erfunden, einen Wischmop, der sich quasi von alleine auswringt. Wer in Amerika den TV-Shopping-Kanal HSN schaut, kennt nicht nur den Miracle Mop, sondern auch Joy Mangano. Die New Yorkerin hat rund 100 weitere Produkte erfunden. Schon als Teenagerin liebäugelte sie mit dem Gründertum.

Nun kommt ihre Lebensgeschichte in die Kinos. Am 25. Dezember lief „Joy – Alles außer gewöhnlich“ (Originaltitel „Joy“) in den USA an; am 31. Dezember startete der Film in Deutschland, am 1. Januar in Österreich. Mangano wird von Jennifer Lawrence gespielt; Regie führte David O. Russell (unter anderem „Silver Linings Playbook). Weitere Rollen sind prominent besetzt mit Robert De Niro, Bradley Cooper und Isabella Rossellini. Die Kritiken sind bisher nicht bombastisch, aber doch überwiegend positiv.

„Joy“ ist eine der ersten Filme über eine Gründerin, aber nicht der erste Film, der Entrepreneurship an sich thematisiert. Wer im neuen Jahr eine Alternative zum TV-Programm sucht, könnte es mit folgenden Filmen versuchen:

Verfilmungen der Apple- und Facebook-Geschichten

Gleich mehre Filme widmen sich den Silicon Valley-Giganten, vor allem Steve Jobs wurde mehrfach ein filmisches Denkmal gesetzt. Seit November in den Kinos ist die Biografie „Steve Jobs“ mit Michael Fassbender in der Hauptrolle. Der als besonders wertvoll ausgezeichnete Film portraitiert den 2011 verstorbenen Apple-Gründer anhand dreier Lebensepisoden; jeweils wichtige Produktpräsentationen. Bereits 2013 verkörperte Ashton Kutcher Jobs. Doch der aktuelle Film ist vermutlich näher an den wahren Begebenheiten. Die Anfänge von Apple und Microsoft sind ebenfalls im mit fünf Emmys nominierten Fernsehfilm „Die Silicon Valley Story“ (Originaltitel „Pirates of Silicon Valley“) aus dem Jahr 1999 zu sehen.

Von Apple zu Facebook: Die Facebook-Biografie „The Social Network“ (2010) ist keine exakt faktentreue Verfilmung der Geschichte Facebooks. Zuckerberg distanzierte sich von Anfang an von dem Film. Dennoch hat das Drama auf Rotten Tomatoes mehr als 90 Prozent positive Kritiken erhalten.

Dokus: Von einer Milchfarm bis Silicon Valley

Neben Verfilmungen widmen sich auch etliche Dokumentationen dem Nabel der Entrepreneurship-Welt, dem Silicon-Valley. Die TV-Dokumentation „Triumph of the Nerds“ aus den 1990er Jahren erzählt die Geschichte des PC und lohnt sich zu sehen. Sie ist auf DVD erhältlich.

Während Bill Gates bei „Triumph of the Nerds“ noch zu Wort kommen durfte, widmen sich neuere Dokumentation – wie die Verfilmungen – vor allem dem Personenkult um dessen Konkurrenten: „Steve Jobs – The man in the machine“ ist eine im Herbst veröffentlichte Dokumentation (unter anderem bei iTunes), die auch kritisch mit Jobs ins Gericht geht. „Steve Jobs – Hippie und Milliardär“ (bei Netflix zu sehen) hingegen wurde direkt nach dem Tod des Apple-Gründers produziert und scheint mehr „Götzendienst“ denn informativer Film.

Eine lohnenswerte Abwechslung zu den Steve-Jobs-Filmen ist „The revenge of the electric car“. Nein, es handelt sich nicht um eine Neuverfilmung des Herbie-Stoffes (für alle nach 1990-Geborenen: Einfach weiterlesen oder googeln), sondern um die Tesla-Story. Die knapp 90-minütige Doku aus dem Jahr 2011 ist eine Fortsetzung des 2006er Films „Who killed the electric car?“. Take-Home-Message für Gründer: Die Hoffnung niemals aufgeben.

Abwechslungen von Jobs und Co.

Ebenfalls mal etwas anderes als die Reihe der Steve-Job-Biografien ist der Film „Something ventured“ (2011). Denn er beleuchtet stärker die Sichtweise der Kapitalgeber und zeichnet die Venture-Capital-Szene der USA ab den 1950er Jahren nach. Der Film enthält unter anderem Interviewszenen mit den Venture Capitalists Arthur Rock (Intel, Apple) und Don Valentine (Cisco, Oracle) sowie den Gründern Gordon Moore (Intel) und Nolan Bushnell (Atari).

Von den Vätern des Silicon Valleys zu den Söhnen: Was fasziniert junge Web-Gründer am Entrepreneurship? Was motiviert sie und warum geben sie für ihren Traum als auf? Antworten liefert „The Start-up Kids“ (2012) anhand von Interviews mit Gründern wie Zach Klein (Vimeo) und Drew Houston (Dropbox). (Für alle vor 1990-Geborenen: Man darf auch noch mit mehr als 30 Jahren zum ersten Mal gründen.) Der von Microsoft produzierte Film „CTRL+ALT+COMPETE“ (2011) geht in eine ähnliche Richtung wie „Start-up Kids“ und versucht, die Motive jüngerer Tech-Gründer in Interviews darzustellen. Doch abgesehen vom Titel ist er wenig einfallsreich. Anders als die Netflix-Doku „Print the Legend“, die sich ausschließlich 3D-Drucker-Start-ups widmet.

Ungewöhnlich ist – zumindest in einem Aspekt – der Film „The Call of the Entrepreneur“ (2007). Er erinnert daran, dass auch schon vor dem Internet-Zeitalter gegründet wurde und eigentlich der Bauernhof die ursprünglichste Form einer Unternehmung ist. Der Film erzählt unter anderem die Geschichte eines Milchfarmers aus Michigan, ist aber ansonsten kein „Must-See“.

Nachdem sich fast alle Filme bisher ausschließlich mit Männern beschäftigt haben, sollen demnächst gleich zwei US-Dokumentarfilme erscheinen, die speziell Gründerinnen in den Fokus nehmen: „She started it“ und „Dream, girl“.

Gescheiterte Start-ups

Deprimiert von den ganzen Erfolgsgeschichten? Psychologen empfehlen fürs Selbstwertgefühl manchmal „Abwärts“-Vergleiche, also den Vergleich mit erfolgloseren Personen. Dafür könnten „Startup.com”, „E-Dreams“ und „Weltmarktführer – Die Geschichte des Tan Siekmann“ auf der Filmliste stehen. Alle drei sind Dokumentationen über gescheiterte Firmen. Alle drei widmen sich der Euphorie der New Economy und der Ernüchterung der Dotcom-Blase. Fast schon nostalgisch.

In „Startup.com“ (2001) geht es um den Aufstieg und den Niedergang der Dotcom-Firma GovWorks.com. „E-Dreams“ (2001) dokumentiert den New Yorker Onlinestore Kosmo.com, bei dem Käufer ihre Bestellungen mit Hilfe von Fahrradkurieren innerhalb von einer Stunde erhalten konnte. Amazon und Starbucks hatten investiert, doch auch das konnte beim Börsenknall nicht helfen.

Gründen ist der bessere Ausweg

Ein deutsches Unternehmen ist Protagonist von „Weltmarktführer – Die Geschichte des Tan Siekmann“, einem mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneten ZDF-Film aus dem Jahr 2005, der von der Firma Biodata handelt. Siekmann soll Biodata als 16-Jähriger seinen Eltern für den symbolischen Preis von einer Mark abgekauft haben; dann baute er die Firma zu einer börsennotierten Aktiengesellschaft auf. Doch der Erfolg währte nur kurz: Biodata ging als erstes Nemax-Unternehmen pleite. Auch beim zweiten Versuch war Siekmanns Firma rasch insolvent.

Deprimierend wie die Geschichten gescheiterter Gründer kommt auch die Doku „Rise of the Entrepreneur: The Search for a Better Way“ (2014) daher. Schwindende Job-Sicherheit, ständiger Arbeitsstress und große Einkommensunterschiede: Selbst gründen ist da der beste Ausweg, will uns der Film weismachen und zeichnet dabei eine neue Form des „American Dream“, eine in der Selbstverwirklichung und Reichtum quasi aus einer Notoption entstehen.

Silicon Valley Comedy-Fiction

Von Dokumentation zu Fiction und von dramatischen Szenen zu Komödien: Das Silicon-Valley-Image hat Drehbuchautoren ebenfalls zu leichter Film-Kost inspiriert. Die US-amerikanische Serie „Silicon Valley“ läuft seit knapp zwei Jahren auf dem Sender HBO und seit gut einem Jahr in Deutschland auf Sky Atlantic. Die Comedy-Serie handelt von dem jungen und introvertierten Richard, der eigentlich „nur“ Musikdateien für die Suche verkleinern wollte, doch dabei einen genialen Algorithmus für die Kompression verschiedenster Daten schreibt. So stolpert Richard mehr oder weniger ins Gründertum. Plötzlich muss er sich mit der schweren Entscheidung, zu verkaufen oder nicht, quälen und gegen einen Konkurrenten behaupten, der versucht, den Algorithmus nachzubauen. Die Serie ist eine absolute Seh-Empfehlung. Das Amazon-Pendant „Betas“ ist ebenfalls nicht schlecht.

Eher platten Humor in typischer Vince-Vaughn- und Owen-Wilson-Manier bietet „Prakti.com“ (Originaltitel „The Internship“) von 2013. Vaughn und Wilson mimen zwei Verkäufer, die aufgrund des Internethandels arbeitslos geworden sind. Daher heuern sie als Praktikanten bei Google an, um zu beweisen, dass sie ebenfalls Silicon-Valley-geeignet und IT-kompetent sind. Der Film wurde zum Teil auf dem wirklichen Google-Gelände gedreht und Google-Mitgründer Sergey Brin hat einen Cameo-Auftritt. Kritiker bezeichnen den Film daher als „zweistündigen Google-Werbefilm“.

Unterhaltsame Rachegeschichten

Entspannende Unterhaltung mit weniger Werbecontent liefert „Kill the Boss 2“ (im Original „Horrible Bosses 2“). In der Komödie müssen die drei Gründer Dale, Kurt und Nick schmerzlich erkennen, dass man Geschäftspartnern nicht immer trauen kann. Um ihr Unternehmen vor der Insolvenz zu retten, entführen sie den Sohn ihres Geschäftspartners und erpressen den reichen Papa. Doch selbstverständlich läuft alles anders als geplant.

Auch „Kill the Boss 1“ (2011) ist ein empfehlenswerter Unterhaltungs-Film für Gründer. Ebenso wie „Alles Routine“ (im Original „Office Space“) aus dem Jahr 1999. In beiden Filmen geht es nicht um Gründertum. Aber beide Komödien machen sehr unterhaltsam deutlich, dass Unternehmer ihre Mitarbeiter besser gut behandeln sollten. Rache ist Blutwurst.

Böse Großunternehmen, gute Start-ups

Nach ein bisschen Comedy-Unterhaltung hebt sich nun der moralische Zeigefinger: Relativ viele Filme skizieren böse Großunternehmen und stellen den angeblich amoralischen und skrupellosen Kapitalgesellschaften kleine, integre Start-ups gegenüber. David gegen Goliath. Ein klassisches Story-Thema.

Um sich auf das Thema einzustimmen, darf „The Corporation“ nicht fehlen. Die 2003 produzierte kanadische Doku diagnostiziert Großkonzerne als Psychopathen und wird trotz aller Heftigkeit nicht nur von Kapitalismuskritikern als sehenswert eingestuft.

Besonders häufig wird die Automobilindustrie filmerisch angeprangert: Der biografische Spielfilm „Flash of Genius“ (2008) spielt in den 1960er Jahren und handelt vom Erfinder des Intervallscheibenwischers. Die Autokonzerne stehlen seine Idee und er zieht gegen Ford vor Gericht. Im Francis Ford Coppola-Film „Tucker“ (Originaltitel “Tucker: The Man and His Dream”), ebenfalls ein biografischer Spielfilm, geht es um den Autodesigner Preston Tucker (gespielt von Jeff Bridges), der von den Autokonzernen an Innovationen gehindert wird.

Omar, Gründer eines Waschsalons

David gegen Goliath ohne Autos, aber immer noch eher mit einem Männer-Thema gibt es bei „Beer Wars“. Beer Wars ist ein US-Dokumentarfilm aus dem Jahr 2009 und stellt den Kampf kleiner Brauereien gegen die Großbrauereien Anheuser-Busch, Miller und Coors dar. Wer braucht da noch Star Wars?

Doch nicht nur gegen die Konkurrenz müssen Gründer kämpfen, sondern oft auch gegen die Vorurteile ihrer Familien und Freunde. Dies ist ein Aspekt im Film „Mein wunderbarer Waschsalon“. Der gleichzeitig melancholische und herzliche Film aus dem Jahr 1985 handelt vom dem jungen, in London lebenden Pakistaner Omar, der einen heruntergekommenen Waschsalon wieder auf Vordermann bringt, obwohl sein Vater ihn gerne studieren sehen würde. Der Film thematisiert zudem Homosexualität und Rassismus. Das Drehbuch war für den Oscar nominiert. Eine Art weibliches Pendant wäre der Film „Chocolat“.

Erfolg ist nicht alles

Gleich neun Oscar-Nominierungen gab es 1942 für „Citizen Kane“. Der oftmals als einer der besten Filme aller Zeiten bezeichnete Film ist nicht nur wegen seiner für damalige Zeit innovativen Techniken sehenswert. Auch porträtiert er einen Gründer: Der Film zeigt den Aufstieg Kanes zum Medienmagnaten, der dennoch immer unglücklich bleibt und sich in seine unbeschwerte Kindheit in Armut zurücksehnt. Arbeit und Erfolg sind eben nicht alles.

Unsere Empfehlung für einen „kurzen“ Film-Marathon

  • Für die Silicon-Valley-Giganten die Doku „Triumph of the Nerds” sowie der aktuelle Steve Jobs-Film
  • zur Erinnerung an die New Economy und die Dot.com-Blase „Startup.com”
  • für Fiction und einen Film jenseits der Tech- und Web-Start-up-Szene „Mein wunderbarer Waschsalon”
  • für die Mitarbeitermotivation „Alles Routine” und
  • für die Lachmuskeln die Comedy-Serie „Silicon Valley”.