Kleinere Teams, kleinere Schecks: Frauen sind bei Start-up-Gründungen deutlich unterrepräsentiert – und kämpfen mit zusätzlichen Hürden, zeigt eine Studie.

In weniger als jedem sechsten Start-up gehört eine Frau zum Gründungsteam – und Risikokapital erhalten jungen Unternehmen von weiblichen Teams deutlich seltener von professionellen Geldgebern. Das sind zwei Erkenntnisse aus dem aktuellen Females Founders Monitor. Die zweite Auflage dieser Untersuchung wurde heute vom Bundesverband Deutsche Startups sowie der Unternehmensinitiative Google for Start-ups vorgestellt.

Die Auswertung basiert auf den Aussagen von etwa 3700 Befragten, die sich auf etwa 1500 Start-ups verteilen. Darunter sind 15,1 Prozent Frauen. Damit ist die Zahl im Vergleich zur letztjährigen Umfrage nur um ein halben Prozentpunkt angestiegen. Der Wert zeige, dass „Frauen unverändert drastisch unterrepräsentiert sind, wenn es um die Gründung junger, innovativer Unternehmen geht“, sagt die ehemalige Bundesministerin Brigitte Zypries, die die Veröffentlichung heute in Berlin begleitete (hier geht es zum PDF).

Start als Einzelunternehmerin

Deutlich häufiger führen Frauen zudem ihre Start-ups als Einzelunternehmerin oder mit sehr kleinem Team. 20 Prozent der von männlichen Teilnehmern geführte Unternehmen haben mehr als zehn Mitarbeiter, bei Frauen ist das nur bei sieben Prozent der Start-ups der Fall. Eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr hatte gezeigt, dass Frauen deutlich häufiger alleine starten.

Ein wesentlicher Unterschied zeigt sich vor allem bei der Kapitalaufnahme. Während in von Frauen geleitete Start-ups zu 45 Prozent auf Geld von Freunden und Familie zurückgriffen, waren es bei Männern nur knapp 30 Prozent. Umgekehrt erhalten die befragten männliche Gründungsteam mehr oder annähernd doppelt so häufig Kapital von privaten Investoren, Risikokapitalgebern oder Inkubatoren.

Frauen mit anderem Finanzierungsmix

Hier werden in aller Regel deutlich höhere Summen bereitgestellt als bei frühen Finanzierungsrunden, an denen sich Bekannte beteiligen können. „Nach wie vor wird es Frauen deutlich schwerer gemacht, die nötige Finanzierung zu erreichen“, kritisiert Zypries, „Sei es die Wahrnehmung, dass die von Gründerinnen vorgestellten Geschäftsmodelle weniger aussichtsreich erscheinen als die ihrer männlichen Kollegen, oder sei es die Unterstellung, dass der Ausgleich zwischen Beruf und Familie im Zweifelsfall doch immer zugunsten der Familie ausfallen könnte.“ Eine schwedische Studie hatte vor einiger Zeit ähnliche Zusammenhänge empirisch aufgezeigt.

Auch staatliche Fördermittel spielen deutlich seltener eine Rolle im Finanzierungsmix von Frauen. In jedem dritten Männer-Team gehören Exist-Stipendien, KfW-Kapital oder Geld vom halbstaatlichen High-Tech Gründerfonds dazu. Bei Frauen nutzt nur jedes fünfte Team diese Mittel.