Das Berliner Start-up kombiniert die anlogen Untersuchungen mit digitalen Zusatzleistungen. Der Ansatz hat neben anderen HV Holtzbrinck Ventures überzeugt.

Hausbesuche ohne Mehrkosten, dazu digitale Zusatzleistungen in der App: Mit diesen Versprechen will Felmo den Markt für Tiergesundheit aufmischen. Seit Februar kommen festangestellte Tierärzte des Start-ups zu kranken Hunden und Katzen in Berlin – bald soll das Angebot auf weitere Städte ausgeweitet werden. „Unser Service wird bereits sehr gut angenommen“, sagt Geschäftsführer Philip Trockels, ohne Zahlen zu nennen. „Wir ersparen den Tieren und ihren Besitzern viel Stress, der mit einem Praxisbesuch verbunden ist.“

Gegründet hat Trockels das Unternehmen zusammen mit Lars Giere. Beide haben vorher lange bei Ebay in der gerade verkauften Einheit „Classifieds“ gearbeitet, zu der in Deutschland unter anderem Ebay Kleinanzeigen und das Portal Mobile.de gehören. Die Aussicht, dauerhaft in einem Konzernumfeld zu arbeiten, hat die beiden wenig gereizt – den krisenresistenten Haustierbereich identifizieren sie als interessantes Feld für eine gemeinsame Gründung. „Wir sehen in dem bisher sehr kleinteiligen Markt die Chance, eine skalierbare Konsumentenmarke aufzubauen“, sagt Trockels.

Millionenschwere Finanzierungsrunde

Ungeachtet der Corona-Krise haben die Gründer nun mit HV Holtzbrinck Ventures einen namhaften deutschen Wagniskapitalgeber von sich überzeugt. An der Finanzierungsrunde in einstelliger Millionenhöhe waren mit dem Business Angel Mato Peric und dem von zwei Rocket-Internet-Managern sowie dem Mesophere-Gründer initiierten VC-Fonds 468 Capital zudem zwei bestehende Gesellschafter beteiligt. Peric und Holtzbrinck Ventures HV arbeiten auch schon beim Männergesundheitsportal Spring zusammen.

Während Start-ups, die digitale, medizinische Dienstleistungen für Menschen anbieten, sich einem hochregulierten Umfeld bewegen, sind die Einstiegshürden bei der Tiermedizin deutlich geringer. So kann Felmo in seiner App bereits eine digitale Gesundheitsakte anbieten, in der beispielsweise ärztliche Befunde oder Ergebnisse von Laborproben gespeichert werden. „Vieles, was man sich von der Digitalisierung in der Humanmedizin wünscht, ist in unserem Bereich ohne große Probleme umsetzbar“, sagt Giere.

Video-Sprechstunden stoßen schnell an Grenzen

Ihre App verstehen die Gründer als zentrale Anlaufstelle für Kunden. So können darüber auch Termine vereinbart werden oder Rückfragen in einem Chat gestellt werden. Auch Video-Sprechstunden bietet Felmo an. Das Start-up sieht sich aber nicht als Konkurrenz zu reinen Online-Tierärzten wie FirstVet oder Dr. Sam, so Trockels: „Reine Video-Calls stoßen bei Tieren unserer Meinung nach schnell an ihre Grenzen, weil Hunde oder Katzen Beschwerden nicht selbst beschreiben können.“

Deutlich ausbauen will das Start-up deswegen die Hausbesuche. Den Kunden wird dabei versprochen, dass Anfahrtswege nicht berechnet werden – und sich die Behandlungskosten Gebührenordnung für Tierärzte richten. Sofern der Hund oder die Katze krankenversichert ist, werden die Kosten von der Versicherung übernommen. Wirtschaftlich tragfähig sei das Modell, weil Felmo die Routen der Veterinäre optimiere und die Kosten für die Praxis wegfallen. Ist beispielsweise eine Operation notwendig, überweisen die Felmo-Mitarbeiter an einen Facharzt.

Riesiges Marktpotenzial

Aktuell beschäftigt das schnell wachsende Start-up „eine mittlere zweistellige Anzahl an Mitarbeitern“, darunter „eine hohe Zahl“ an Tierärzten. „Wir bieten ein Arbeitsumfeld, in dem sich die Ärzte viel stärker als in einer eigenen Praxis mit Kollegen austauschen können“, sagt Giere. „Unsere Tierärzte schätzen außerdem, dass sie durch die Hausbesuche viel mehr Kontext für die Diagnose bekommen und so den Patienten sogar besser als in einer Praxis betreuen können.“

Im Fokus steht für die Felmo-Chefs nun, ihr Angebot auf andere Städte auszuweiten und an den digitalen Funktionen zu schrauben. Nicht ausschließen wollen die Gründer, dass sie künftig auch eigene Gesundheitsprodukte entwickeln. Damit würden sie ein Stück weit Vetevo Konkurrenz machen. Gestartet vor allem mit einer Online-Terminvermittlung für Tierarztpraxen, versendet das in Berlin ansässige Start-up zum Beispiel Allergie- und Wurmtests. Die App dient unter anderem als digitaler Impfpass.

Das Marktpotenzial ist so oder so riesig: Nach Zahlen des Industrieverband Heimtierbedarf und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands leben in Haushalten in Deutschland insgesamt knapp 15 Millionen Katzen und mehr als zehn Millionen Hunde. Alleine mit Futter, Bedarfsartikeln und Zubehör wurden in der Heimtierbranche im vergangenen Jahr 5,2 Milliarden Euro umgesetzt.