Das Start-up hat 40 Fahrradhersteller für sich gewonnen – und bekommt nun 12 Millionen Euro von der EU-Förderbank EIB.

Eigene Produktionshallen, über 80 Mitarbeiter, gut gefüllte Auftragsbücher: Manchmal, so sagt Fabian Reuter, fühlt sich sein Unternehmen schon mehr nach Mittelstand als nach Start-up an. Ende 2013 hat Reuter zusammen mit vier Kommilitonen Fazua gegründet, um einen neuartigen Antrieb für E-Bikes zur Marktreife zu bringen. 2015 stand der Prototyp, 2017 startete die Serienfertigung, seit diesem Jahr sind erstmals Fahrräder mit dem Antrieb auf dem Markt.

Das Erfolgsrezept: Der Antrieb von Fazua verschwindet komplett im Unterrohr. Das Paket aus Motor und Akku lässt sich zudem herausnehmen – was nicht nur zum Laden praktisch ist, sondern auch Fahrten ohne die Antriebseinheit ermöglicht. Stattdessen kommt dann eine leichte Blende an den Rahmen. „Damit wenden wir uns Radfahrer, die nicht permanent mit Unterstützung fahren wollen“, sagt Reuter. Großen Wert legen die Gründer zudem auf ein natürliches Fahrgefühl – rasante Beschleunigungen gibt es deswegen nicht.

Kapazität für 100.000 Antriebssysteme jährlich

Als erstes haben sich die Fahrradmarken Cube aus Waldershof in Bayern und Focus aus Stuttgart für das Konzept begeistert. Inzwischen kaufen knapp 40 Hersteller bei Fazua ein – viele Modelle mit dem Antrieb des B2B-Start-ups sind für das kommende Jahr angekündigt. Auf 100.000 Antriebssysteme jährlich haben die Gründer ihre im Frühjahr 2018 in Betrieb genommen Produktionshallen am neuen Firmensitz in Ottobrunn südöstlich von München ausgelegt.

Reuter, neben Mitgründer Johannes Biechele Geschäftsführer des Unternehmens, ist überzeugt: „Wir könnten das Geschäft einfach langsam, aber sicher ausbauen.“ Die Finanzierungsbasis ist solide: Einen zweistelligen Millionenbetrag an Eigenkapital hat das Start-up in den letzten Jahren eingesammelt. Zu den frühen Investoren zählten neben anderen der High-Tech-Gründerfonds und Bayern Kapital. Seit 2018 ist auch der eng mit dem Start-up-Center der TU München verbundene Frühphaseninvestor Unternehmertum Venture Capital Partners (UVC) dabei. Klassische Bankkredite finanzieren die Vorleistungen bei der Produktion – ganz wie es im Mittelstand üblich ist.

Start-up-typisch haben die Gründer sich aber nun entschlossen, noch einmal einen Gang höher zu schalten – und sich eine weitere Finanzierung in Höhe von 15 Millionen gesichert. Die Besonderheit: Davon stellt zwölf Millionen Euro die Europäische Investionsbank (EIB) in Form von Venture-Debt zur Verfügung. Dabei handelt es sich um einen langfristigen Kredit, der das Eigenkapital von Firmen ergänzen soll. Die bestehenden Investoren steckten Anfang des Jahres weitere drei Millionen Euro in das Unternehmen.

Neue Varianten geplant

„Unser Geschäft ist sehr kapitalintensiv“, sagt Reuter. „Mit den Mitteln haben wir jetzt die Möglichkeit, über das Tagesgeschäft hinauszudenken.“ Im Fokus stehe die Erweiterung der Produktpalette: Bisher gibt es einen Antrieb für alle Fahrradtypen – künftig will Fazua unterschiedliche Varianten anbieten. Auch „Konnektivität“ sei ein Entwicklungsschwerpunkt, so der Gründer: Neue Schnittstellen sollen dafür sorgen, dass die Daten der ohnehin verbauten Trittfrequenz- und Geschwindigkeitssensoren in Geräten von Drittanbietern von Drittanbietern und Apps nutzbar sind.

Um die Pläne umzusetzen, soll das Team alleine bis zum Jahreswechsel noch einmal um 20 Mitarbeiter wachsen. Fest steht für die Gründer indes: Sie wollen auch weiterhin am Firmensitz produzieren – auch wenn die Lohnkosten vergleichsweise hoch sind. „Das ist ein Stück weit Idealismus“, sagt Reuter. „Aber es bietet auch handfeste Vorteile: Wir haben einen direkten Zugriff und können bei Problemen schnell reagieren.“