Mit Nikita Fahrenholz stößt ein erfahrener Digitalunternehmer zum Investorenkreis. Das ehrgeizige Ziel des noch jungen Start-ups: Die baldige Börsenreife.

Lieferdienst, Putzplattform – und nun Cannabis: Der erfahrene Digitalunternehmer Nikita Fahrenholz  beteiligt sich an dem im vergangenen Jahr gegründeten Start-up Farmako. Hinter dem steckt der Kreditech-Gründer Sebastian Diemer. Fahrenholz investiere einen hohen sechsstelligen Betrag und werde Mitglied im Beirat, teilte Farmako heute mit.

Fahrenholz soll das Start-up, das medizinisches Cannabis vertreibt und an synthetischen Wirkstoffen arbeitet, bei dem geplanten ehrgeizigen Wachstumskurs mit seiner Erfahrung begleiten. Denn  Farmako will zügig Teams und Strukturen im Unternehmen aus- und aufbauen: „In sechs bis zwölf Monaten wollen wir bereit für einen Börsengang sein“, sagt Diemer gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Farmako ging erst im Spätherbst 2018 offiziell an den Start. Angeschoben wurde das Unternehmen durch eine siebenstellige Summe von Diemer selbst und dem Meditech-Company-Builder Heartbeat Labs.

Rasantes Wachstum geplant

Erst Anfang März begann die Auslieferung des medizinischen Cannabis an die ersten Apotheken. Die im Businessplan anvisierten Umsätze im sechsstelligen Bereich seien dabei schon im ersten Monat fast um das Dreifache übertroffen worden, sagt Diemer. Ab Juni soll das Tempo noch einmal zulegen: Dann beginnt die Auslieferung des von einer polnischen Firma importierten Produkts. „Bis Ende des Jahres planen wir mit Umsätzen im mittleren siebenstelligen Bereich pro Monat“, sagt Diemer.

Mit dem Vertrieb von Cannabisprodukten ist unter anderem auch das Kölner Start-up Cannamedical unterwegs, welches Ende Januar 15 Millionen Euro von einem US-Investor einwerben konnte. Auch Cansativa (die im Februar eine Finanzierungsrunde verkündeten) oder der kanadische Großhändler Aurora sind auf dem deutschen Markt aktiv.

Hoffen auf künstliches Cannabis

Große Hoffnungen legt Farmako jedoch vor allem auf die biosynthetische Produktion von zentralen Wirkstoffen. 14 der aktuell 40 Mitarbeiter forschen an diesem Verfahren und daraus herstellbaren Produkten. Farmako hat für dieses Herstellungsverfahren ein Patent beim Europäischen Patentamt angemeldet. „Wir wollen in den Markt für die Cannabis-Produkte von übermorgen“, sagt Diemer.

Die Synthese soll an zwei Stellen weiterhelfen: Zum einen verspricht sich Farmako eine deutlich kostengünstigere Produktion. Aktuell kann die legale Produktion von herkömmlichen Cannabis-Blüten die stark wachsende globale Nachfrage kaum befriedigen – Kanada etwa hatte im vergangenen Jahr den Anbau, Verkauf und Gebrauch von Cannabis legalisiert.

In anderen Ländern – wie auch in Deutschland – steigt die Zahl der Rezepte für die medizinische Verwendung von Cannabis. Mit zusätzlichen Niederlassungen ist Farmako zudem in Dänemark und in Großbritannien vertreten. Dort fehlt aktuell noch die Zulassung des streng regulierten Geschäfts: „Da stehen wir ebenfalls kurz vor Markteintritt“, berichtet Diemer.

Zum anderen möchte das Start-up mit Hauptsitz in Frankfurt auch speziell dosierte Medikamente mit Cannabis-Wirkstoffen produzieren. „Da wollen wir eine Brücke zwischen der Cannabis- und der Pharmabranche schlagen“, sagt Diemer. Um die Ärzte von der Wirksamkeit zu überzeugen, plant Farmako auch den Aufbau einer eigenen Abteilung, die wissenschaftliche Studien zu dem Thema erstellen und aufbereiten soll.