Der Grundgedanke sei nicht neu, wendet Stephan Behrendt ein, Technik-Experte beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC): „Über private Datenbanken wird versucht, die Masse an Fahrradfahrern zu nutzen, um gestohlene Räder zu identifizieren. Es gibt immer wieder neue Ansätze – die auch immer wieder verschwinden.“ Behrendt fordert ähnlich dem Kfz-Kennzeichen eine Codierung nach ADFC-Standard, die ohne eigene Datenbank auskommt. Datenbanken sollten – auch im Sinne des Datenschutzes – nur in öffentlicher Hand liegen, denn die seien dauerhaft, so der Experte. Die Ideen privater Anbieter seien zwar oft ganz nett, doch bestünden meist den Praxistest nicht.

Die wenigsten gestohlenen Räder tauchen wieder auf

Die Fahrradjäger aus Rostock wollen ihr Gerät noch vor der nächsten Fahrradsaison einem Praxistest in Münster unterziehen, mit dem höchsten Fahrradanteil am Verkehr die Radler-Hauptstadt der Nation. „Da, wo viele Leute mit vielen Fahrrädern unterwegs sind, ist unser System besonders effektiv, und das ist auch unsere Zielgruppe“, sagt Jäger. Der günstige Einstiegspreis von 30 bis 35 Euro und die Akkulaufzeit von über einem Jahr sind seine Verkaufsargumente.

Mit Bluetooth 4 setzt das Team zugunsten von Sendereichweite und Energieeffizienz auf die aktuellste Version der Technologie – und schränkt damit den möglichen Nutzerkreis ein: Jäger zufolge waren 2014 rund 70 Prozent der iPhones und nicht mal ein Viertel der Android-Smartphones kompatibel mit Bluetooth 4.

Die Probleme im Praxistest gehen noch weiter: Selbst wenn der Peilsender seine Aufgabe erfüllt – das heißt, nicht von den Dieben zerstört wird, seine Energiezufuhr gesichert ist, das Signal nicht unterbrochen wird und das Gerät letztlich anschlägt –, bedeutet das noch lange nicht, dass der Halter sein Rad zurückbekommt, weiß ADFC-Experte Behrendt: „Führt das Signal zum Beispiel in ein Mehrfamilienhaus, wird die Staatsanwaltschaft wegen eines gestohlenen Rades kaum einen Durchsuchungsbefehl erteilen.“ Er sieht den größeren Nutzen solcher Ortungssysteme für Mietangebote wie Next Bike oder Call a Bike.

Hinter letzterem steckt die Deutsche Bahn, die ihren Kunden auf der Homepage im besten Marketing-Sprech empfiehlt, sich Taxikosten und zeitraubende Staus zu ersparen und Städte stattdessen per Zweirad zu erkunden. Immer mehr Nutzer registrieren sich für das Angebot: 2014 waren es mit 4,4 Millionen fast eine Million mehr als im Vorjahr, wie die DB auf Anfrage mitteilte.