Fast jede Woche werden in Deutschland neue Inkubatoren gegründet. Trotzdem bleibt oft unklar, wofür sie gut sind und wie sie jungen Start-ups helfen.

Inkubatoren haben ihren Ursprung in den USA. Nach einer Unternehmensschließung und hoher Arbeitslosigkeit entstand im Bundesstaat New York 1959 der erste Inkubator. Ein einzelner Gründer oder Unternehmer ließ sich zu diesem Zeitpunkt nicht finden, um das Gebäude alleine zu bewirtschaften. Deshalb vermieteten die Eigentümer die Räume an mehrere Gründer und Unternehmen, halfen bei der Kapitalsuche und gaben Tipps. So wirkte sich das Konzept positiv auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in der Region aus – und unterstützte mehr als 1000 Unternehmen in seiner Entwicklung. Es gibt ihn bis heute.

Dem ersten Inkubator sollten viele weitere folgen, die sich konkret zwei Ziele setzten: Zum einen die Vermittlung von Büro- und Nutzflächen für junge Unternehmen. Und zweitens: Forschungsergebnisse und Technologien zu vermarkten. Auch heute noch leisten Inkubatoren Hilfestellung für Start-ups – auch in Deutschland. Die Gründerzentren könnten gerade in der Bundesrepublik dazu beitragen, Ressourcenengpässe von jungen Unternehmen mit unterschiedlichen Leistungen auszugleichen, schreiben Christoph Ritschel und Dennis Franken in einer Studie, die WirtschaftsWoche Gründer exklusiv vorliegt.

Inkubatoren als „Treiber für Wirtschaftswachstum“

In ihrer Forschungsarbeit, für die Franken und Ritschel zwischen Januar und April 2015 Menschen aus Medien, Universitäten, Verbänden und Unternehmensberatungen befragt haben, untersuchen die beiden Kölner Gründer das Leistungsspektrum von Inkubatoren in Deutschland für Unternehmensgründer in der „Net Economy“. Die Studie wird am Donnerstag in Düsseldorf präsentiert.

Die Bundesregierung, so schreiben die beiden Autoren in ihrer Einleitung, will die Anzahl der Unternehmensgründungen kontinuierlich von 10.000 auf 15.000 jährlich steigern, insbesondere in der Digitalwirtschaft. Dieser Bereich könne „als Treiber für das zukünftige Wirtschaftswachstum und den gesellschaftlichen Wohlstand in Deutschland identifiziert werden“.

Wichtig wäre das. Denn noch kann die Bundesrepublik laut der Studie gerade in der digitalen Szene nicht mithalten. Bislang komme kein digitaler Weltmarktführer aus Deutschland, sondern die meisten aus den USA. Hinzu kommt, dass von den weltweit 60 wertvollsten nicht-börsennotierten Unternehmen mit Delivery Hero lediglich eins aus Deutschland kommt, US-amerikanische Unternehmen dominieren auch hier.

Was aber machen nun Inkubatoren? Sie sind ein Netzwerk, das besonders in der Frühphase einer Unternehmensgründung von außerordentlicher Bedeutung ist. Die überwiegende Anzahl der Experten misst der Netzwerkleistung und dem damit oftmals verbundenen Mentoring eine „extrem wertvolle“ beziehungsweise „wesentliche“ Rolle im Leistungsspektrum von Inkubatoren zu. Außerdem beteiligen sich Inkubatoren in der Regel mit einem finanziellen Engagement an den Gründungsvorhaben und erhalten im Gegenzug Geschäftsanteile. Die Experten zeigen laut der Studie ausnahmslos auf, dass sich das Leistungsspektrum deutscher Inkubatoren positiv auf den zukünftigen Unternehmenserfolg der Start-ups auswirken kann.

Angebot zu heterogen, zu intransparent

Es ist aber gerade dieses weite Leistungsspektrum, das dazu führen könne, dass Unternehmer vor neue Herausforderungen gestellt werden: Das Angebot der Inkubatoren sei viel zu heterogen – und die Anzahl, gerade im Bereich der Net Economy, stetig steigend: „Die Verflechtung aus heterogenen Angeboten, differenzierten Inkubator-Formen und einer anhaltenden Marktdynamik kann Unternehmensgründer vor die Herausforderung stellen, sachdienliche Informationen zu sammeln und die jeweiligen Leistungen zu evaluieren,“ schreiben die Autoren. Schließlich erscheinen auch die Webseiten der Inkubatoren nicht ausreichend erschöpfend und lassen Fragen über die konkreten Unterstützungsleistungen und die damit verbundenen Bedingungen offen.

Das Ergebnis: Inkubatoren werden häufig als Teammitglieder charakterisiert, die zu einem Unternehmenserfolg beitragen können. Gleichzeitig werden Inkubatoren als „weitestgehend intransparent“ beschrieben, vor allem mit Blick auf das Leistungsspektrum. Als Gründe dafür werden die aktuelle Marktdynamik sowie die damit verbundene Wettbewerbssituation unter den Inkubatoren angeführt. Erst die Zukunft könne zeigen, ob Inkubatoren als Akteure des deutschen Start-up-Ökosystems einen Beitrag dazu leisten können, einen digitalen Weltmarktführer „Made in Germany“ zu begleiten, resümiert die Studie.

Die gesamte Studie kann hier abgerufen werden.