Als Spottster in der „Höhle der Löwen“ auftrat, zeigte sich Jochen Schweizer dem Geschäftsmodell gegenüber skeptisch. Nun konnten die Gründer ihn doch überzeugen.

Das erste Zusammentreffen zwischen Freya Oehle, Tobias Kempkensteffen und Jochen Schweizer war nicht gerade von Erfolg gekrönt. Als die beiden Gründer des Hamburger Start-ups Spottster ihr Geschäftsmodell in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ präsentierten, sagte der Investor: „Und jetzt möchten Sie von mir 500.000 Euro, um weitere Verluste zu finanzieren?“ Die Summe, die die Gründer für zwölf Prozent ihrer Firmenanteile verlangten, fand Schweizer zu hoch. Geld wollte er den Gründern nicht geben. Auch die anderen „Löwen“ investierten nicht.

Nun hat der Gründer der Unternehmensgruppe Jochen Schweizer seine Meinung geändert. Wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr, investiert Schweizer eine sechsstellige Summe in das Hamburger Unternehmen. Zusätzlich wird der Abenteuerreisen-Verkäufer das Start-up auch bei Strategie, Marketing, Finanzen und Vertrieb unterstützen. Der Geldgeber stelle „die perfekte Ergänzung in Sachen E-Commerce und Venture-Erfahrung“ dar, sagt Oehle. Im Interview mit WiWo Gründer nach der Sendung hatte sie sich noch nicht zu dem Namen des neuen Investors äußern dürfen.

Jochen Schweizer wird ein Frank-Thelen-Konkurrent

Nach der Ausstrahlung hatte Spottster bereits Forum Media Ventures und einen privaten Business Angel aus München als Geldgeber gewinnen können. Um den Investorenkreis inhaltlich zu vervollständigen, sei man erneut auf Schweizer zugegangen, so die Gründerin. Anders als in der Sendung habe man das Konzept „wesentlich ausführlicher“ präsentieren können.

Warum der Investor seine Meinung änderte, ist nicht ganz klar. Schweizer selbst sagt dazu nur so viel: „In ‚Die Höhle der Löwen‘ konnten mich die beiden Gründer von der Idee noch nicht überzeugen.“ Er freue sich jedoch, dass Spottster im Nachhinein auf ihn zugekommen sei. Das Gründerteam ergänze sich perfekt, das Angebot schaffe Transparenz im Netz.

Spottster bietet Nutzern eine Art Merkzettel im Netz. Wenn der Nutzer beispielsweise einen Pullover in einem Onlineshop gefunden hat, kann er ihn in der App oder auf der Webseite nicht nur speichen: Wenn der Preis ihm zu hoch ist, kann er sich für das Produkt auch einen Alarm erstellen. Wenn das Produkt günstiger wird, wird der User per Mail informiert. Spottster erhält eine Kommission von sechs Prozent, wenn der Kunde über die Onlineplattform kauft.

In der „Höhle der Löwen“ hatten Kempkensteffen und Oehle ihre Unternehmenszahlen offen gelegt. Damals machten die Gründer Umsätze von 2000 Euro im Monat, gleichzeitig aber auch Verluste von 9000 Euro. Da die Folge allerdings bereits im März aufgezeichnet wurde, sind diese Zahlen nicht mehr aktuell.

Ein Marketingeffekt namens „Löwen“

Durch den Marketingeffekt der Sendung sind die Umsätze noch einmal deutlich gestiegen: Die Nutzer seien deutlich aktiver als zuvor, „das Plus durch die Ausstrahlung hält sich überraschend gut“, so Oehle. Der Höhepunkt im September habe sich zu 80 Prozent halten lassen. Allein am Abend der Ausstrahlung und am Tag danach verzeichnete Spottster 60 Prozent mehr Seitenzugriffe, heute sind es noch gut 40 Prozent. Die Anzahl der Nutzer hat sich verdoppelt.

Den Marketingeffekt merkt Spottster auch an anderer Stelle. Weil nach der Sendung so viele Nutzer auf die Seite zugriffen, wurde die App auch im Appstore bei Apple gefeatured. Die Prosieben-Sendung „Galileo“ berichtete kürzlich ebenfalls über Spottster. Oehle geht davon aus, dass der „Höhle der Löwen“-Auftritt dafür ein ausschlaggebender Faktor gewesen sein könnte.

Der Name Jochen Schweizer dürfte das Start-up nun noch bekannter machen. Interessant: Mit seinem Investment konkurriert der Unternehmer künftig mit seinem Mit-„Löwen“ Frank Thelen. Dieser besitzt Anteile an Spottsters Wettbewerber Zen Shopping.