Ein Armband macht Bässe spürbar, Musik fühlt sich so an wie im Konzert. Mit Li Ka-Shings Horizons Ventures haben die Macher nun einen namhaften Investor gewonnen.

Wo Daniel Büttner mit seiner Erfindung auftaucht, sorgt er für Aufsehen. Schnell umringen ihn Menschen, die das Gadget ausprobieren wollen. Es ist ein Armband, das Musik fühlbar machen soll. Denn das Basslet verwandelt Töne und tiefe Frequenzen in Vibrationen und macht sie so spürbar, wie man es von Konzerten oder Clubbesuchen kennt.

„Der Vibrationseffekt ist schwer zu vermitteln, wenn man ihn nicht selbst probiert“, sagt Büttner. Er holt den Prototypen aus einem kleinen, mit Star-Wars-Figuren verzierten Metallköfferchen. Es ist ein rotes Armband, das über zwei Kabel mit einer länglichen, etwa Streichholzschachtelgroßen Plastikdose verbunden ist. „Das war die kleinste Größe, die wir noch selber löten konnten“, sagt Büttner entschuldigend. Inzwischen hat er eine Gruppe früherer Nokia-Techniker engagiert, die dafür sorgen sollen, dass die Platine auf Fingernagelgröße schrumpft und komplett im Armband verschwindet.

Dafür funktioniert der entscheidende Teil schon beeindruckend gut: Büttner startet auf seinem Smartphone Michael Jacksons “Billie Jean”, es kitzelt ein wenig am Arm, doch den Rhythmus der markanten Basslinie zu spüren ist ein neues Hörerlebnis. Es irritiert etwas, den Effekt vor allem auf der linken Seite zu fühlen, er zieht sich zwar durch den Körper, trotzdem wirkt es ungewohnt. Als er dann nach zwei Songs von Patti Smith und dem Londoner Dubstep-Musiker Sbtrkt das Basslet abschaltet tritt tatsächlich ein, was Büttner angekündigt hat und von manchen Testern als Entzugserscheinung beschrieben wird: Es fehlt etwas und die Musik klingt plötzlich erstaunlich flach.

Horizons Ventures investiert in das Basslet

„Als ich davon gehört habe, war ich skeptisch, aber als ich es probiert habe war der Effekt wirklich beeindruckend“, sagt Dave Haynes, Manager beim Investor Seedcamp. Er ist einer der Juroren, die Büttners Unternehmen Rescued Ideas im Sommer auf der Musikmesse Midem in Cannes zum besten Hardware-Start-up kürten. Womöglich ein gutes Omen: Den renommierten Preis hatte zuvor auch Soundcloud gewonnen und entwickelte sich in der Folge zu einem der international bekanntesten Start-ups aus Deutschland.

Auch Li Ka-shing konnten die Berliner schon überzeugen: Sie gewannen den reichsten Mann Asiens als Investor, dessen Wagniskapitalfonds Horizons Ventures ist bei dem Start-up eingestiegen. An der Seed-Runde beteiligte sich zudem die Schweizer Managementgesellschaft Talos. Über die Höhe wurde Stillschweigen vereinbart, sie dürfte aber im sechsstelligen Bereich liegen.

Eigentlich wollte Büttner ein neuartiges Instrument entwickeln. Er hat Musik studiert und lange selbst professionell Kontrabass gespielt. Dann arbeitete Büttner sieben Jahre beim Berliner Musiksoftwarespezialisten Ableton, dessen Programm nutzen unzählige Stars, um ihre Hits zu komponieren. Doch bei der Arbeit mit Musiksoftware fehlte Büttner immer etwas. „Ein Laptop ist als Instrument miserabel“, sagt er. Denn bei klassischen Instrumenten spürt der Musiker die Schwingungen der Musik selbst, diese körperliche Erfahrung, fehle bei der am Computer gemachten Musik.

Und so überlegte Büttner immer wieder, wie man ein digitales Instrument bauen könne, das die erzeugten Klänge auch physisch spürbar macht. Seine Idee: Man müsse die Frequenzen der Töne in Vibrationen übersetzen. Aus der Idee, das Instrument der Zukunft zu entwickeln, ist ein Gadget für Musikfans geworden. Doch das Basslet könnte auch für Musiker interessant sein: Die könnten es beispielsweise statt eines Metronoms nutzen.

Technologie besser als in der Apple Watch

Büttner will das Basslet im Frühjahr 2016 auf den Markt bringen, zudem spricht er mit Kopfhöreranbietern über Kooperationen. Doch gibt es neben Fitnessbändern und Smartwatches wirklich noch Platz und Potenzial für ein weiteres Gadget am Arm? Büttner, der selbst zwei Lederbändchen um das Handgelenk trägt, sieht darin kein Problem. Zielgruppe seien eher Clubgänger und die würden selten Fitnesstracker nutzen.

„Zudem könnte man künftige Versionen auch als Armband in Smartwatches integrieren“, sagt Büttner. Dabei sei sein Start-up der Konkurrenz deutlich voraus: „Unser Vibrationsmotor ist besser als in der Apple Watch“. Die könne Tonsignale nicht so exakt in Vibrationen umwandeln, wie Büttners Technologie, die von Spezialisten des Pariser Robotics-Instituts ISIR entwickelt wurde. Zudem benötigen tiefe Bassfrequenzen dabei viel Energie. Wenn Apple eine solche Funktion in seine Smartwatch integrierte, würde sie extrem schnell die Batterie leer saugen. „Wir schaffen dagegen vier bis sechs Stunden Laufzeit“.

Wenn das Bassarmband zum Erfolg wird, könnte Büttners Start-up somit auch für Apple interessant werden – als Partner oder sogar Übernahmekandidat. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die Firma aus Cupertino für deutsche Musiktechnik begeistert. Eines der wichtigsten Konkurrenzprodukte von Ableton ist Apples Logic. Entwickelt wurde die Software von der Hamburger Firma Emagic – bis Apple im Jahr 2002 zuschlug. Und auch Horizons Ventures hat ein Näschen für Start-ups mit Cupertino-Potenzial: zu den früheren Investments der Hongkonger zählen neben Spotify, Facebook auch das von Apple gekaufte Siri.