Von regionaler Vernetzung bis internationaler Spezialisierung: 150 Millionen Euro stellt das Wirtschaftsministerium für die nächsten vier Jahre bereit. Die Bandbreite der Projekte ist groß – die Ziele vieler Hochschulen sind ehrgeizig.

Der Gründungsbus kann bald losfahren – dank staatlicher Unterstützung. Die private Wirtschaftshochschule ISM erhält eine Million Euro Fördermittel des Bundeswirtschaftsministeriums, um die Gründerförderung an den sieben Standorten zu verbessern. Mit dem Geld soll unter anderem ein virtuelle Plattform mit Dienstleistungen für Start-ups bereitgestellt werden. Und eben das mobile Gründungsbüro – der Bus soll künftig zwischen den bundesweit verteilten Ausbildungsstätten der ISM pendeln.

Auch zahlreiche andere deutsche Hochschulen können ihre Start-up-Förderung ausbauen. In dieser Woche wurden insgesamt 142 Bildungseinrichtungen für die Fördermaßnahme „Exist-Potentiale“ ausgewählt – 220 Anträge waren zuvor eingereicht worden. Von der Fachhochschule Aachen über die Technische Hochschule Deggendorf und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bis zur Westsächsischen Hochschule Zwickau verteilt sich die Förderung regional quer durch die Republik (hier steht die gesamte Liste als PDF).

150 Millionen Euro für vier Jahre

Das Bundeswirtschaftsministerium stellt dafür insgesamt 150 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren bereit. „Start-ups haben eine hohe strategische Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland: Sie bringen Innovationen voran, sind Motor des strukturellen Wandels und schaffen Arbeitsplätze der Zukunft“, sagte der zuständige Minister Peter Altmaier.

Die Bandbreite der Projekte ist dabei groß. Die Hochschulen konnten sich in drei Kategorien bewerben. „Potentiale heben“ richtete sich vor allem an kleinere Unis, die ihre Gründungsaktivitäten bündeln oder strukturieren wollen – hierzu zählt etwa das Projekt der ISM. Auf diese Kategorie entfällt der Großteil der bewilligten Anträge. „Regional vernetzen“ soll dagegen Maßnahmen fördern, die Hochschulen mit anderen Partnern vor Ort – etwa Unternehmen oder Handelskammern – enger zusammenbringen.

Auch bei Gründungen zum Global Player

In der Kategorie „International überzeugen“ wurden noch zwölf Universitäten ausgezeichnet, darunter etwa das KIT, die RWTH Aachen oder auch zwei Hochschulen in Braunschweig. Die hier bewilligten Fördergelder sollen helfen, „Deutschland noch besser als ‚Global Player‘ bei wissenschaftsbasierten Gründungen“ zu positionieren, heißt es im Leitfaden zum Programm.

Die TU München (TUM) – mit langer Historie an erfolgreichen Start-up-Ausgründungen – plant beispielsweise das „Global Deeptech Venture“. Das soll internationale Start-ups aus den Bereichen KI, Robotik, 3D-Druck oder Mobilität dazu bewegen, sich in München anzusiedeln und ihr Produkt auf den Markt zu bringen. Man wolle kraftvolle „Partner und Investoren aus anderen Ländern anziehen und München zur führenden europäischen Metropole für Deeptech-Start-ups fortentwickeln“, sagt TUM-Präsident Thomas F. Hofmann.

Kulturwandel in den Hochschul-Köpfen

Das nun aufgesetzte Förderprogramm des Bundes setzt die Förderlinie „Gründungskultur“ fort. Daneben können unter dem Namen Exist auch noch Gründer mit Uni-Bezug für die ersten Monate ihres Start-ups direkte finanzielle Unterstützung beantragen. Der Forschungstransfer hilft dabei, komplexe Ideen aus den Hochschul-Laboren in ein vermarktbares Produkt zu transportieren. Peter Altmaier hatte vor einem Jahr angekündigt, dass der Bund mehr für die Förderung von Start-ups tun will.

Der dichten deutschen Hochschullandschaft wird viel Potenzial zugetraut, vielversprechende Start-up-Ideen zu entwickeln. Aktuelle Forschungen zeigen jedoch, dass noch zu wenige Studierende und Dozentinnen diesen Schritt wagen. „Wir müssen die Studierenden, die eine lohnenswerte Idee im Kopf haben, dazu bringen, die Möglichkeit einer Unternehmensgründung von Anfang an mitzudenken“, sagt Carsten Rudolph, Geschäftsführer des regionalen Netzwerks BayStartup. „Diesen Kulturwandel erreichen wir nur, wenn wir es schaffen, den Studierenden durch professionelle Begleitung die Angst vor dem Gründen zu nehmen.“