Fast die Hälfe des Kapitals soll in einen Fonds für europäische Start-ups fließen. Unter den Geldgebern sind namhafte Großunternehmen aus Deutschland.

Die Geldtöpfe füllen sich: Zahlreiche Wagniskapitalgeber haben in den letzten Wochen neue Investmentfonds auf den Weg gebracht. Deutsche Telekom Partners etwa hat gerade 350 Millionen Euro eingesammelt, Cherry Ventures aus Berlin 175 Millionen, 50 Millionen waren es bei 42Cap aus München. Nun hat ein Schwergewicht unter den Frühphasen-Investoren die Sammelphase beendet. Wie Eventures heute mitteilte, hat die Risikokapitalgesellschaft Investmentzusagen über 400 Millionen Dollar – gut 350 Millionen Euro – bekommen. Davon sollen 175 Millionen Dollar in Europa und 225 Millionen in den USA investiert werden.

Die ursprünglich in Kalifornien als BV Capital gegründete Firma hat eigenen Angaben zufolge im Laufe ihrer 20-jährigen Geschichte in mehr als 200 Start-ups investiert. Zu den bekanntesten Investments gehören das Gutscheinportal Groupon, der Lautsprecherhersteller Sonos und der Prospektdienst kaufDA. In Deutschland befinden sich aktuell beispielsweise die Immobilien-Plattform Exporo, die Digitalversicherung Coya und das Zinsportal Deposit Solutions im Portfolio. Eventures managt eigenen Angaben zufolge derzeit ein Anlagevolumen in Höhe von etwa 1,4 Milliarden Dollar.

Zu den Hauptinvestoren von Eventures gehört seit Jahren der Handeslkonzern Otto, der auch beim Berliner Frühpaseninvestor Project A investiert. Zuletzt hatte der Handelskonzern die Mehrheit an einem früheren Eventures-Fonds gewinnbringend verkauft. Unter den weiteren Bestandsinvestoren sind laut Handelsblatt auch Lidl, Dr. Oetker und Porsche. Zu den neuen Geldgebern gehören demnach unter anderem Bitburger, Kärcher und Deichmann. Beteiligt seien zudem Family Offices sowie die Förderbank KfW und der European Investment Fund (EIF).

Beteiligungen mit 1,5 bis 10 Millionen Dollar

Sowohl der neue Europa- als auch der neue US-Fonds waren nach Angaben von Eventures überzeichnet. Das nun eingesammelte Geld soll in Technologie-Start-ups der Frühphase fließen. Konkret will sich der Wagniskapitalgeber mit jeweils 1,5 bis 10 Millionen Dollar an Series-A- und Series-B-Finanzierungsrunden beteiligen – etwa von Fintechs, Anbietern von Cloud-Software sowie Online-Marktplätzen. Die Auswahl werde durch maschinelle Datenanalysen gestützt, die Kennzahlen von Start-ups auswerten.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem neuen Kapital unser hervorragenden, langfristig denkenden Investoren die Beteiligungen an jungen Startups aus Europa und den USA, die sich noch in der Frühphase befinden, verdoppeln können“, kommentierte Christian Leybold, Mitgründer und Partner von Eventures. Im Partnerkreis der Firma ist auch Christian Miele, Urenkel von Carl Miele, dem Gründer des gleichnamigen Hausgeräteherstellers. Christian Miele kandidiert derzeit für den Posten des Vorsitzenden beim Bundesverband Deutsche Startups, die Wahl findet im November statt.