HelloFresh, Number26 und Spotify bieten ihren Mitarbeitern Gratis-Lunch am Arbeitsplatz. Sie kooperieren dabei mit dem Catering-Portal Caterwings. 

Technik-Konzerne im Silicon Valley wie Google und Evernote sind dafür bekannt, dass es Gratis-Essen gibt. Bei Evernote kommt an fünf Wochentagen ein Caterer. Was bei den Mitarbeitern von übrig bleibt, darf mit nach Hause genommen werden. Die Facebook-Mitarbeiter am Campus im US-Bundesstaat Kalifornien, im Herzen des Silicon Valley, können drei Mal täglich kostenlos essen und ihre Familie zum Essen mitbringen. Hört sich verlockend an, ist jedoch in Europa noch lange nicht so üblich wie in den USA.

Caterwings ist noch ein junges Unternehmen, das Catering auf eine neue Ebene bringen möchte. Das Rocket-Venture startete letztes Jahr bereits in London, jetzt ist es in Berlin angekommen und Expansionspläne gibt es bereits nach den ersten Monaten: Der Service wird nun auch in Hamburg und München angeboten und soll im Sommer auf weitere europäisch Länder ausgedehnt werden.

Speziell ausgebildete Köche beraten Kunden, welcher Catering-Service am besten zu ihnen und den entsprechenden Events passt.

War of Talents: Gratis-Essen lockt die Besten?

Firmen und Privatpersonen können über den Marktplatz den passenden Caterer für das Team-Event, das Business-Meeting oder eine private Geburtstagsfeier finden. “Unser Fokus liegt auf Office-Lunches. Wir sind auf Firmenkunden spezialisiert, die Mitarbeiter durch Catering entlasten wollen”, sagt Caterwings-Mitgründer Sebastian Kloss.

Dass sich der Trend aus den USA auf immer mehr Unternehmen in Europa ausweitet spielt Caterwings in die Karten. Kloss sieht die Entwicklung als Antwort auf die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt, wo in bestimmten Berufsgruppen ein „War of Talents“ ausgebrochen sei. Man müsse sich als Arbeitgeber überlegen, wie man seine Mitarbeiter hält: „Wie rekrutiere und halte ich Mitarbeiter? Und wie hole ich das Maximale aus ihnen heraus?“ Eine Essensverpflegung am Arbeitsplatz könne laut Kloss eine Antwort darauf sein.

Caterwings hilft Start-ups bei der Mitarbeiterverpflegung: Aber bekommen die eigenen Mitarbeiter auch Essen? „Wir testen die Catering-Partner natürlich und unsere Mitarbeiter kommen dadurch auch in den Genuss von Gratis-Lunch.“ Number26 ist neben Spotify und HelloFresh eines der Start-ups, das mit Caterwings kooperiert. Einmal in der Woche spendiert das Unternehmen den Mitarbeitern einen Business-Lunch.

Das Berliner Start-up mit 140 Mitarbeitern bietet die erste mobile Bank in Europa und wurde 2013 von Valentin Stalf (30) und Maximilian Tayenthal (35) gegründet. Number26 hat etwa 160.000 Kunden und bearbeitet monatlich über eine Millionen Transaktionen. Mitgründer Valentin Stalf sagt, bei dem wöchentlichen Lunch gehe es vor allem darum, den Mitarbeitern eine gute Atmosphäre zu schaffen. „Es kommt im ganzen Unternehmen gut an, wenn wir die wöchentlichen Team-Lunches machen. Man kann sich mit Leuten aus anderen Abteilungen austauschen, mit denen man sonst nicht direkt zusammenarbeitet.“

Gemeinsames Mittagessen erhöht die Teamleistung

Der Lunch ist freiwillig, aber meistens machen alle mit. Und wenn das ganze Team zusammenkommt, wird die Zeit auch mal dafür genutzt, dass ein Bereich den anderen Mitarbeitern etwa eine neue App oder ein neues Konzept vorstellt. „Wir bieten mit dem Lunch einen innerbetrieblichen Austausch kombiniert mit Essen, damit die Leute keine Zeit verlieren.“

Produktivität durch Office-Lunches bestätigt auch die Wissenschaft: Forscher der Cornwell University kamen zu dem Ergebnis, dass diejenigen, die zusammen aßen, meistens die besseren Bewertungen für ihre Team-Leistung bekamen.”

Doch nicht nur das Unternehmen profitiert von der Produktivität: Corporate Lunch ist ein sehr effektives Mittel, um die Zufriedenheit der Mitarbeiter und die Identifikation mit dem Unternehmen zu erhöhen. Gemeinsamer Lunch erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit um etwa zehn Prozent. Die Seamless Corporate Accounts Food in the Workplace-Umfrage von 2014 ergab, dass sich 57 Prozent der Befragten durch Vergünstigungen wie Gratis-Essen von ihren Arbeitgebern mehr geschätzt fühlten, und 50 Prozent sagten, dass sie sich durch Essen am Arbeitsplatz mit ihrem Arbeitgeber zufriedener fühlen.

Kriterium für die Mitarbeiter

Nun sind die Regeln in Deutschland recht strikt, was die Vergütungen, die über das Gehalt hinausgehen, angeht. Aber Number26 lässt sich durch das Steuerrecht nicht abhalten. „Es gibt Festbeträge und da liegt es an jedem Unternehmen zu entscheiden, wo die Prioritäten liegen. Uns ist das gemeinsame Mittagessen und der entstehende Austausch extrem wichtig.“

Gerade in Unternehmen mit starken Technik-Fokus gibt es die “War of Talents“. Eine Bereitstellung von Essen am Arbeitsplatz kann dabei sogar ein Kriterium von Mitarbeitern mit stark gesuchten Profilen sein. Was Stalf von Mitarbeitern hält, die sich nur wegen des Gratisessens für Number26 entscheiden? „Es ist eine Sache, dass wir Team-Lunches haben, aber nochmal etwas anderes, wie viel Mitsprache man im Unternehmen hat, dass man sich über die Hierarchien hinweg so gut wie möglich austauschen kann. Das gemeinsame Mittagessen ist nur ein Grund, der für uns spricht.“