Auffallend sei die Struktur mit wenigen großen und vielen kleinen Unternehmen. Doch während vor Jahren noch viele der großen Firmen aus dem Imperium der Brüder und Zalando-Finanziers Samwer stammten, trügen heute mehr Schultern die großen Unternehmen.

Nach Erhebungen der Beratungsgesellschaft EY gingen im vergangenen Jahr 70 Prozent (2,1 Mrd Euro) des gesamten Risikokapitalvolumens in Deutschland an Start-ups in Berlin. Hamburg und Bayern liegen mit 300 beziehungsweise 260 Millionen Euro auf Platz zwei und drei in der Länder-Rangliste. Im europaweiten Ranking folgen London (1,7 Mrd Euro), Stockholm (992 Mio Euro) und Paris (687 Mio Euro).

„Es zeigt sich, dass wichtige Akteure in die Stadt gekommen sind“, sagt Institutschef Wöbken. Ähnlich wie die Politik nach dem Regierungsumzug zahlreiche Verbände und Institutionen nach Berlin geholt habe, locke die Digitalbranche zahlreiche Investoren sowie Akteure der „Old Economy“ und der internationalen Szene in die Stadt.

Kein klassischer Industriestandort

Für Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer liegt darin die große Chance der Stadt. „Wir sind zwar kein klassischer Industriestandort“, sagt die CDU-Politikerin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Aber schon heute seien in Berlin gegründete Unternehmen zu unverzichtbaren Partnern für multinationale Player geworden. Immer mehr Industriebetriebe investierten in Berlin, so etwa Daimler oder Bayer. „Es ist etwas entstanden, das nachhaltig wirkt“, meint Yzer. „Die Start-up-Szene ist erwachsen geworden.“

Auch Studienautor Wöbken sieht die Berliner Start-up-Szene in der Post-Pubertät, betont aber: „Berlin wird niemals das neue Silicon Valley werden.“ Zwar stehe die kreative Szene im Rampenlicht, aber „erfolgreicher agieren hier immer noch Firmen, die Ideen von anderen kopieren“, sagt Wöbken mit Blick auf die Start-up-Fabrik der Samwer-Brüder, Rocket Internet.

Gegenüber Städten wie San Francisco oder New York habe Berlin aber eine soziale Durchlässigkeit. „Das ist ein großer Standortvorteil, weil sich dadurch Menschen mit völlig verschiedenen Hintergründen gegenseitig inspirieren und voneinander lernen können“, sagt der Institutsgründer. Demnach fragt sich aber aber, wie lange das angesichts stark steigender Mieten in den angesagten Vierteln der Stadt noch möglich sei. Denn dort haben auch viele Start-ups ihren Sitz.