Enway rüstet Reinigungsmaschinen eines Mittelständlers mit Sensoren auf. Für finanziellen Anschub sorgt eine Gruppe von Investoren. 

Auch wenn es längst umfangreiche Tests gibt – bis Roboterautos in Serie gehen, wird es wohl noch Jahre dauern. Umso mehr überrascht die Meldung von Enway: Das Berliner Start-up beansprucht für sich, gerade als erstes europäisches Unternehmen ein autonomes Fahrzeug auf den Markt gebracht zu habe. Mit dem Personentransport hat die Entwicklung indes wenig zu tun: Das „Blitz One“ getaufte Gefährt ist eine Kehrmaschine und soll ohne menschliches Zutun Lagerhallen, Parkflächen oder andere Gewerbeflächen sauber halten.

„Das autonome Fahren lässt sich in dem Bereich sehr viel schneller umsetzen“, sagt Enway-CEO Julian Nordt, der das Unternehmen Anfang 2017 zusammen mit Bo Chen und Thanuja Ambegoda gegründet hatte. Ein wesentlicher Faktor: Die Kehrmaschinen sind nur mit drei Stundenkilometern unterwegs – und arbeiten in vorab festgelegten Bereichen. Wie auch bei Robotertaxis sorgen aber sogenannte Lidar-Systeme und Kameras für Orientierung, Hindernisse wie eine Palette werden umfahren. Zusätzlich gibt es Sensoren, die verhindern sollen, dass die Maschine einen Menschen oder ein Tier erfasst.

Kooperation mit einem Familienunternehmen

Dem gerade erfolgten Marktstart ging eine zweijährige Entwicklungsarbeit voraus. Erprobt hat das Start-up seine Technologie unter anderem beim Recyclingunternehmen Alba in Leipzig. Kooperationspartner des Start-ups für „Blitz One“ ist ein Mittelständler in Osnabrück: Stolzenberg liefert die eigentlichen Kehrmaschinen zu, die das Start-up dann aufrüstet. „Das Familienunternehmen stand uns sehr viel offener und aufgeschlossener gegenüber als manches Großunternehmen“, berichtet Nordt.

Aktuell beschäftigt Enway 25 Mitarbeiter, bis zum kommenden Jahr sollen es 35 sein. „Wir wollen vor allem Techniker einstellen, die die Einrichtung und Warten der Maschinen bei Kunden vor Ort übernehmen“, sagt Nordt. Denn bevor die Gefährte autonom fahren können, muss das Einsatzgebiet mit den Sensoren der Reinigungsmaschinen oder einem Sensor-Rucksack erfasst werden. Für das Gesamtpaket aus Hard- und Software verlangt Enway von den Kunden monatliche Gebühren.

Geld für die personelle Aufstockung ist vorhanden: Wie das junge Unternehmen nun bekannt gegeben, hat es kürzlich sechs Millionen Euro an Wagniskapital eingesammelt. Das Geld kommt von Züricher Frühphaseninvestor Redalpine, der Berlin Technologie Holding (BTH) und mehreren Business Angels – darunter dem von Ex-Uber-Managern gegründeten Investorennetzwerk Moving Capital. Beteiligt waren zudem die Bestandsinvestoren B10 Venture Capital und Atlantic Labs.

Tests auf öffentlichen Straßen

Vorantreiben will das Gründertrio nun auch die Erprobung der Technologie im öffentlichen Raum. Nach einem Versuch in Darmstadt im Herbst 2018 soll im kommenden Jahr ein großangelegter Test in Singapur folgen. Das Start-up hat in dem asiatischen Stadtstaat inzwischen auch eine Niederlassung eröffnet. Die regulatorischen Rahmenbedingungen seinen dort besonders günstig, sagt Nordt. Er erwartet, dass schon in zwei Jahren erste Flotten autonomer Reinigungsmaschinen auf Straßen unterwegs sein könnten – wobei diese anfangs aus einer Zentrale heraus überwacht werden könnten.

Damit kämen die Gründer, die sich während des Studiums beziehungsweise der Arbeit bei einer Beratung in der Schweiz kennengelernt hatten, ihrer Ursprungsidee nahe: „Wenn wir mal nicht in Zürich waren, ist uns immer aufgefallen, wie dreckig viele Städte sind“, sagt Nordt. „Da haben wir uns gefragt, wie man das technologisch lösen kann.“

Dem autonomen Fahren haben sich auch andere Start-ups in Deutschland verschrieben. In der Regel zielen sie aber auf Robotertaxis. Blickfeld aus München beispielsweise will Lasersysteme mit einer neuen Bauweise kompakter machen. Artisense dagegen setzt auf einfache Kameras für die Umgebungserkennung. Marktbeobachter erwarten, dass Autohersteller und -zulieferer verstärkt Technologie-Start-ups wie dies übernehmen.