Die CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl wird Jurorin in der „Höhle der Löwen“ – ein gutes Zeichen, meint unsere Kolumnistin Tijen Onaran.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt wieder Tijen Onaran. Sie ist Gründerin von startup affairs, einer PR und Public Affairs Beratung für Start-ups, Venture Capitals und Unternehmen. Mit Women in Digital e.V. vernetzt Onaran Entscheiderinnen der Digitalbranche und macht diese sichtbar.  Vor der Gründung von startup affairs war sie als Leiterin Kommunikation beim Onlinehandelsverband Händlerbund und in unterschiedlichen Funktionen für Bundestags-, Europaabgeordnete sowie das Bundespräsidialamt tätig.

Bis auf Glanzlichtveranstaltungen und ein paar öffentliche Termine gibt es keine echte Verbindung zwischen Politik und Start-ups. Gerade deshalb ist der Einzug von Dagmar Wöhrl in die „Höhle der Löwen„ ein wichtiges Signal: Start-ups und Politik brauchen einander.

„Kreativität ist immens wichtig, wir haben keine Rohstoffe, wir haben nur unsere Köpfe und die müssen wir pflegen und hegen, damit Kreativität auch zum Vorschein kommen kann“, schreibt Dagmar Wöhrl auf ihrer Website

Damit Kreativität wirken kann, braucht es aber auch Ausdauer, Beharrlichkeit und Verhandlungsgeschick. Alles Fähigkeiten, die es auch in der Politik braucht. 

Auf Kongressen von politischen Parteien wird zum Teil mehrere Stunden über einen Satz diskutiert, der ins Wahlprogramm soll. All diese Diskussionen hat Dagmar Wöhrl bereits miterlebt. Die beste Schule für die neue Aufgabe. 

Eine gute Strategie und ein breites Netzwerk können Wunder wirken. Auch hier hilft politischer Sachverstand und ein Verständnis für die Abläufe in Institutionen und Organisationen. Wer sie begreift, hat gute Chancen, sein Start-up nach vorne zu bringen.

Tatsache ist: Politische und wirtschaftliche Realität klaffen zum Teil immens auseinander. Das wird auf Start-up-Touren immer wieder deutlich. Viele Politiker umgeben sich gern mit hippen Start-up-Gründern in noch hipperen Start-up-Schmieden.

Sie vergessen aber: Die Besuche sind das eine; das andere und viel wichtigere sind aber die Rahmenbedingungen, die Gründern in Deutschland helfen durchzustarten. 

Ich scheiter‘, also bin ich

Kaum war bekannt, dass Dagmar Wöhrl den Platz bei „Die Höhle der Löwen einnimmt“, erwähnten Kritiker die Insolvenz des Modehauses Wöhrl und stellten ihre unternehmerischen Fähigkeiten in Frage. Dabei ist es doch gerade die Start-up-Szene, die das Scheitern erst salonfähig gemacht hat. Wenn nicht unter Gründern: Wo sonst ist es möglich, hinzufallen und wieder aufzustehen? 

Überall lesen und hören wir von Menschen in Start-ups, die zunächst eine Durststrecke überlebt und dann den großen Erfolg erlebt haben. In der Jury bei „Die Höhle der Löwen“ sitzen Menschen, die nicht nur viel gesehen haben, sondern vor allem auch selbst schon Tiefen erlebt haben. 

Ob es Judith Williams ist, die aufgrund eines Tumors nicht mehr ihrer ersten Karriere, dem Gesang, nachgehen konnte, dann aber als Moderatorin und Vermarktungsgenie Erfolge gefeiert hat. Oder Frank Thelen, der als Jugendlicher das erste Mal mit seinem Start-up scheiterte. 

Alle Juroren haben das erlebt, was viele Gründer, denen sie gegenübersitzen, auch schon durchgemacht haben: mit sich zu ringen und zu hadern – und an der eigenen Idee zu zweifeln.

Jetzt sitzt da eine weitere Löwin, die nicht nur auf Höhen und Tiefen ihres Weges zurückblicken und anderen hilfreiche Tipps geben kann, sondern die auch niemandem mehr etwas beweisen muss. 

Eine bessere Wahl hätte es nicht geben können.