Das Unternehmen kooperiert für sein auf Datenübertragungen spezialisiertes Mobilfunknetz mit 540 Netzbetreibern weltweit.

Leihfahrräder, Carsharing-Autos – und nun auch noch E-Scooter: Während sich mancher darüber aufreget, dass immer mehr Verleihdienste Platz auf Bürgersteigen und Parkplätzen beanspruchen, freut sich Frank Stöcker über jedes neue Fahrzeug. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass seine Firma mitverdient, ist groß: EMnify ist darauf spezialisiert, Geräte jeglicher Art ins Internet zu bringen. „Der Mobilitätssektor gehört momentan zu den größten Wachstumstreibern“, sagt der Gründer.

EMnify arbeitet wie eine Art virtueller Mobilfunkbetreiber: Eigene Mobilfunkmasten unterhält das Start-up nicht, sondern kauft stattdessen Kapazitäten ein – bei inzwischen 540 Netzbetreibern weltweit. Die Unternehmenskunden bekommen für ihre Geräte eine SIM-Karte von EMnify, über die eine Verbindung zum jeweils leistungsstärksten Netz hergestellt wird. Gebündelt werden alle Daten – unabhängig vom Netzbetreiber und Land – auf einer Softwareplattform, die bei Cloud-Anbietern wie Amazon Web Services liegt.

Mobilfunknetz in der Cloud

„Wir betreiben ein Mobilfunknetz in der Cloud“, sagt Stöcker. Das biete in vielen Fällen Geschwindigkeitsvorteile, da Anwendungen im Bereich des „Internet of Things“ (IoT) häufig ebenfalls Cloud-Infrastrukturen nutzen. Die Daten müssen also nicht erst den Weg in ein regionales Rechenzentrum finden, um verarbeitet zu werden. Der Datenfluss findet stattdessen über standardisierte Schnittstellen in der Cloud statt.

Gegründet hatte Stöcker das Unternehmen 2014 gemeinsam mit Martin Giess und Alexander Schebler. Alle drei hatten vorher in führenden Positionen beim SMS-Dienstleister MACH gearbeitet, der vom US-Romingspezialisten Syniverse aufgekauft wurde. Als Business Angel haben die Gründer Lars Singbartl gewonnen, ehemals Deutschlandchef des Private-Equity Unternehmen Warburg Pincus. Seither haben sich mehrere andere Privatinvestoren aus dem Technologiesektor angeschlossen.

20 Millionen Euro Wagniskapital

Gerade hat das Start-up eine acht Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde abgeschlossen und gibt an, seit der Gründung insgesamt 20 Millionen Euro an Wagniskapital eingesammelt zu haben. Die Finanzspritze will das Unternehmen nutzen, um das aktuell 85-köpfige Team auszubauen. Gegründet wurde EMnify in Würzburg, seit 2016 gibt es auch eine Niederlassung in Berlin. „In Würzburg wäre es schwierig geworden, ein internationales Vertriebs- und Kundenservice-Team aufzubauen“, sagt Stöcker.

Das Verhältnis zu anderen Mobilfunkunternehmen ist zwiegespalten: Einerseits macht EMnify ihnen ein Stück weit Konkurrenz. Andererseits ist das Start-up ein guter Kunde der Netzbetreiber – und hilft vielen Anbietern dabei, eigene Lösungen aufzubauen. Ein Beispiel dafür ist 1nce, ein Kölner Start-up, an dem die Deutsche Telekom als Minderheitsgesellschafter beteiligt ist. Das auf IoT spezialisierte Mobilfunkunternehmen nutzt unter anderem die Software-Plattform von EMnify und ist seinerseits Zulieferer für IoT-Angebote der Telekom.

Rund zwei Drittel des Umsatzes erwirtschafte EMnify damit, seine Plattform anderen Telekommunikationsanbietern zur Verfügung zu stellen, sagt Stöcker. Ein Drittel stammt aus dem Geschäft mit Direktkunden. Insgesamt seien über drei Millionen Geräte in 140 Ländern über die Plattform des Start-ups an das Internet angebunden. Die Wachstumsaussichten sind rosig: Die Branchenvereinigung GSM Association (GSMA) geht davon aus, dass sich bis 2025 weltweit bis zu 25 Milliarden funkfähige Geräte mit dem Internet verbinden.