Viele Gründerinnen verzichten aus finanziellen Gründen auf Elternzeit. Unternehmerin Franziska von Hardenberg fordert eine Neustrukturierung des Elterngeldes. 

Der Vorschlag schlug ein wie eine Bombe: Es war, als hätte die Start-up-Szene nur darauf gewartet. Auf jemanden, der sagt: Hier muss sich etwas ändern. Dieser jemand ist Franziska von Hardenberg, Gründerin des Schmucklabels Holy Goldy und ehemalige CEO von Bloomy Days. Als die Berlinerin – und zweifache Mutter – vergangene Woche auf ihrem Instagram-Account über das Thema Elterngeld für Gründerinnen und Gründer sprach, waren die Reaktionen enorm. Nicht nur ihre Follower waren voller Zuspruch, auch viele Unternehmer teilten von Hardenbergs Story.

„Unternehmerinnen tun sich schwer damit, volle zwölf Monate in Elternzeit zu gehen, vor allem, wenn ihr Start-up gerade noch in der Aufbauphase steckt“, berichtete sie. So ging es auch ihr selbst, als sie nach den Geburten ihrer beiden Töchter schon nach wenigen Wochen wieder im Büro war und sich entschloss, komplett auf die Zahlung des Elterngeldes zu verzichten. 

Elterngeld Plus ist eine Milchmädchenrechnung

Und das, obwohl 2015, dem Jahr, in dem Franziska von Hardenberg gerade ihr erstes Kind bekommen hatte, für Frauen und Männer, die nach Teilzeit wieder in den Beruf zurückkehren wollen, das Elterngeld Plus eingeführt wurde.

Elterngeld Plus? Franziska von Hardenberg kann da nur müde lächeln. Gut gedacht ist nicht immer gut gemacht, findet sie. Ihre Kritik: „In dem momentanen Modell lohnt es sich kaum, parallel zu arbeiten, weil das verdiente Geld mit dem Elterngeld verrechnet wird. Am Ende ist die eigene Arbeit sogar weniger Wert als zuvor.“ 

Eine Milchmädchenrechnung also, die den Wiedereinstieg in den Beruf besonders unattraktiv macht. „Und Väter hält es oft davon ab, überhaupt mehr als ein oder zwei Monate an der Kinderbetreuung teilzuhaben“, so von Hardenberg.

Die Konsequenz liege auf der Hand: Echte Gleichberechtigung werde dadurch nahezu unmöglich gemacht. Von der Möglichkeit unternehmerisch tätig zu werden ganz zu schweigen.

Neustruktierung des Elterngeldes

Doch Franziska von Hardenberg kritisiert nicht nur. Gemeinsam mit der ebenfalls in Berlin ansässigen Unternehmerin und Drehbuchautorin Louisa Löwenstein hat sie einen Alternativvorschlag entwickelt, den die beiden vor kurzem auf einer Veranstaltung auch vor Familienministerin Franziska von Giffey präsentierten.

Ihre Idee: Das Elterngeld zukünftig zweckgebunden auch für Kinderbetreuung ausgeben zu können. „Es ist ja eine Tatsache, dass es in den meisten Gegenden Deutschlands für Kinder unter einem Jahr kein ausreichendes und qualitativ hochwertiges Angebot an Betreuungsmöglichkeiten gibt“, sagt von Hardenberg. 

Diese Tatsache, sowie der Wunsch vieler Mütter zu stillen und die eigenen Arbeitszeiten flexibel an die Bedürfnissen des Kindes anzupassen, führe dazu, dass sich Eltern für eine Kinderbetreuung durch einen Babysitter entscheiden. Rechne man die anfallenden Kosten für diese private Kinderbetreuung jedoch zusammen, entstehe schnell ein erheblicher finanzieller Nachteil im Gegensatz zum ausschließlichen Bezug des Elterngeldes. 

Einsatz für Kinderbetreuung

Was wollen die beiden Frauen erreichen? „Wir wollen eine Neustrukturierung des Elterngeldes – und wir sind überzeugt davon, dass die Gesellschaft davon profitieren wird. Nicht nur, weil die Gleichberechtigung so mehr gelebt würde, wir glauben auch, dass eine Änderung der Elterngeldregelung die Wirtschaft ankurbeln und das überforderte staatliche Betreuungssystem entlasten würde.“

Die Argumente: 

1. Gut ausgebildete Arbeitskräfte werden dem Arbeitsmarkt nicht dauerhaft entzogen und müssen ihm später nicht aufwendig wieder zugeführt werden. 

2. Es werden durch die privat organisierte Kinderbetreuung Arbeitsplätze geschaffen, die nicht mit Schwarzarbeit besetzt werden. 

3. Der Staat profitiert aus ökonomischer Sicht, denn das Geld durch früh in den Beruf zurückkehrende Eltern wird wie zuvor versteuert.

Die beiden Frauen haben bereits eine ganze Gruppe bekannter und erfolgreicher Unternehmerinnen um sich versammelt, die ihre Idee promoten, darunter Sarah Wiener, Lea Cramer, Verena Pausder, Franzi Kühne, Ida Tin und Pia Frey. 

Unterstützung von Frauen, die das Thema betrifft, haben sie also genug. Und auch Franziska Giffey habe sich nach dem zweistündigen Vortrag zum Thema sehr interessiert gezeigt, sagt Franziska von Hardenberg. Gleich am Tag darauf hat sie alle Unterlagen ans Ministerium geschickt. Eine Rückmeldung allerdings hat sie bisher noch nicht bekommen. Auf Nachfrage kam nur eine Standardmail – man sei aktuell sehr beschäftigt. Aufgeben will Franziska von Hardenberg aber nicht. Wenn es sein muss, wird sie noch mehr Briefe schreiben. Durchhaltevermögen hat sie als Unternehmerin schließlich genug.