Das Kölner Start-up will die Erstellung von Texten mithilfe von Künstlicher Intelligenz automatisieren – und tastet sich in viele Geschäftsbereiche vor.

Schreibblockaden sind Ella fremd: Knapp 40 Kurzgeschichten der Autorin wurde im vergangenen Jahr veröffentlicht. Sie schreibt über die Liebe, gesellschaftliche Krisen und fantastische wissenschaftliche Entdeckungen. Darüber, dass die Texte mitunter ziemlich wirr wirken, sehen ihre Leser großzügig hinweg. Denn Ella ist keine Autorin aus Fleisch und Blut, sondern eine Künstliche Intelligenz. Dem gleichnamigen Kölner Start-up dienen die auf einem eigenen Blog veröffentlichten Schreibproben als Demonstrator dafür, was die Technologie schon leisten kann.

„Wir produzieren noch keine perfekten Geschichten“, sagt Gründer Michael Keusgen. „Aber die Lernkurve der KI geht steil nach oben.“ Der Medienunternehmer, der um die Jahrtausendwende die TV-Produktionsgesellschaft AZ Media mitaufgebaut hatte, Ella vor rund drei Jahren zusammen mit dem Unternehmensberater Daniel Hoffmann angeschoben. Das Start-up ist angetreten, um die Erstellung von Texten zu automatisieren – die Gründer sehen ihr KI-System der Konkurrenz weit überlegen.

Viele Branchen im Visier

Um die KI zu trainieren, hat das Start-up sie mit Millionen von Romanen und anderen Textproben „gefüttert“. Gelernt hat das System unter anderem grammatikalische und semantische Zusammenhänge. Auf bis zu 40 Ebenen würden Texte analysiert, sagt Keusgen. Dies bilde die Basis für die Leistungsfähigkeit der KI: „Die Besonderheit ist das freihändige Schreiben.“ Bei den Kurzgeschichten etwa diene ein Satz oder ein Absatz als Ausgangspunkt – der Computer spinnt diesen dann weiter.

Fiktionale Inhalte sind dabei aber nur ein Bereich, in das das Start-up vordringt. Ella arbeitet auch an einer Software, mit der sich Produktbeschreibungen in Online-Shops erstellen lassen. In der Entwicklung ist zudem eine Anwendung, die Medizinern bei der Erstellung von Arztberichten unter die Arme greifen sollen. Auch die Fähigkeit von sogenannten Chatbots im Kundenservice will das Start-up verbessern. „Wir rechnen damit, in diesem Jahr die ersten Unternehmen als zahlende Kunden für uns zu gewinnen“, sagt Keusgen.

Firmensitz in die Schweiz verlagert

Der Medienunternehmen hat das Start-up bisher weitgehend aus eigener Tasche finanziert. Vergangenen Sommer wurde Ella außerdem Teil von Techboost, einem Start-up-Förderprogramm der Deutschen Telekom. Im Dezember sind mehrere befreundete Business Angels bei dem Unternehmen eingestiegen. Keusgen hat eigenen Angaben zufolge nun außerdem weitere Business Angels aus der Schweiz als Investoren gewonnen. In dem Zuge wird nun auch der Firmensitz von Ella in die Schweiz verlegt und das Unternehmen in eine AG umgewandelt. Mehre Millionen Euro sollen als Risikokapital in das Start-up fließen.

Das Herz des Unternehmens soll aber weiterhin in Köln bleiben, wo auch die Mehrheit der knapp 30 Mitarbeiter arbeitet. „Als Standort für Mediendienstleistungen bietet Köln einen großen Pool an Fachkräften“, sagt Keusgen. Eine Kooperation gibt es auch mit der Universität der Rheinmetropole – dort untersuchen Sprachwissenschaftler die von der KI erzeugten Texte auf ihre Struktur und Qualität hin. Schwerer tut sich das Start-up damit, Machine-Learning-Spezialisten zu finden. „Große Unternehmen fegen den Fachkräftemarkt nahezu leer“, so der Gründer.

Produktbeschreibungen auf Knopfdruck

Ella konkurriert in seinem Bereich auch mit einer Reihe von anderen Unternehmen, die an der automatisierten Texterstellung arbeiten. Dazu gehören etwa das Berliner KI-Unternehmen Retresco, das sich E-Commerce einen Namen gemacht hat. So lässt die Elektromarktkette Media Markt Saturn mit der Software Produktbeschreibungen erzeugen. Auch maschinelle Spielberichte von Amateurfußballspielen sowie automatisierte Finanznachrichten sind bereits weit verbreitet.

International macht derzeit vor allem Open AI von sich reden. Das unter anderem von Tesla-Chef Elon Musk und Microsoft finanzierte Unternehmen hat mit GPT-3 ein Sprachprogramm entwickelt, das Experten beeindruckt. Keusgen sieht Open AI als Kooperationspartner – sein Start-up nutze Teile der Technologie. Die Kölner selbst wollen auf dem KI-Markt auch abseits von Deutschland mitmischen: Ella beherrscht bereits 16 Sprachen.