Mit Produkten zum Ölziehen überzeugte Elixr in der Show „Die Höhle der Löwen“. Gleich drei Investoren wollten einsteigen – doch die Beauty-Expertin bekam den Zuschlag.

Der Auftritt von Jenny und Philipp Rathgeber gestern in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ begann mit einem großen Fragezeichen – zumindest bei Juror Frank Thelen. Der konnte mit dem Thema Ölziehen rein gar nichts anfangen – Spezialgebiet von Elixr, dem Start-up des Ehepaars aus Freiburg.

Beim Ölziehen wird Pflanzenöl fünf bis zehn Minuten im Mundraum hin und herbewegt und anschließend ausgespuckt. „Ölziehen ist ein über Jahrtausende bewährtes Schönheitsritual aus dem Ayurveda und man sagt ihm die hervorragendsten Dinge nach. Unter anderem hat Öl die tolle Eigenschaft, dass es Bakterien im Mundraum bindet und so für die Stärkung des Immunsystems sorgt, Karies vorbeugt und zu weißeren Zähnen führt“, erklärten die Gründer.

Weil das ganze mit normalem Speiseöl jedoch nicht besonders gut schmeckt, haben Jenny und Philipp Rathgeber eigene Öle mit ätherischen Zusätzen kreiert. Um mit Elixr durchzustarten, hofften die beiden auf die Löwen: Für 75.000 Euro boten sie 20 Prozent ihrer Fimenanteile. Judith Williams war begeistert – doch nicht nur sie. Überraschend machten auch Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel gemeinsam ein Angebot. Am Ende entschied sich das Gründerpaar für die Beauty-Expertin – ob sie ihre Entscheidung bereut haben, erzählen sie im Interview.

Frau Rathgeber, Herr Rathgeber, war Jurorin Judith Williams von Anfang an Ihre Favoritin? 
Natürlich hatten wir in erster Linie auf Judith gesetzt, schließlich ist sie Expertin im Beauty-Markt, aber auch Ralf Dümmel war für uns ein möglicher Kandidat. Carsten Maschmeyer dagegen hatten wir überhaupt nicht auf dem Schirm.

Am Ende hatten Sie zwei Angebote auf dem Tisch. Wie schwer fiel Ihnen die Entscheidung?
Ziemlich schwer, vor allem, weil Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer bereit waren, die von uns erhoffte Summe zu verdoppeln und uns damit eine besondere Wertschätzung entgegengebracht haben. Da haben wir gemerkt, dass sie uns wirklich wollen, was schmeichelhaft war. Am Ende ging es uns aber weniger um das Kapital, sondern vor allem um das Know-How des Investors und da haben wir auf unser Bauchgefühl vertraut und uns für Judith Williams entschieden, denn sie ist einfach top was Expertise und Netzwerk angeht. 

Eine gute Entscheidung?
Definitiv. Wenige Wochen nach der Aufzeichnung haben wir uns mit ihr in Innsbruck getroffen und alle Details durchgesprochen. Danach stand fest: Wir passen sehr gut zusammen, wir teilen die gleichen Visionen, der Deal findet statt. 

Ralf Dümmel wirkte regelrecht traurig, dass Sie sich nicht für ihn entschieden haben.
Wir haben ihn und Carsten Mascheyer nach der Aufzeichnung noch auf dem Flur getroffen und uns kurz unterhalten. Sie haben uns alles Gute gewünscht – die Stimmung war gelöst. 

Carsten Maschmeyer lobte vor allem Ihr Fachwissen – Sie sind beide studierte BWLer. Sie, Frau Rathgeber, waren lange im Marketingbereich für Kosmetikfirmen tätig. Sie, Herr Rathgeber, arbeiteten als Unternehmensberater und Professor an der International School of Management (ISM) in München. Wie schwer fiel es Ihnen, die sicheren Stellen für das Projekt Start-up aufzugeben?
Das war schon ein großer Schritt, aber er geschah nicht von heute auf morgen. Als wir die Idee zu Elixr hatten, haben wir zunächst nebenberuflich an unserem Unternehmen gearbeitet. Alleine ein Jahr lang haben wir gemeinsam mit einem Unternehmen, das auf ätherische Öle spezialisiert ist, an unseren Produkten und den Rezepturen gebastelt.

Gab es Leute, die Ihnen davon abgeraten haben, als Ehepaar zu gründen?
Wir haben eigentlich nur Zuspruch erhalten und bekommen auch nach wie vor viel Unterstützung –  vor allem unsere Eltern helfen uns wo sie nur können. Sie kümmern sich um unseren kleinen Sohn, wenn wir beruflich stark eingebunden sind. Darum haben wir den Sitz unseres Unternehmens –  und damit unseren Lebensmittelpunkt – auch von München nach Freiburg verlegt, weil dort das Netzwerk vorhanden ist, das wir brauchen, um Familie und Start-up zu verbinden. 

Wie ist der Stand der Dinge für Elixr?
Wir sind ab heute bei 3.000 stationären Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich, beispielsweise bei DM und Alnatura. Dazu online, unter anderem bei Amazon und Douglas. In der DACH-Region steckt ein riesiges Potenzial, aber wir sind uns auch bewusst, dass der Markt an Beauty-Produkten sehr voll ist und dass es eine Menge Arbeit bedeutet, wahrgenommen zu werden. Ins Ausland werden wir uns darum erst in zwei bis drei Jahren wagen.

Apropos Ausland – Dagmar Wöhrl lehnte ein Investment in Ihr Start-up mit der Begründung ab, dass Sie solche Produkte bereits in Asien gesehen habe. 
Diese Aussage hat uns sehr überrascht, denn natürlich haben wir viel recherchiert bevor wir Elixr gegründet haben und weltweit kein vergleichbares Angebot gefunden. Und gerade aus Asien haben wir schon viele Anfragen bekommen, ebenso wie aus Lateinamerika und den USA. Dort ist Ölziehen viel verbreiteter als in Deutschland. 

Ist Elixir also hierzulande noch ein Nischenprodukt?
Würde man auf der Straße Leute auf den Begriff ansprechen, wüssten wohl viele nicht wovon die Rede ist. Aber in den letzten Jahren hat das Thema Ölziehen in den Medien viel Aufmerksamkeit bekommen. Zu recht: Wir sagen immer, es ist das einfachste und natürlichste Beauty-Ritual der Welt, weil man es schnell und unkompliziert nebenbei machen kann, auch wenn man wie wir wenig Zeit hat – beispielsweise morgens unter der Dusche.