Alles auf Anfang: Erfolgreiche Gründer blicken in unserer Serie zurück auf ihre Studienzeit. Einblicke in die Förderung an der WHU in Vallendar gibt Konrad Geiger von Electry.

In turbulenten Zeiten gerät die Rückschau schnell in Vergessenheit. Deshalb bitten wir Gründerinnen und Gründer zum Jahreswechsel, sich auf ihre Anfänge zurückzubesinnen. Und sich zu erinnern, wie ihr Studium zu den heutigen Erfolgen beigetragen hat – und was in der Förderung hätte besser laufen können. Es antworten jeweils Alumni der Hochschulen und Universitäten, die im vergangenen Jahr laut einer Auswertung der PR-Agentur Tonka die meisten Exits hervorgebracht haben. Bereits dran waren Veronika Schweighart von Climedo Health (LMU München), Eike Langbehn von Curvature Games (Universität Hamburg) und Maria und Dominik Sievert von Inveox (TU München).

In der vierten und letzten Folge berichtet Konrad Geiger (im Bild re.), der seit dem Frühjahr 2019 mit Julian Lindinger (li.) das Jobportal Electry aufbaut. Das Berliner Start-up dahinter, TF Talentfinder, vernetzt technische Fachkräfte aus Ausbildungsberufen mit Unternehmen auf Personalsuche. So sollen beispielsweise Elektroniker und Anlagenmechaniker bundesweit einfacher in passende Stellen kommen. In diesem Jahr sicherte sich das junge Team einen Platz im bekannten US-amerikanischen Tech-Inkubator Y-Combinator mit Sitz im Silicon Valley.

Als Unternehmer gestartet sind beide Gründer an der WHU Otto Beisheim School of Management – die Hochschule mit Standorten in Vallendar und Düsseldorf belegt im Exit-Ranking erneut den ersten Platz. Abgeschlossen haben sie im vergangenen Jahr mit Bachelor in Internationaler BWL beziehungsweise Internationalem Management. Wie die WHU bei der Investorensuche hilft – und warum Professoren sogar manchmal nach Hause kommen, erzählt Geiger im Interview.

Herr Geiger, womit hat die Uni am meisten zu den bisherigen Start-up-Erfolgen beigetragen?
Am meisten hat uns das Netzwerk der WHU geholfen. Wir haben zum Beispiel unseren ersten Business Angel, den wir namentlich noch nicht nennen, bei einem Event auf dem WHU-Campus in Vallendar kennengelernt. Dadurch, dass die Alumni seit Jahren sehr aktiv in der europäischen Gründerszene unterwegs sind, gibt es außerdem viele, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und ähnliche Probleme erfolgreich gelöst haben.

Was war das beste Studienfach?
Mehr noch als ein einzelnes Studienfach sticht der Entrepreneurship-Lehrstuhl an der WHU sehr heraus. Die Professoren und Doktoranden organisieren neben den eigentlichen Studienfächern viele Events, bei denen Alumni über ihre Erfahrungen sprechen. Das hat zum einen dabei geholfen, unser persönliches Netzwerk zu erweitern, und zum anderen haben wir sehr offene Einblicke in den Aufbau erfolgreicher Unternehmen bekommen.

Allgemein sind die Professoren, Doktoranden und Mitarbeitenden der WHU auch über den Studieninhalt hinaus sehr hilfsbereit und offen. Wir haben zum Beispiel oft mit den Professoren Dries Faems und Malte Brettel sowie Dennis Zeiler, wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuständig für den WHU-Inkubator, über konkrete Gründungsideen gesprochen und Feedback dazu bekommen. Selbst nachdem wir unser Studium bereits abgeschlossen hatten, hat uns unser ehemaliger Professor für Vertriebsmanagement Ove Jensen in unserer Berliner Wohnung besucht und mit uns über unseren Vertrieb gesprochen.

Welches Erlebnis aus der Studienzeit ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Einmal im Jahr organisieren Studierende der WHU die sogenannte Idea-Lab-Konferenz, auf der mehr als 450 Investoren, Gründer und Studierende zusammenkommen. Im Zuge der Organisation haben wir uns als Gründerteam direkt im ersten Semester kennengelernt und das erste Mal intensiv miteinander gearbeitet. Die Organisation der Konferenz ist im Prinzip ein „Mini-Startup“. Man übernimmt schnell viel Verantwortung, muss unter Zeitdruck wichtige Entscheidungen treffen und als Team gut funktionieren. Wir haben dort gemerkt, dass wir uns sehr gut verstehen und zusammenarbeiten können. Seitdem haben wir immer gemeinsam an verschiedenen Projekten gearbeitet – bis wir dann im letzten Semester Electry gegründet haben.

Welche Inhalte haben Sie zuletzt im Start-up-Alltag weitergebracht?
Als Gründer muss man anfangs alle Funktionen in einem Unternehmen wie Produktentwicklung, Vertrieb, Finanzen und Personal abdecken. Innerhalb kürzester Zeit muss man sich also neue Themen aneignen und gute Ergebnisse liefern. Das Studium an der WHU ist sehr generalistisch aufgebaut und wir konnten dadurch bereits in viele Unternehmensbereiche eintauchen. Durch den Aufbau der Prüfungsphasen waren wir auch schon daran gewöhnt, uns sehr schnell in neue, komplexe Themengebiete einzuarbeiten. Auch in Praktika und mit der Idea-Lab-Konferenz haben wir beide schon einige Projekte gestemmt, obwohl wir in den meisten Bereichen davor noch keine Erfahrung hatten. Die WHU hat uns vor allem gezeigt, wie man Probleme löst, mit Ungewissheit umgeht und sich schnell Wissen aneignet.

Und was kann die Uni in der Gründerförderung verbessern?
Es würde helfen, noch tiefer in technische Aspekte der Produktentwicklung einzutauchen oder zumindest den Austausch mit technischen Fakultäten von anderen Universitäten zu stärken.

Weitere Folgen

Teil Eins – LMU-Alumna und Mitgründerin von Climedo Health, Veronika Schweighart: „Interdisziplinäres Arbeiten stärker fördern“

Teil Zwei – VR-Experte der Universität Hamburg und Mitgründer von Curvature Games, Eike Langbehn: „Schneller auf Anfragen reagieren“

Teil Drei – TUM-Alumni und Gründungsteam hinter Inveox, Maria und Dominik Sievert: „Die Universität zum Kapitalgeber machen“