„Als ich mir im Herbst vergangenen Jahres einige Start-ups im Silicon Valley angesehen habe, war ich von einem extrem erstaunt“, sagt Schildhauer im Gespräch mit Wirtschaftswoche Gründer. „Eine Firma hatte kanadische Mitarbeiter eingestellt, die in Kanada bleiben wollten. Also haben die Geschäftsführer eine Art Screen eingeführt. Darauf sah man die Leute tausende Meilen weit weg und konnte mit ihnen über den Screen kommunizieren. Das war beeindruckend.“

Flexible Arbeitszeiten und -platzsituationen steigern offensichtlich die Attraktivität eines Unternehmens, gerade für junge Leute. Doch birgt das auch Gefahren, beispielsweise einen Mangel an Teamspirit. Wenn jeder Mitarbeiter an einem anderen Ort arbeitet, in einem Café, Co-working Space oder im Büro, dann kann die soziale Komponente leiden. Schildhauer, der unter anderem im Technologiebeirat Partner Berlin für Wirtschaft und Technologie und im Euroforum „Expertenkreis IT“ sitzt, weist auch darauf hin, dass Mitarbeiter sich eher überschätzen würden statt auf sich Acht zu geben. Bei einer freien Auswahl an Urlaubstagen könnten sich viele Menschen keine Grenzen setzen – nicht für den Feierabend und nicht für die Urlaubsreife. Stichwort Selbstausbeutung.

Modelle probieren und anpassen

Schwierig wird es auch bei der Transparenz von Gehältern: Wenn nicht die Geschäftsführung nicht bis ins Detail erklären kann, warum wer, wie viel Geld verdient, kann das schnell zu sozialem Unfrieden führen. Eine moderne Führungsweise komme nicht für jedes Unternehmen in Frage, meint Susanne Kultau von Saubere Filme. „Ein Universalkonzept gibt es nicht. Wichtig ist, dass das Führungskonzept schlüssig und authentisch ist, zu einem selbst und den Mitarbeitern passt.“

Bei Saubere Filme gehört dazu unter anderem die Gestaltung des Arbeitsalltags in Form von flexiblen Arbeitszeiten, einer wöchentlichen Yoga-Stunde und der Mitgestaltung an der eigenen Stelle und Entwicklung. „Wir reden miteinander und halten so unser Arbeitsumfeld weitestgehend frei von Missverständnissen und Unmut“, sagt Kultau. Zudem erarbeite das Team gemeinsam Ziele für die Firma – um am finanziellen Erfolg bei Erreichung der Ziele beteiligt zu werden.

Julian Vester von Elbdudler sieht das mit dem Universalrezept ähnlich wie Kultau: „Ich denke, dass jede Organisation ihre eigene Wahrheit hat und sich selber ein System schaffen sollte.“ Dabei könne sich ein Start-up an anderen Modellen orientieren und das dann an seine Bedürfnisse anpassen.