Die Geschäftsführer bei Elbdudler lassen sich ebenfalls durch ihre Belegschaft wählen Alles im Kollektiv zu entscheiden, könne Julian Vester sich trotzdem nicht vorstellen. „Ich glaube, hier wird die Energie vor allem in Abstimmungsprozesse anstatt in die eigentliche Arbeit gelenkt.“ Er selbst führt seit der Gründung von Elbdudler 2009 frei, die aus einer Frustration über andere Arbeitgeber entstanden sei. Bei elbdudler sind beispielsweise alle Zahlen für alle Mitarbeiter einsehbar: Kunden, Budgets, Verluste, Gewinne und so weiter. Zudem bestimmen diese Gehälter untereinander.

Auch Susanne Kultau betreibt eine freie Unternehmensführung. Sie hat 2009 die Hamburger Produktionsfirma “Saubere Filme” gegründet und bisweilen unter anderem Werbekampagnen für Panasonic, Tesa und Momondo gemacht. „Meine Einstellung wie man mit Mitarbeitern umgeht, dass Vertrauen, Respekt, Verbindlichkeit und Wertschätzung die Grundlage für alles sind, habe ich seit dem Beginn meiner Laufbahn.“ Von Anfang habe sie intuitiv geführt, sie sei darein gewachsen, sagt Kultau.

Warum? Ihre Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen und ihren Job gut und gerne machen. Moderne, dynamische Strukturen fordern laut der Geschäftsführerin Flexibilität und Offenheit gegenüber neuen Konzepten. „Hier versuchen wir regelmäßig unsere Arbeitsweise zu hinterfragen und zu optimieren.“ Das hieße auch manchmal einfach ausprobieren und zu schauen, ob es passt oder nicht. Um immer up-to-date zu bleiben, arbeitet Kultau mit der Führungskräfte-Trainerin Andrea Beyer an ihren Führungskompetenzen.

Flexibilität und Eigenverantwortung

Dass es eine Veränderung im Bereich Führung und Führungsmodellen gibt, zeigt auch die Studie der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA), die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird. Darin heißt es, dass Arbeiten in beweglichen Strukturen und mit individueller Zeiteinteilung auf einem guten Weg sei. Zudem seien starre Regelungen „angesichts der Komplexität und Dynamik der zukünftigen Arbeitswelt nicht mehr angemessen“, was die Entwicklung von Flexibilität und höherer Eigenverantwortung bei Mitarbeitern bestärken dürfte. Für die Studie wurden 400 Führungskräfte aus Deutschland befragt.

Thomas Schildhauer ist Internetforscher und Marketingexperte. Er definiert „freie Unternehmensführung“ so, dass viele Regularien der klassischen Management Modelle über Bord geworfen werden und die Führung sich eher team- und projektorientiert gestaltet. Zwei Dinge findet er besonders wichtig: die Teilnahme an Entscheidungsprozessen sowie die Gestaltung des Arbeitsplatzes.