Das Start-up will auf mehr Dächern Photovoltaik-Anlagen aufbauen. Das Modell ist komplex und erfordert viel Erklärarbeit. Frisches Kapital soll nun helfen – eine staatliche Förderung haben die Kölner bereits sicher.

Strom vom eigenen Dach: Auf diese einfache Formel lässt sich das Angebot des Start-ups Einhundert Energie bringen. Dahinter stecken jedoch deutlich komplexere Vertragsbeziehungen: Das junge Kölner Unternehmen baut Photovoltaik-Anlagen auf gepachteten Dachflächen auf und installiert Smart Meter. So will das Start-up Eigentümern und Mietern über eine App mehr Transparenz über ihren Verbrauch liefern – und ihnen helfen, selbst produzierten Strom teilweise einspeisen.

Damit bedient das 2017 gegründete Start-up zwei große Themen: Die Energiewende lässt immer mehr kleine und dezentrale Erzeuger entstehen, die nach und nach Großkraftwerke ablösen sollen. Die Steuerung ist jedoch komplex, weil das Netz stets stabil bleiben muss. Auch Unternehmen wie Next Kraftwerke oder die Genossenschaft Bürgerwerke arbeiten an ähnlichen Angeboten – dazu entdecken die großen Energiekonzerne das Geschäftsfeld.

Kapital für ein komplexes Produkt

Zudem richtet sich Einhundert auch an den Immobilienmarkt. Dort wirbt man um Eigentümer von Bestandsimmobilien und Projektentwickler. Die Erhöhung der Gebäudeeffizienz ist dabei ein intensiv diskutiertes und gefördertes Thema für Privat- und Gewerbeimmobilien. Viele Energie-Unternehmen bieten zudem Apps an, die dank vernetzten Stromzählern den exakten Verbrauch dokumentieren. „Die Anforderungen an die Immobilienbranche in Richtung Energiewende steigen stetig“, sagt Ernesto Garnier, Gründer von Einhundert Energie.

Konkurrenz und Erklärungsbedarf für das Komplettpaket des Start-ups sind also groß. Eine vierstellige Zahl an Endkunden wollen die Kölner jedoch bereits von ihrem Konzept überzeugt haben. Investoren sehen größeres Potenzial: Eine Finanzierungsrunde mit strategischen Investoren lädt die Akkus von Einhundert jetzt um einen einstelligen Millionenbetrag auf.

Neu dabei ist der auf Cleantechs spezialisierte Risikokapitalgeber WiVentures, hinter dem der ehemalige Juri-Gründer Matthias Willenbacher steht. Zudem beteiligt sich der familiengeführte Messtechnik-Anbieter Minol Zenner sowie der auf Proptech fokussierte Investor Highrise Ventures. Mit den neuen Partnern habe man „nun die Chance, die lokale Versorgung von Mietern mit sauberem Strom sowie digitaler Energietransparenz in den Massenmarkt zu bringen“, sagt Garnier.

Staatliche Förderung für das Start-up

Für den Anschub hatte Einhundert im vergangenen Jahr bereits eine Investitionsrunde im sechsstelligen Bereich abgeschlossen. Dazu kommt noch ein relativ ungewöhnlicher Finanzierungsweg für ein junges Digitalunternehmen: Über das „Einsparzählerprogramm“ des Bundeswirtschaftsministeriums hat das Start-up eine Förderung im hohen sechsstelligen Bereich sicher. Abhängig von den erreichten Einsparzielen in den Mieterstromprojekte kann noch eine mittlere sechsstellige Summe dazukommen.

Häufig kommen Start-ups bei staatlichen Förderprogrammen nicht zum Zug, weil die bürokratischen Anforderungen hoch sind – oder man bereits über einen längeren Zeitraum Erfolge nachweisen muss. Das Logistik-Start-up Carrypicker etwa berichtete im Sommer von einem erheblichen Aufwand, um Unterstützung aus dem Verkehrsministerium zu erhalten. Das „Einsparzählerprogramm“ hingegen unterstützt einige junge Digitalunternehmen: Neben Stromversorger Fresh Energie profitiert unter anderem auch Smart-Meter-Hersteller Discovergy davon – die Aachener liefern die Hardware für die Vernetzung von Einhundert.