Versichern, Anlegen und das normale Banking: Alles ist inzwischen online möglich und der Spruch “Dafür gibt’s doch ‘ne App” trifft immer öfter zu.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer:  Heute ist wieder Julian Heck dran. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und wird künftig die boomende Fintech-Branche beleuchten.

Von Julian Heck

Der Hype ist noch lange nicht vorbei, im Gegenteil: Ich behaupte, der FinTech-Hype fängt gerade erst an. Das hat zwei Gründe: Erstens wird es länger brauchen, bis FinTechs den Massenmarkt erreichen, weil die Innovationen nicht durch Kunden gefordert, sondern von Unternehmen angetrieben werden. Zweitens ist das Internet nach wie vor für viele Menschen ein unsicheres Gebiet, weshalb rein netzbasierte Lösungen mehr Zeit brauchen, das Vertrauen der Nutzer zu erobern.

Der Markt entwickelt sich von oben herab

Das mit dem Angebot und der Nachfrage ist so eine Sache. Selbst wenn das Angebot stimmt, muss es dafür nicht die entsprechende Nachfrage geben. Der FinTech-Markt scheint sich nicht von unten nach oben, sondern von oben herab zu entwickeln. Dem Kunden wird etwas geboten, was er sich zuvor nicht gewünscht hat. Das muss nicht schlecht sein, macht einen schnellen Erfolg aber unwahrscheinlicher beziehungsweise schwerer.  Ziehen wir zum Vergleich mal den Markt der Unterhaltungselektronik heran: Die Nachfrage ist in aller Regel riesig. Das Smartphone soll immer schneller sein, die Akkulaufzeit des Notebooks besser und das Gewicht leichter, die Spielekonsolen sollen ausgefallener sein und eine bessere Grafik bieten und – es wird klar, worauf ich hinaus will. Die Unternehmen sind geradezu gezwungen, ständig Neues zu präsentieren, denn die Kunden warten schon sehnlichst darauf.

Im Finanzwesen, das von Natur aus weniger Attraktivität besitzt als Smartphones und Co., sieht das überwiegend – nicht in allen Bereichen – anders aus. Das zeigt sich gerade daran, dass es einige Angebote oder gar ganze FinTech-Segmente schwer haben, sich am Massenmarkt zu platzieren. An einer großen Konkurrenz liegt es nicht. Aber woran liegt es dann? Sind die angebotenen Lösungen nicht gut genug? Eine spontane Reaktion aus Nutzersicht: Nein, die Qualität ist nicht schuld. Sind die Angebote der FinTechs noch zu unbekannt? Vielleicht.

Die größte Ausgabe für FinTechs: Vertrauen aufbauen

Um das Spiel nicht ewig weiterspielen zu müssen: Meines Erachtens spielt das Vertrauen bzw. das mangelnde Vertrauen in Dienstleistungen im Web eine große Rolle. Wenn der Eindruck nicht täuscht, dann sind wir Deutschen zunächst einmal immer sehr skeptisch, was die Kombination aus Geld und Internet betrifft; Stichwort Datenschutz und Internetsicherheit.  Junge FinTech-Start-ups haben oftmals noch nicht den Status eines Partners erreicht, der sie einerseits als kompetenten Berater einstuft und andererseits zu einer vertrauenswürdiger Stelle macht, der man viel Geld anvertraut. Wenn’s um Geld geht: Bank. Auch, wenn eine Bank hier gerne ihren Namen stehen hätte, so trifft es nun mal auf quasi alle Banken zu, noch. Sie genießen unterm Strich immer noch mehr Vertrauen als die vielen FinTechs, die gerade aus dem Boden sprießen – und die Vertrauensverluste durch zum Beispiel wenig kundenorientierte Anlage- oder Kreditberatungen durch klassische Banker sind hier schon eingerechnet.

Ja selbst die im Digitalen aufwachsenden und beheimateten Digital Natives trauen der Sache offenbar noch nicht ganz – oder sie trauen dem Bankberater nebenan und dem dahinterstehenden Geldinstitut eben mehr. Eine Studie der Postbank hat diese These neulich mit Zahlen unterfüttert und gezeigt: Selbst junge Kunden scheuen das Netz und zwar oftmals noch mehr, als es der Durchschnittsdeutsche tut. Lediglich beim Bezahlen, etwa mit Paypal, sind die Digital Natives vorne dabei. “Für Banken, die auf digitale Produkte für ihre jungen Kunden setzen, dürften die Ergebnisse eine herbe Enttäuschung sein”, fasste die WiWo die Ergebnisse treffend zusammen. Der Trend, der sich unter den jungen Nutzern zeigt, bestätigt sich auch in einer Studie der Unternehmensberatung Cofinpro. Demnach ist das Vertrauen in digitale Lösungen noch dann am höchsten, wenn es ums Bezahlen geht. Bei der Geldanlage und bei Krediten ziehen FinTechs den Kürzeren. Wenn es um große Beträge geht, ist auch großes Vertrauen erforderlich – das besitzen Start-ups mit ihren Angeboten schlichtweg noch nicht.

 Vertrauen braucht Zeit

Aber das wird sich ändern. Der FinTech-Hype ist in meinen Augen deshalb noch lange nicht vorbei, weil es eben Zeit braucht, bis das breite Spektrum an digitalen Finanzdienstleistungen die Blase verlässt und den Massenmarkt erreicht. An Paypal haben sich Nutzer genauso herangetastet wie ans Onlinebanking – und selbst da trauen viele Menschen der Sache noch nicht ganz. Die Technik entwickelt sich heute schneller als unser Vertrauen in sie. Das macht FinTechs das Leben schwer, weil sie wie alle Start-ups ungeduldig sind und schnell wachsen wollen. Insofern sind die zahlreichen Kooperationen zwischen traditionellen Banken und jungen FinTech-Start-ups für beide Seiten kein schlechter Deal. Banken profitieren von den cleveren Lösungen der Start-ups und die FinTechs können sich das hohe Vertrauen in ihre Partner zu Nutze machen, indem sie dafür sorgen, dass das Vertrauen der Kunden auf sie und die gesamte FinTech-Szene abfärbt.