Die größte Ausgabe für FinTechs: Vertrauen aufbauen

Um das Spiel nicht ewig weiterspielen zu müssen: Meines Erachtens spielt das Vertrauen bzw. das mangelnde Vertrauen in Dienstleistungen im Web eine große Rolle. Wenn der Eindruck nicht täuscht, dann sind wir Deutschen zunächst einmal immer sehr skeptisch, was die Kombination aus Geld und Internet betrifft; Stichwort Datenschutz und Internetsicherheit.  Junge FinTech-Start-ups haben oftmals noch nicht den Status eines Partners erreicht, der sie einerseits als kompetenten Berater einstuft und andererseits zu einer vertrauenswürdiger Stelle macht, der man viel Geld anvertraut. Wenn’s um Geld geht: Bank. Auch, wenn eine Bank hier gerne ihren Namen stehen hätte, so trifft es nun mal auf quasi alle Banken zu, noch. Sie genießen unterm Strich immer noch mehr Vertrauen als die vielen FinTechs, die gerade aus dem Boden sprießen – und die Vertrauensverluste durch zum Beispiel wenig kundenorientierte Anlage- oder Kreditberatungen durch klassische Banker sind hier schon eingerechnet.

Ja selbst die im Digitalen aufwachsenden und beheimateten Digital Natives trauen der Sache offenbar noch nicht ganz – oder sie trauen dem Bankberater nebenan und dem dahinterstehenden Geldinstitut eben mehr. Eine Studie der Postbank hat diese These neulich mit Zahlen unterfüttert und gezeigt: Selbst junge Kunden scheuen das Netz und zwar oftmals noch mehr, als es der Durchschnittsdeutsche tut. Lediglich beim Bezahlen, etwa mit Paypal, sind die Digital Natives vorne dabei. “Für Banken, die auf digitale Produkte für ihre jungen Kunden setzen, dürften die Ergebnisse eine herbe Enttäuschung sein”, fasste die WiWo die Ergebnisse treffend zusammen. Der Trend, der sich unter den jungen Nutzern zeigt, bestätigt sich auch in einer Studie der Unternehmensberatung Cofinpro. Demnach ist das Vertrauen in digitale Lösungen noch dann am höchsten, wenn es ums Bezahlen geht. Bei der Geldanlage und bei Krediten ziehen FinTechs den Kürzeren. Wenn es um große Beträge geht, ist auch großes Vertrauen erforderlich – das besitzen Start-ups mit ihren Angeboten schlichtweg noch nicht.

 Vertrauen braucht Zeit

Aber das wird sich ändern. Der FinTech-Hype ist in meinen Augen deshalb noch lange nicht vorbei, weil es eben Zeit braucht, bis das breite Spektrum an digitalen Finanzdienstleistungen die Blase verlässt und den Massenmarkt erreicht. An Paypal haben sich Nutzer genauso herangetastet wie ans Onlinebanking – und selbst da trauen viele Menschen der Sache noch nicht ganz. Die Technik entwickelt sich heute schneller als unser Vertrauen in sie. Das macht FinTechs das Leben schwer, weil sie wie alle Start-ups ungeduldig sind und schnell wachsen wollen. Insofern sind die zahlreichen Kooperationen zwischen traditionellen Banken und jungen FinTech-Start-ups für beide Seiten kein schlechter Deal. Banken profitieren von den cleveren Lösungen der Start-ups und die FinTechs können sich das hohe Vertrauen in ihre Partner zu Nutze machen, indem sie dafür sorgen, dass das Vertrauen der Kunden auf sie und die gesamte FinTech-Szene abfärbt.