Wer sein eigenes Start-up hat, der sollte vor der Hochzeit einige rechtliche Dinge beachten. Ganz vorne: der Ehevertrag.

Wer sich das Ja-Wort geben möchte, der will zumeist zeigen: Ich habe den Partner fürs Leben gefunden! Doch wer eine Ehe eingeht, muss in Sachen Geschäft auch bei dieser emotionalen Angelegenheit für einige Momente rational – und auch unromantisch – sein.

Denn ein Blick in die Statistik zeigt die Realität: 2014 wurden 166.199 Ehen geschieden – die Zahlen sind zwar seit elf Jahren rückläufig, aber nicht niedrig. Denn im Schnitt wird derzeit jede dritte Ehe innerhalb der ersten 25 Jahre wieder geschieden. Jeder sollte also das Risiko einkalkulieren – und erst Recht, wenn unter Umständen die eigene unternehmerische Existenz davon abhängen könnte. Denn zerbricht die Ehe eines Gründers, könnte ohne Ehevertrag auch das Start-up in Gefahr sein.

“Die rechtlichen Folgen der Scheidung können mittelbar dazu führen, dass nicht nur der Unternehmer, sondern auch das Unternehmen als solches durch die Scheidung in Mitleidenschaft gezogen wird”, sagt Dr. Elisabeth Unger, Familienrechtlerin und Scheidungsanwältin von der Wirtschafts- und Familienrechtskanzlei Rose & Partner. “In der Rechtswissenschaft wird angeführt, dass insgesamt rund ein Viertel aller Unternehmensveräußerungen mittelbar auf Scheidungen und ihre Folgen zurückzuführen sind.”

Jeder Gründer sollte deshalb vor der Hochzeit bedenken: Das Familienrecht, das noch heute im Falle einer Scheidung gilt, wurde zwar häufig reformiert, baut aber auf einem Gesetz aus dem Jahr 1900 auf und bietet nach wie vor eine Einheitslösung – unterschiedliche Lebens- und Ehemodelle kennt es nicht. Aus diesem Grunde gibt es den Ehevertrag.

„Ein solcher Vertrag dient zunächst einmal einfach der Risikoabwälzung“, sagt Klaus Walter, Rechtsanwalt für Familien- und Erbrecht. Denn wer keinerlei vertragliche Regelungen trifft, der lebt mit seinem Partner automatisch in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet zunächst einmal, dass der Partner, der während der Ehe mehr Vermögen gemacht hat, im Fall einer Trennung die Hälfte seines Gewinns abgeben muss – egal ob liquide oder nicht. Und das kann fatal enden. Insbesondere wenn das Geld fest im Start-up steckt und keine Möglichkeit besteht, dass der Gründer die Summe zusammen bekommt. Denn der (dann Ex-)Partner hat das Recht sich den sogenannten Zugewinnausgleich (bar) auszahlen zu lassen. Und das kann die ein oder andere Gründer-Existenz leicht ruinieren. “Ein Unternehmer muss möglicherweise seine Unternehmensanteile verkaufen, um die Forderung des anderen Ehegatten zu erfüllen”, gibt Unger zu Bedenken.

Der Ehevertrag schützt Gründer vor einem solchen Fall – wenn dieser den Zugewinnausgleich ausschließt. Denn im Ehevertrag kann neben Sorgerecht für eventuelle Kinder, möglichem Unterhalt der Partner und Versorgungsausgleich eben auch der Güterstand geregelt werden.

Unter dem Güterstand versteht man rein rechtlich die Vermögensverhältnisse der Eheleute – das heißt wem welches Vermögen gehört, das in die Ehe eingebracht wurde und wer es verwaltet und im Schuldenfall dafür haftbar ist. Die Rede ist dann von einer modifizierten Zugewinngemeinschaft, das heißt bestimmte Vermögenswerte werden ausgeschlossen von der Ehe und müssen bei einer Scheidung nicht aufgeteilt werden. Zum Beispiel eben das Start-up oder eine Immobilie. Werden darüber klare Vereinbarungen getroffen, kann das im Scheidungsfall alle vor unliebsamen Folgen schützen. „Der Ehevertrag dient dem Schutz beider Eheleute – sowohl im Fall einer wirtschaftlichen Schieflage als auch zum Schutz des Lebenswerks des Gründers“, sagt Rechtsanwalt Walter.

“Die Vorstellung, dass ein Ehevertrag sich zwangsläufig negativ für den Nichtunternehmer-Ehepartner auswirken muss, ist nicht richtig”, sagt Unger. Denn endet die Gründung mit einem Schuldenberg, so muss der Ex-Partner des Gründers nicht dafür haften, wenn dies entsprechend im Ehevertrag festgehalten ist. Der Vertrag bringt somit auch für den Ehepartner des Gründers eine gewisse Sicherheit mit sich. Außerdem können auch Unterhaltszahlungen im Ehevertrag niedergeschrieben werden. Auch dadurch kann der nicht-unternehmerische Ehepartner seine Vorteile aus einer solchen Vereinbarung ziehen. „Wenn man sich um eine ausgewogene Lösung bemüht, dürfte der Ehepartner in der Regel Verständnis für diesen Schritt haben und auch mitziehen“, sagt Walter.

Auch für schon verheiratete Gründer ein Thema

Übrigens wichtig für Neugründer, die bereits verheiratet sind: Ein Ehevertrag kann jederzeit geschlossen werden – egal wie lange die Ehe schon besteht. „Wenn erst während der Ehe gegründet wird, besteht häufig erst damit der Anlass zu einer solchen Vereinbarung, dann kann mit dem Gang zum Notar oder Rechtsanwalt jederzeit ein Ehevertrag geschlossen werden“, so Walter.

“Verheiratete Neu-Gründer sollten in jedem Fall mit ihrem Ehepartner über das Thema Ehevertrag sprechen. Nach meinem Eindruck scheuen sich viele Ehegatten dieses Thema anzusprechen, weil sie es als unromantisch empfinden, über ein mögliches Scheidungsszenario nachzudenken“, sagt Unger. Allerdings bereuten es manche dann während einer Ehekrise, keinen Ehevertrag geschlossen zu haben. Wer erst dann im Rahmen einer Krise versuche einen Konsens im Hinblick auf den Ehevertrag mit dem Ehepartner zu erreichen, stehe aber zumeist vor einer unlösbaren Aufgabe. „Das ist dann in der Regel umso schwieriger”, gibt Unger zu bedenken.

Für verheiratete und verlobte Gründer gilt also – der Ehevertrag sollte immer auf der Checkliste der Dinge stehen, die mit Notar, Rechtsanwalt oder Steuerberater besprochen werden. Und zwar ganz unromantisch in glücklichen Zeiten – zum Schutz der finanziellen Unabhängigkeit beider Partner – und des Start-ups.