Das Start-up entwickelt ein Betriebssystem für Elektroladestationen. Die Gründer wollen damit den wachsenden Markt prägen – und planen bereits ein neues Ökosystem. Investoren glauben an die Ideen.

Ein Ladesäulen-Modell für den heimischen Schreibtisch: Immer wieder verschickt EcoG sein Starter-Kit (im Bild) an Entwickler – bestehend aus einem Controller, einer Platine und dem Zugang zum selbst entwickelten Betriebssystem. Mit dem Set können Programmierer alle Funktionen des Ladevorgangs eines Elektroautos simulieren. „So erleichtern wir es auch zu Homeoffice-Zeiten, Ladesäulen verteilt und parallel weiterzuentwickeln“, sagt Mitgründer Jörg Heuer.

Das Kernprodukt des 2017 gestarteten Start-ups können die Entwickler dabei nicht in die Hand nehmen. EcoG konzentriert sich auf die Software, die auf Elektroauto-Ladesäulen aller möglichen Hersteller zum Einsatz kommen soll. „Wir bauen gewissermaßen ein Betriebssystem für Ladestationen“, sagt Heuer – und zieht den Vergleich zur Google-Entwicklung Android. Die läuft als grundlegendes Betriebssystem auf einem Großteil der heute verkauften Smartphones, ermöglicht die Installation weiterer Anwendungen und kann von den Handyherstellern nach eigenem Gusto angepasst werden.

„Laden ist mehr als nur Tanken 2.0“

Heute, so Heuer, entwickelten viele Firmen die Hardware-Controller für Elektrotankstellen. Einmal zertifiziert und verbaut seien dann nicht mehr viele Anpassungen möglich. Damit würden viele zukünftige Erweiterungen ausgeschlossen, so der Gründer: „Laden ist aber mehr als nur Tanken 2.0“, sagt Heuer, „ein wesentlicher Mehrwert liegt in der Integration von Ladeinfrastruktur in Geschäftsprozesse“ Vorteile sieht Heuer etwa für elektrisch angetriebene Firmenfahrzeuge, die heute reservierte und autorisierte Säulen ansteuern müssen. „Die Kosten für die Suche nach einer passenden Säule sind viel höher als der Strom selbst“, sagt Heuer, „heute müssen viele der Mitarbeiter sechs bis zehn verschiedene Karten dabeihaben“.

Andere Beispiele, bei denen komplexere Abrechnungen zusammenkommen: In Parkhäusern müsste dann nicht mehr separat für Parken und Laden bezahlt werden. Und Gastronomen könnten automatisch Rabatte einrechnen, wenn Kunden ihr Auto für einige Zeit an die Elektrosäule vor dem Geschäft einstöpseln – schließlich sind die Umsätze bei einem Besuch mutmaßlich größer als bei einem raschen Abholen. Auch für den Handel könnte das interessant werden. „Der Ladevorgang wird so in die gesamte Kundenerfahrung eingebunden“, sagt Heuer.

Hoffen auf den Markt von Morgen

Klar ist: EcoG spekuliert damit auf einen Markt von Morgen. Noch ist die Zahl der Elektroladesäulen überschaubar – die Bundesnetzagentur hat aktuell gut 15.000 Stationen registriert (hier geht es zur Übersicht), wobei an vielen davon mehrere Ladepunkte installiert sind. Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr das ehrgeizige Ziel ausgegeben, das die Zahl der Ladepunkte bis 2030 auf eine Million steigt. „Der Markt skaliert jetzt – und er wird sich professionalisieren“, ist Heuer überzeugt. Auf dieses Wachstum hoffen auch deutsche Start-ups wie Ubricity, Chargery oder Urban Energy, die an Hard- oder Software rund um den Ladevorgang arbeiten.

EcoG will das Betriebssystem in möglichst vielen Säulen installiert sehen. Seine Software will das Start-up mit heute 13 Mitarbeitern in einer Art Abo-Modell vermieten. „Alle Grundlagen dafür haben wir gelegt“, sagt Heuer, „nun geht es darum, die Hersteller so gut wie möglich zu unterstützen“. Diese Vertriebsoffensive wird nun von einer frisch abgeschlossenen Finanzierungsrunde unterstützt. Wie WirtschaftsWoche Gründer exklusiv erfuhr, erhält EcoG insgesamt 1,5 Millionen Euro von Investoren.

Geldgeber aus vielen Bereichen

Bei EcoG bilden die Geldgeber die Bandbreite der Themen, in der sich das Start-up bewegt, gut ab. Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Ananda Ventures. Der in München ansässige Risikokapitalgeber beteiligt sich vorrangig an Unternehmen, die sich auf einen Nachhaltigkeitsaspekt fokussieren. Daneben kommt der finnische Energieversorger Helen mit seiner Beteiligungsgesellschaft an Bord – der Konzern betreibt in seiner Heimat bereits eine umfangreiche Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Mit Fontinalis ist bereits ein Risikokapitalgeber mit dabei, der von Bill Ford mit ins Leben gerufen wurde.

Dazu schießen zwei renommierte Acceleratoren-Programme Geld zu: Neben dem norwegischen Katapult ist das Techstars. In dessen Mobilitätsprogramm in Detroit erprobte das Gründerteam vor drei Jahren seine Ideen. Entstanden war die Idee in der Welt von Siemens: Alle drei Gründer, neben Heuer noch Manuel Heckmann und Johannes Hund, waren vorher in unterschiedlichen Sparten es deutschen Konzerns tätig. Der Beteiligungsarm von Siemens, Next 47, ist ebenfalls ein kleiner Gesellschafter von EcoG.