Das Start-up hilft Industriebetrieben dabei, Bauteile zu bestellen. Dafür werden bestehende Zulieferer und neue Lohnfertiger angedockt. Auch andere Tech-Firmen versprechen mehr Transparenz in der Produktion.

Mehr als 1000 Fräsmaschinen, über 200 Spritzgussmaschinen, gut 50 industrielle 3D-Drucker: Easy2Parts – vor gut einem Jahr gegründet – wirbt bereits mit einem umfangreichen Netzwerk an Zulieferern für Industriefirmen. Mithilfe der eigenen Software sollen Unternehmen eine bessere Übersicht über bekannte und unbekannte Fertigungsbetriebe erhalten – und sich einfach über neue Aufträge abstimmen können: „Unsere Plattform ist wie ein soziales Netzwerk aufgebaut“, sagt Mitgründer Robert Hilmer im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer, „wir wollen die Transparenz herstellen, wer was produzieren kann.“

Den herkömmlichen Weg hatte Hilmer in seiner vorherigen Position erlebt. Als Projektleiter im Maschinenbau musste er immer wieder neu nach Zuliefern für Bauteile suchen und mit ihnen verhandeln. „Das ist mir auf die Nerven gegangen, dass man das immer per Mail machen musste“, berichtet er heute. Mit Easy2Parts können Unternehmen im ersten Schritt ihre bisherigen Zulieferer integrieren. Im zweiten Schritt können die Firmen auch ihre Aufträge für die digitale Öffentlichkeit ausschreiben – und so Angebote von neuen Lohnfertigern erhalten. Der Austausch von Konstruktions-, Rechnungs- und Vertragsdaten läuft dabei innerhalb der Cloud-Lösung. Das alles soll die Lieferkette für alle Beteiligten in der Industrie vereinfachen.

Viele Start-ups ebnen den Weg zu Bauteilen

Das Start-up will über eine Lizenzgebühr für die Software mitverdienen, nicht über eine Provision oder Marge bei jedem vermittelten Produktionsauftrag.Damit unterscheidet sich Easy2Parts auch von einem Großteil der Start-ups, die auf einen ähnlichen Markt zielen. Gleich mehrere Tech-Firmen haben in den vergangenen Jahren Plattformen aufgebaut, die den Einkauf in der Industrie vereinfachen wollen.

Mit reichlich Kapital drängt dabei der US-Anbieter Xometry auch auf den europäischen Markt vor: Anfang September konnte das Start-up eine Finanzierungsrunde über 75 Millionen Dollar abschließen. Ende 2019 hatte Xometry den deutschen Anbieter Shift übernommen. Aus Baden-Württemberg arbeiten sich die Start-ups Laserhub und Kreatize vor – beide konnten in diesem Sommer Millionensummen einsammeln, beide arbeiten sich aktuell auch langsam in Nachbarländer vor.

„Der Markt ist groß genug, dass einige gute digitale Mittelständler entstehen können“, sagt Hilmer. Gleichzeitig deutet er bereits in einer frühen Phase an, dass in dem Segment durchaus auch Fusionen Sinn machen können: „Wir sehen das Potenzial, dass durch kluge Zusammenschlüsse in diesem ‘Industrie-4.0’-Bereich ein Technologiekonzern entsteht, der sich mit den Konzernen aus dem Silicon Valley messen kann“. Im Fokus stehen dabei vor allem die Informationen aus den Konstruktionsdateien. Über Zeit könnte so ein umfangreicher Datenbestand über Preise und Qualitäten entstehen. Für Lohnfertiger könne sich das Mitmachen lohnen, weil man sich nach und nach auf bestimmte Produkte spezialisieren könne, wirbt Easy2Parts.

Anschubfinanzierung für Easy2Parts

Aktuell steht das Start-up aber vor denselben Herausforderungen wie seine Mitbewerber: Es geht darum, ausreichend Maschinenbauunternehmen zu überzeugen, dass eine digitale Lösung tatsächlich effizienter ist als der traditionelle Weg. „Wie schafft man es, dem Maschinenbau zu erklären, dass er von der Auswertung der Daten einen Vorteil hat und diese bei uns als Partner sicher aufgehoben sind“, beschreibt Hilmer die momentane Aufgabe.

Die wird jetzt durch eine frisch abgeschlossene Finanzierungsrunde über eine ungenannte Summe ermöglicht. Das Geld stammt von dem staatlichen Investor Bayern Kapital und einer privaten Vermögensverwaltung aus Nürnberg, die Erfahrung im Maschinenbau mitbringt. Außerdem beteiligen sich auch mehrere Business Angels aus der niederbayerischen Heimat von Easy2Parts. Das Start-up hat seinen Sitz in einem Gründerzentrum in Deggendorf, knapp 150 Kilometer nordöstlich von München.

Der Standort sei bislang durchaus ein Vorteil, berichtet Hilmer. „Es gibt viele Mitarbeiter, die aus der Region stammen und auch hierhin wieder zurückwollen“, berichtet er. Sogar einen Experten für Künstliche Intelligenz habe man für das aktuell knapp zehnköpfige Team verpflichten können: „In München steht man da in einem ganz anderen Wettbewerb um Personal“.