Die Plattform für Online-Nachhilfe ist in der Corona-Krise stark gefragt. Nach einer Finanzierungsrunde wollen die Gründer das Angebot nun ausbauen.

Unterricht zwischen Haushalt und Homeoffice: Die coronabedingten Schulschließungen in den vergangenen Wochen waren für viele Eltern, die sich plötzlich als Hilfslehrer beweisen mussten, eine Zerreißprobe. Entlastung versprach Easy-Tutor: Unterstützt von der Hypovereinsbank bot das Münchener Start-up auf Anfrage kostenlose Online-Nachhilfe an – in Form von Einzelstunden per Video-Chat. „Die Nutzerzahlen steigen bis heute stark, auch auf Seiten der Tutoren ist die Nachfrage gerade riesig“, sagt Mitgründer und Geschäftsführer Massimo Cancellara.

Das Start-up bringt bereits seit August 2017 über seine Plattform Schüler beziehungsweise deren Eltern und freiberufliche Nachhilfelehrer zusammen. Was das Angebot jetzt so attraktiv macht: Nicht nur die Vermittlung passiert online, auch der eigentliche Unterricht findet stets online statt. Easy-Tutor stellt dafür die technische Infrastruktur. Dazu gehört etwa ein Terminbuchungssystem, eine Cloud-Plattform für Dokumente und Übungsmaterialien sowie ein Bewertungs-Tool, mit dem Eltern und Schüler ihre Tutoren bewerten können. Für die Video-Chats selbst setzt das Start-up auf Zoom.

Entlastung für Nachhilfelehrer

„Wir wollen mit unserer Plattform die Nachhilfe vor, während und nach dem Unterricht unterstützen“, sagt Cancellara, der das Start-up zusammen mit seiner Schwester Jessica Contento und seinem ehemaligen Kommilitonen Alexander Liebisch gegründet hatte. Liebisch und Cancellara waren während ihres Maschinenbau-Studiums selbst als Nachhilfelehrer tätig – und störten sich an den teils langen Anfahrten. Hinzu kam: Oft war es schwierig, Termine zu vereinbaren, so vollgepackt waren die Terminkalender der Schüler.

Neu ist die Idee, Nachhilfe online anzubieten, zwar nicht. Doch reine Vermittlungs-Plattformen empfand das Gründer-Trio als zu unverbindlich – und viele andere Plattformen konzentrieren sich vor allem auf Lerninhalte. Mit Lernvideos haben sich etwa Sofatutor und The Simple Club einen Namen gemacht. Auch dort ist die Nachfrage seit Corona stark gestiegen. Easy Tutor glaubt dagegen an den individuellen Unterricht, den aktuell 2000 aktiven Nutzern auf Schülerseite stehen 500 Tutoren gegenüber. Diese seien sorgfältig ausgewählt und geprüft, sagt Cancellara. Alle seien Studenten, Hochschulabsolventen oder Lehrer.

Von ihrer Idee haben die Gründer nun auch Bayern Kapital überzeugt. Die Wagniskapitalgesellschaft der LfA Förderbank Bayern hat sich gerade im Rahmen einer Finanzierungsrunde in sechsstelliger Höhe an dem Start-up beteiligt. „Easy-Tutor stellt sich im Markt der Nachhilfe als innovatives Lösungskonzept für alle Schülern und Eltern dar,“ sagt Roman Huber, Geschäftsführer von Bayern Kapital. Verhandelt worden war die Finanzierung zwar schon vor der Corona-Krise – der aktuelle Nachfrageschub dürfte sie VC-Firma aber noch bestärkt haben.

Erprobt bei Fußball-Bundesligisten

Das Geld will das aktuell 15-köpfige Start-up nun nutzen, um die Plattform zu erweitern. Geplant sei es zum einen, Gruppennachhilfe anzubieten, sagt Mitgründer Cancellara. Zum anderen entwickele man eigene digitale Übungsaufgaben, mit denen der Unterricht begleitet werden kann. Schon jetzt können die Tutoren auch Stift-Tablets in den Unterricht einbinden, die Easy-Tutor bei einigen Nachhilfepaketen vermietet. Der Computer-Bildschirm dient dann als „digitale Tafel“ – besonders in naturwissenschaftlichen Fächern soll das hilfreich sein.

Beim Vertrieb setzt das junge Unternehmen zunehmend auch auf Unternehmen, die die Online-Nachhilfe im Rahmen einer Kinderbetreuung oder als Mitarbeiter-Benefit anbieten. Auf der Referenzliste stehen bisher drei Fußball-Bundesligisten: Fortuna Düsseldorf, Bayer Leverkusen und Bayern München bieten Easy-Tutor in ihren Jugendabteilungen an. Die Welt des Sports ist den Gründern nah: Marketingchefin Jessica Contento ist mit dem Profifußballer Diego Contento verheiratet.