Funktionieren die Ideen der Start-ups denn nur online?
Nein. Gründer, die zunächst als Pure-Player nur online vertrieben haben, gehen sehr häufig den Weg in den stationären Einzelhandel. Die Landkarte von MyMuesli zeigt mittlerweile ein umfangreiches Filialnetz und eine Vielzahl an Hotspots auf. Auch in Supermärkten vermarktet das Unternehmen seine Produkte. Es ist interessant zu sehen, dass der Impuls aus dem Onlinehandel überschwappt in den stationären Einzelhandel.

So weit zu den Erfolgsgeschichten. Gibt es auch Negativbeispiele, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind?
Ich stelle mal umgekehrt die Frage: Wen will man da ausschließen? Jede Idee muss doch in einer Volkswirtschaft willkommen sein, wenn ein Unternehmer etwas Neues ausprobiert. Ein guter Wettbewerb – der Kartellrechtler würde sagen „ein funktionsfähiger Wettbewerb“ – zeichnet sich dadurch aus, dass neue Ideen am Markt eine Chance bekommen. Daher gibt es für mich überhaupt keinen Grund zu sagen, dass irgendein Konzept es nicht wert sein sollte getestet zu werden – moralische und rechtliche Grenzüberschreitungen vorbehalten. Warum auch nicht? Das kann wie eine Rakete nach oben schießen, das kann möglicherweise aber auch ganz schnell zum Rohrkrepierer werden – entweder weil das Modell nicht ausgereift ist oder weil es schlicht und ergreifend nicht den Mehrwert erzeugt, für den der Kunde zu zahlen bereit ist. Wichtig ist, dass keine Markteintrittsbarrieren vorhanden sind.

Allen Unternehmergeist einmal in Ehren, aber werden Start-ups gelegentlich mit zu viel Enthusiasmus und Gründerpreisen begrüßt, statt sie ausreichend zu hinterfragen?
Noch einmal: Jede Geschäftsidee ist es wert getestet zu werden und der Markt entscheidet. Dass sich ein Konzept nicht bewährt, ist völlig in Ordnung. Aber ich mag es nicht, wenn jemand vermeintliche Vorteile mit vielen Vorschusslorbeeren wenig reflektiert in den Vordergrund rückt, ohne überhaupt den Markttest abzuwarten. Manche mögen den Hype, aber nicht die sachlich- kritische Analyse. Den Gründergeist befürworte ich, aber bei der Bewertung würde ich mir manchmal mehr Zurückhaltung wünschen, solange keine Marktergebnisse vorliegen.

Kritische, wenn auch meist sehr pauschale Stimmen kommen von stationären Einzelhändlern, die die Konkurrenz aus dem Netz beklagen. Aus Expertensicht: Muss man diese Händler vor den neuen Wettbewerbern schützen?
Aus meiner Sicht nicht. Es ist nun mal so, dass wir als Kunde wählen können: Wir können uns stationär beraten lassen und online kaufen, aber ebenso gut online die Produkte anschauen und sie dann stationär erwerben. Begriffe wie „Beratungsklau“ halte ich für völlig verfehlt. Das ist Wettbewerb, und dem müssen sich Händler – egal ob online oder offline – stellen. Wenn sie mit ihren Leistungen nicht überzeugen, verlieren sie möglicherweise Kunden. Dann aber deshalb, weil sie offensichtlich nicht in der Lage sind, einen Leistungsvorteil gegenüber anderen zu bieten. Es ist meiner Meinung nach völlig normal, wenn überholte Konzepte aus dem Markt ausscheiden. Heute fragt auch niemand mehr nach der Postkutsche.

Herr Schröder, vielen Dank für das Gespräch.