Das Start-up verkauft Maschinen, die die Oberflächen und Farben von additiv gefertigten Bauteilen bearbeiten. Mit zwölf Millionen Euro wollen Investoren jetzt auch den Druck auf den Markt erhöhen. 

Flexible Bauformen, individualisierte Produkte, rascher Ersatzteilnachschub: Die Vorteile des 3D-Drucks setzen sich immer breiter in der Industrie durch. Viele Teile, die frisch aus dem 3D-Drucker kommen, sind jedoch noch nicht direkt fertig für den Einsatz. Mal ist die Oberfläche durch die additive Fertigung zu uneben, mal hat das Druckmaterial eine unpassende Farbe. Hier setzt das Start-up DyeMansion an: Das Münchener Team hat gut fünf Jahre nach der Gründung einen ganzen Maschinenpark entwickelt, der sich um die Finalisierung der 3D-gedruckten Produkte kümmert.

In den Anlagen, die in etwa so groß sind wie die industriellen 3D-Drucker selbst, wird die Oberfläche geglättet, die Oberfläche für den hygienischen Kontakt mit Lebensmitteln beschichtet oder eine satte Farbe aufgetragen. „Wir sind mittlerweile bei allen Schritten der Nachbehandlung angekommen“, sagt Mitgründer Felix Ewald im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Eingesetzt werden die Maschinen aus München von Lohnfertigern, die für andere Unternehmen 3D-Druck-Aufträge übernehmen. Oder von Konzernen selbst, die häufig mit dem Produktionsverfahren experimentieren oder Kleinserien herstellen. Zu den 600 Kunden zählen etwa BMW, Daimler, Sportartikelhersteller Under Armour oder Elektronik-Produzent Jabil.

Deutsche Start-ups treiben das Thema 3D-Druck voran

Das 2015 gegründete DyeMansion gehört damit zu einer ganzen Reihe an deutschen Start-ups rund um die 3D-Technologie. Dazu gehören beispielsweiser Druckerhersteller für den industriellen Einsatz, wie das Berliner Unternehmen BigRep oder Aim3D aus Rostock. 3Yourmind entwickelt Software, die den digitalen Weg von Konstruktion zu Bauteil vereinfachen soll. Start-ups wie Kumovis oder Mecuris haben sich darauf spezialisiert, medizinische Produkte mit dem 3D-Drucker zu produzieren.

DyeMansion sieht sich heute bereits als Weltmarktführer, wenn es um die Nachbearbeitung von additiv gefertigten Oberflächen geht. Sorgen, dass einige der großen 3D-Drucker-Hersteller die eigene Wertschöpfungskette um vergleichbare Maschinen ergänzen, hat Ewald nicht: „Wenn die Hersteller eine Nachbearbeitungsplattform entwickeln würden, wäre die nur ihre eigene Technologie einsetzbar. Die Frage ist, ob das wirtschaftlich ist.“

Zwölf Millionen Euro von Investoren

Wichtiger Anschub für das Start-up kam zu einem frühen Zeitpunkt dabei von der Beteiligungsgesellschaft des EOS-Gründers. Auch UVC Partner mit engen Verbindungen zur Technischen Universität München, Risikokapitalgeber btov Partners mit seinem Industriefonds und der Münchener Vermögensverwalter KGAL gehören zu den Gesellschaftern. Jetzt wollen Finanzinvestoren für den nächsten Schub sorgen. In einer Finanzierungsrunde sammelt DyeMansion zwölf Millionen Euro ein.

Angeführt wurde die Runde von Nordic Alpha Partners, einem nordeuropäischen Fonds, der sich auf Themen wie Energie, Fertigung und Logistik fokussiert. Es passiere selten, dass man auf ein Unternehmen stoße, dass nicht nur eine Technologie anführe, „sondern diesen Wandel auch tatsächlich beschleunigt“, sagt Nordic-Alpha-Partner Laurits Bach Sorensen.

EU-Förderung für neue Anlagen

Mit dem zusätzlichen Kapital will DyeMansion zum einen die Technologie weiterentwickeln. Ein großer Schritt soll dabei eine Anlage sein, mit der die angeraute Oberfläche von 3D-Bauteilen so glatt wird wie im herkömmlichen Spritzgussverfahren. Für diese Forschung hat sich das Start-up auch eine Förderung aus dem EU-Programm Horizon 2020 sichern können. Die Serienfertigung der Nachbearbeitungs-Anlagen geschieht dabei bei Partnern, die im Umkreis von einer Stunde um die Firmenzentrale in einem Münchener Vorort sitzen. „Für ein Hardware-Start-up sind wir am besten Platz auf der Erde“, lobt Ewald die lokale Kompetenz.

Zum anderen wird das heute 70-köpfige Team noch einmal deutlich anwachsen. Die Niederlassung in Austin wird verstärkt – schon heute sorgt das US-Geschäft nach Angaben von Ewald für etwa 40 Prozent des Umsatzes. Am deutschen Stammsitz sucht das Start-up zudem nach Ingenieuren und Kundenbetreuern mit 3D-Druck-Erfahrung. Die sollen die Kunden noch intensiver beraten können, wie sie 3D-Druck-Bauteile in ihr Kerngeschäft integrieren können.