Das Aachener Start-up DroidDrive will mit koppelbaren, elektrisch angetriebenen Lasten-Fahrzeugen die Zustellung auf der letzten Meile klimafreundlicher machen.

E-Commerce, autonomes Fahren und Elektromobilität: In der Schnittmenge dieser Trend-Themen will das von Wissenschaftlern der RWTH Aachen gegründete Start-up DroidDrive durchstarten. „Wir brauchen dringend neue Konzepte für die Auslieferung von Gütern und Paketen auf der letzten Meile“, sagt Mitgründer und Geschäftsführer Kai D. Kreisköther. Der Stop-and-Go-Verkehr in Innenstädten verursache Logistikern ohnehin schon hohe Kosten. Die zunehmende Zahl an Lieferautos verschärften das Problem noch – und verursachten viele Emission, da sie meist noch mit konventionellen Antrieben unterwegs seien.

Kreisköther und seine Mitgründer Markus Werle und Fabian Kober sind überzeugt davon, die Probleme lösen zu können – mit schlanken Elektrofahrzeugen, von denen sich bis zu fünf miteinander koppeln lassen. In einem solchen „Ducktrain“, wie das Start-up diese Lieferzüge nennt, könnten Pakete, Lebensmittel und andere Güter in großer Menge in die Stadt befördert werden. Der Clou: Im Zustellbezirk löst sich der Verbund dann auf. Dann sollen die einzelnen Fahrzeuge selbständig dem Zusteller, der entweder auf einem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist, hinterherrollen. Jede Einheit soll dabei bis zu 300 Kilogramm transportieren können. Die Ladefläche hat etwa der Größe einer Europalette.

Prozessoptimierung für Logistiker

„Wir kombinieren den Vorteil von Cargo-Bikes, die auf Fahrradwegen oft Staus entkommen können und keine Probleme mit der Parkplatzsuche haben, mit dem Ladevolumen klassischer Transporter“, sagt der Gründer. Der Vorteil: Logistiker können an ihren Verteilzentren festhalten, die sich typischerweise am Stadtrand befinden. Zwar boomt derzeit auch die Nachfrage nach neuartigen Lasten-E-Bikes wie etwa von Citkar oder Ono. Doch über staatlich geförderte Pilotversuche geht die Fahrradzustellung oft nicht hinaus. Denn die Unternehmen tun sich schwer damit, Standorte für sogenannte Mikrodepots zu finden, zu denen die Zusteller zudem immer wieder zurückkehren müssen.

Die Vorzüge seines Systems will das 2018 gegründete Start-up noch in diesem Jahr unter Beweis stellen. Im Frühjahr sollen Testfahrten auf öffentlichen Straßen beginnen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts arbeitet DroidDrive mit dem Aachener Zustelldienst CLAC Citylogistik und dem Zeitungsverlag Aachen zusammen. Laut Kreisköther wird es zudem Pilotversuche bei großen Logistikunternehmen geben. Ende des Jahres soll dann die Kleinserienfertigung beginnen – 20 bis 30 Fahrzeuge will das Start-up dann verkauft haben.

Autonomes Fahren ist noch Zukunftsmusik

So stellt sich DroidDrive die Zustellung der Zukunft vor. Foto: DroidDrive

So stellt sich DroidDrive die Zustellung der Zukunft vor. Foto: DroidDrive

Allerdings: In der ersten Generation sollen die Ducktrain-Einheiten zwar bereits über E-Antriebe verfügen und ihre Geschwindigkeit automatisch passen, aber noch nicht selbst lenken. Stattdessen werden sie mit einer Deichsel physisch an ein E-Bike gekoppelt. Denn eine Straßenzulassung des neuen Fahrzeugtyps steht noch aus. Derzeit arbeitet das Start-up an einer Zertifizierung – regulatorisch gelten die Anhänger als ferngesteuerte Fahrzeuge. „Das ist auch für den Tüv Neuland“, sagt Kreisköther. Die Probephase diene unter anderem dazu, das Lidar-System und weitere Sensoren für das autonome Fahren zu testen.

Erste Investoren glauben an die Idee: Seit der Gründung 2018 hat das Start-up mehr als 1,5 Millionen Euro eingesammelt. Gerade sind bei DroidDrive EIT InnoEnergy – ein Ableger des von der EU finanzierten Europäischen Instituts für Innovation und Technologie – und Wi Venture eingestiegen. Hinter letztgenanntem Wagniskapitalgeber steht Matthias Willenbacher, Gründer des Windpark-Entwicklers Juwi. Mit Wi Venture ist er bereits am Solarauto-Start-up Sono Motors sowie dem digitalen Hofladen Frischepost, der gerade in neue Regionen expandiert, beteiligt. Bei dem Lieferdienst soll Ducktrain ebenfalls erprobt werden.

Unterstützung vom Streetscooter-Erfinder

Zu den Gründungsgesellschaftern von DroidDrive gehört der RWTH-Professor Achim Kampker, Erfinder des Elektrolieferwagens Streetscooter. Kreisköther hatte bei ihm seine Diplomarbeit geschrieben und wie seine Mitgründer lange am Lehrstuhl für E-Mobilität gearbeitet. In dieser Zeit waren sie auch für Streetscooter und den Pkw-Bauer e.GO tätig. Die Ausgründungen gelten als großer Erfolg für die Hochschule ­­– auch wenn beide Firmen aktuell einen schweren Stand haben: Die Deutsche Post, die Streetscooter 2014 übernommen hatte, will die Produktion bald einstellen. E.Go wiederum ließ sich im vergangenen Jahr von einem Private-Equity-Unternehmen retten.

„Unsere Fahrzeuge müssen so designt sein, dass sich auch kleine Stückzahlen schon rentieren“, sagt Kreisköther. Eine eigene Produktion will DroidDrive erst gar nicht aufbauen – sondern auf Zulieferer und Auftragsfertiger setzen. Auch für das autonome Fahren sollen Technologien zugekauft werden. Das Start-up selbst verstehe sich vor allem als Software-Unternehmen, das dafür sorgt, dass alle Systeme zusammenspielen, sagt Kreisköther. Das erklärt auch das vergleichsweise schlanke Team aus sieben Festangestellten und elf Teilzeitmitarbeitern.

Das Straucheln von Streetscooter ist dem Gründer eine Lehre. „Wir haben daraus mitgenommen, sehr aufmerksam bei der Investorensuche zu sein.“ Ein Logistikunternehmen komme für DroidDrive als Gesellschafter eher nicht in Frage – denn dies könnte andere Branchenunternehmen als Kunden vergrämen. Im Nachhinein froh ist Kreisköther auch, dass eine ursprünglich für das vergangene Frühjahr geplante Finanzierungsrunde wegen der Corona-Krise geplatzt ist. Damals verhandelte das Start-up mit einem großen Autozulieferer: „Die jetzigen Investoren passen sehr viel besser zu uns als ein Konzern.“