Dubai will für junge Finanz-Start-ups zum wichtigen Standort werden. Dafür wirbt das Emirat jetzt auch um europäische Digitalfirmen – mit üppigen Fonds und weitreichenden Ausnahmeregeln.

Viel los im Bienenstock: Unter dem Titel „Fintech Hive“ will das Emirat Dubai jungen Finanz-Start-ups Raum für Wachstum bieten. Zu den verschiedenen Waben des Förder-Konzepts gehören: Ein regelmäßiges Accelerator-Programm, ein Coworking-Space mitten im Finanzdistrikt und Zugang zu einem Investorennetzwerk – zu dem auch der 100-Millionen-Dollar-Fonds der staatlichen Sonderwirtschaftszone Dubai International Financial Centre (DIFC) gehört.

Großbanken sind dort seit vielen Jahren mit Büros und tausenden Mitarbeitern zu Hause. Jetzt fokussieren die Verantwortlichen stärker auf junge Tech-Unternehmen. „Die Welt der Finanzdienstleistungen hat sich in den vergangenen Jahren gedreht“, sagt Salmaan Jaffery, zuständig für die Geschäftsentwicklung des DIFC, „also mussten wir uns auch verändern.“

Vorfühlen im Berliner Ökosystem

Gezielt umwirbt Dubai dabei auch Fintechs aus Europa. Mit deutschen Politikern habe man bereits gesprochen, nun suche man die Kontakte in das Berliner Start-up-Ökosystem, berichtet Jaffery im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer: „Wir sind sehr neugierig, diese Brücke auszubauen.“

Dabei sieht sich Dubai vor allem als Standort, um einen gigantischen, aber speziellen Markt zu erschließen. „Im Umkreis von drei Flugstunden findet sich die weltweite Mehrheit von Menschen, die keinen Zugang zu Banken haben“, sagt Jaffery. Für Start-ups, die auf mobile Dienstleistungen setzen oder neuartige Versicherungsmodelle entwickeln, eröffnet sich so der Zugang zu einem enormen Markt. Einen Fokus auf „finanzielle Inklusion“ nennt der Manager das.

Dubai diversifiziert auch in Digitalwirtschaft

Die Pläne des DIFC reihen sich damit ein in die generelle Strategie des Emirats. Dubai hat schon früh darauf gesetzt, die Wirtschaft weniger abhängig von Öl und Gas zu machen. Die heutigen Einnahmen fließen auch in Programme, die den Standort interessant für Tech-Einhörner von morgen machen sollen. Insbesondere das Thema Mobilität hat es Dubai angetan: Hier hob das Flugtaxi-Start-up Volocopter bereits zum Testflug ab, auch Ridesharing-Anbieter wie Mvmant werden für Testfahrten eingeladen. Die herannahende Weltausstellung Expo 2020 fungiert als Katalysator für eine ganze Reihe an Start-ups rund um das Thema Smart City.

Die DIFC will ähnlich attraktiv für Fintechs sein. Dazu zählt ein eigenes Rechtssystem, verfasst in englischer Sprache. Im Accelerator-Programm wird zudem speziell auf das sogenannte „Sandboxing“ verwiesen: Für innovative Geschäftsmodelle gibt es Testfelder in der realen Welt, in der sie ausprobiert werden dürfen. Solche regulatorischen Ausnahmen wünschen sich auch in Deutschland zahlreiche Start-ups aus der Finanzbranche. „Das ermöglicht es den Start-ups, mit den Aufsichtsbehörden zusammen zu arbeiten und die Märkte zu testen“, sagt Jaffery.