Das Start-up Drover nimmt mit Auto-Abos Kurs auf Deutschland – und heizt so den Wettbewerb weiter an. Am Steuer sitzt ein Gründer, der den Markt gut kennt. 

Felix Leuschners Leben spielt sich seit zehn Jahren in London ab, wo er auch 2016 mit seiner Firma Drover gestartet ist. Jetzt zieht es ihn zumindest als Gründer wieder stärker Richtung Deutschland. Künftig will er mit Auto-Abos auch hierzulande angreifen, kündigt er anlässlich einer neuen Finanzierungsrunde an. An das Start-up fließen umgerechnet rund 22,7 Millionen Euro, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr. Drover vermittelt Autos im Rundumpaket mit Versicherung, Steuer, Zulassung und Wartung an Privatkunden – nur Sprit kommt obendrauf. Buchbar sind die Fahrzeuge jeweils gegen einen monatlichen Abo-Preis für einen Monat bis zu zwei Jahre.

Vertreten ist Drover damit seit Anfang des Jahres bereits in Frankreich. Wann genau auch Kunden in Deutschland online Fahrzeuge buchen können, verrrät Leuschner noch nicht. „Wir wollen definitiv auch in Deutschland starten, zum richtigen Zeitpunkt“, sagt der Unternehmer, der Drover zusammen mit Co-Gründer Matt Varughese aufgebaut hat. Er hat nicht weniger im Blick, als das Verhältnis zum Autobesitz grundlegend zu verändern: „Unser Ziel ist es, in den nächsten zehn Jahren ein wirklich großes Unternehmen aufzubauen, das die Zukunft des Automobilvertriebs maßgeblich mitgestaltet. Dementsprechend denken wir sehr langfristig.“

Einsteiger machen Druck

Abo statt Kauf heißt der neue Trend in der Autobranche: Auf dem Markt liefern sich derzeit junge Tech-Unternehmen ein Rennen mit den etablierten Mietwagenvermittlern wie Sixt und Fahrzeugherstellern wie VW und Mercedes. Allein in Deutschland bringen Start-ups unterschiedlichste Modelle rund um Auto-Abos auf den Markt – dazu gehören Vive La Car aus Stuttgart, Finn und Cluno aus München, Faaren aus der Nähe von Würzburg und Like2drive aus dem Hause der Kölner Fleetpool Group. Unterscheiden wollen sich die jungen Firmen etwa durch reine E-Flotten, wie sich das Züricher Start-up Juicar positioniert, flexiblere Laufzeiten und Konditionen oder die Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Auch Geschäftskunden rücken stärker in den Fokus.

Drover konzentriert sich vorerst auf Privatkunden – und verspricht, die online gebuchten Fahrzeuge innerhalb von 72 Stunden an die Haustüre zu liefern. Bei anderen Anbietern müssen Kunden auch mal ein paar Wochen warten. Im Angebot haben die Londoner sowohl Gebraucht- und Jahreswagen als auch Neuwagen, die laut dem Gründer 30 Prozent des Angebots ausmachen. Damit die knappe Lieferfrist einzuhalten ist, inseriert Drover erst, wenn das genaue Lieferdatum eines Autos bekannt ist: „Wir stellen keine Dummy-Listings ein oder Fahrzeuge, die wir dann wiederum selber bestellen müssten. Dadurch können wir Fahrzeuge auch kurzfristig liefern“, sagt Leuschner.

Drover setzt auf Größenvorteil

Dahinter steckt die Strategie, keine eigene Flotte aufzubauen, sondern auf Fahrzeuge von Partnerunternehmen zurückzugreifen – das sind entweder direkt die Hersteller oder Händlergruppen und Leasingfirmen. „Uns erlaubt das, bestimmte Risiken nicht selbst abdecken zu müssen und natürlich auch Fahrzeuge nicht selber finanzieren zu müssen. Dadurch können wir sehr kapital-effizient skalieren“, erklärt der Gründer. Autos nicht selbst besitzen, sondern nur weitervermitteln: Auf denselben Vorteil bauen auch andere Start-ups wie Vive La Car oder Faaren.

Vor einem halben Jahr erst hat auch der Schweizer Anbieter Juicar angekündigt, seinen Dienst auf ganz Deutschland auszuweiten. Abschrecken lässt sich Drover von der internationalen Konkurrenz nicht, im Gegenteil: Schon jetzt sehen sich die Londoner gegenüber den europäischen Konkurrenten im Vorsprung: „Wir sind umsatzseitig etwa doppelt so groß aufgestellt wie unser nächster Wettbewerber, einschließlich deutscher Player“, sagt Leuschner. „Aus unserer Sicht sind wir demnach klar der Marktführer in diesem Segment.“

Der Umsatz habe sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt auf mehr als 30 Millionen Euro. In den vergangenen acht Wochen, zur Zeit des Corona-Lockdowns, sei die Nachfrage zudem enorm gestiegen, so der Gründer. „In Zeiten großer ökonomischer Unsicherheit und möglichen Job-Verlusten ist ein flexibles Fahrzeugangebot, bei dem man monatlich zahlt, ohne hohe Anzahlung, und das man zur Not auch kündigen kann, sicher noch deutlich attraktiver als der klassische Fahrzeugkauf oder eine langfristige Finanzierung“, ist Leuschner überzeugt.

Abhängig von angeschlagenen Konzernen

Von der Covid-19-Pandemie betroffen war Drover nur kurzzeitig, wie der Gründer erklärt. Als Mietwagenfirma konnte das Start-up unter Hygienevorschriften ununterbrochen Fahrzeuge zu den Kunden bringen. Geruckelt hat es dagegen bei der Beschaffung der Autos: „Während der Hochzeit der Corona-Krise kam es natürlich zu Unterbrechungen in der gesamten Automobilindustrie. Für uns war es ein immenser Aufwand, weiterhin an ausreichend Fahrzeuge zu kommen“, sagt Leuschner. „In den letzten Wochen hat sich das glücklicherweise wieder nahezu komplett normalisiert.“

Mit der neuen Finanzierung unter anderem durch die Berliner Venture-Capital-Gesellschaft (VC) Target Global sowie RTP Global und Autotech Ventures will Drover nun weiter Fahrt aufnehmen. Unterstützt werden die Hauptinvestoren der aktuellen Runde durch Channel 4 Ventures und Rider Global, außerdem beteiligen sich erneut die Bestandsinvestoren Cherry Ventures, BP Ventures, Partech, Version One und Forward Partners. Die Gesamtfinanzierung liegt nun bei umgerechnet 30,4 Millionen Euro.

Einen strategischen Vorteil erhofft sich Drover von einem starken Technologie-Fokus: „Unser Ansatz ist extrem datengetrieben. Dies erlaubt uns im Vorhinein ein gutes Verständnis davon zu haben, welche Fahrzeuge wir zu welchem Zeitpunkt benötigen“, erklärt der Gründer und Geschäftsführer, der aktuell 95 Mitarbeiter beschäftigt. 40 Prozent von ihnen arbeiten laut Leuschner auf der Technologie-Seite, die Operations- und Back-Office-Rollen fährt Drover nach und nach zurück. So will das Start-up die Konkurrenz vor allem mit Hilfe von Automatisierung abhängen: durch Flottenmanagement-Software, ein voll digitales Versicherungsprodukt sowie ein Credit-und Risk-Scoring-Modell, das auf Machine Learning basiert.