Getaround kauft den französischen Konkurrenten für fast 270 Millionen Euro. Gemeinsam wollen sie weltweit das Teilen von Autos ermöglichen. Auch der deutsche Markt soll zulegen.

Ein Ford Fiesta am Münchener Hauptbahnhof, ein Opel Astra im Süden von Berlin: Das Carsharing-Portal Drivy vermittelt zwischen den Besitzern von Autos und Gelegenheitsfahrern, die für ein paar Stunden oder Tage ein Fahrzeug brauchen. Das Angebot soll noch Wachsen, die Marke des Start-ups mit Hauptsitz in Paris wird dagegen in den kommenden Monaten verschwinden. Der US-Wettbewerber Getaround hat Drivy in dieser Woche für umgerechnet knapp 270 Millionen Euro übernommen.

Dabei waren die beiden Digitalfirmen zuvor mit ähnlichen Kennzahlen unterwegs. Getaround ist nach eigenen Angaben in 140 Städten in den USA unterwegs, Drivy in 170 Städten in sechs europäischen Ländern. Gemeinsam komme man auf fünf Millionen Nutzer, heißt es von den beiden Unternehmen, 67.000 Fahrzeuge seien registriert. „Obwohl wir auf verschiedenen Kontinenten unterwegs sind, teilen wir dieselbe Mission“, sagt Drivy-Gründer Paulin Dementhon gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

Mehr Autos in Berlin, Hamburg und München

Im Laufe dieses Jahres sollen dann auch die Apps der beiden Unternehmen zu einer Anwendung verschmelzen. „Das ist eine etwas komplexere Operation“, sagt Dementhon. Parallel stehe nun das Flottenwachstum im Zentrum der Bemühungen: „Wir wollen das Wachstum unserer vernetzten Self-Service-Flotte in unseren wichtigsten Städten deutlich beschleunigen“, berichtet der Drivy-Gründer.

In Deutschland liegt der Fokus auf Berlin, Hamburg und München – auch wenn sich in anderen Städten bereits Angebote finden. Erst wenn man es schaffe, in den ausgewählten Städten für jeden Nutzer ein Auto in Laufdistanz anzubieten, wolle man auch in weitere Kommunen expandieren, sagt Dementhon.

Das Ziel ist es, so viele Autos wie möglich per Smartphone öffnen und starten zu können – jede Schlüsselübergabe zwischen Halter und Mieter macht das schnelle Mieten komplizierter. Für den Versicherungsschutz der Carsharing-Fahrten sorgt bei Drivy aktuell eine Partnerschaft mit der Allianz.

Team in Europa soll wachsen

Drivy beschäftigte zuletzt nach eigenen Angaben 130 Mitarbeiter, davon sechs im Berliner Büro. Im Zuge des Wachstumskurses unter der Getaround-Flagge soll das Team in Europa um 50 Prozent wachsen, heißt es.

Der Markt für das Teilen von Privatautos, das sogenannte Peer-to-Peer-Carsharing, sortiert sich damit weiter. Im vergangenen Jahr hatte Turo einen deutschen Wettbewerber übernommen, hinter dem Autobauer Daimler steckte, und hatte sich so hierzulande vorgearbeitet. Genauso hatte es der niederländische Anbieter Snappcar ein Jahr zuvor bereits gemacht. Getaway aus Berlin versuchte 2017 erfolglos sein Glück in der „Höhle der Löwen”, konnte aber ein Jahr später den Energiekonzern Innogy als Investor gewinnen.