Das Start-up baut eine Plattform, die Fahrlehrer und -schüler zusammenbringen will – digital und analog. Die Gründer profitieren von neuen Klauseln im Gesetz. Die kleinteilige Branche müssen sie jedoch erst noch überzeugen.

Spiegel, Blinken, Schulterblick: 1,7 Millionen Mal absolvierten Fahrschüler im Jahr 2018 eine praktische Fahrprüfung in Deutschland. Trotz Diskussionen um neue Mobilitätsformen ist der Andrang hoch – die Zahl der abgelegten Prüfungen stieg um drei Prozent. Der Weg bis zur abschließenden Kontrollfahrt funktioniert dabei in den meisten Fällen genauso wie seit vielen Jahrzehnten. Angehende Prüflinge suchen sich eine von etwa elftausend Fahrschulen, setzen häufig auf die Weiterempfehlung von Freunden, und absolvieren dort den theoretischen und praktischen Unterricht.

Doch auch in die Fahrschul-Welt arbeitet sich die Digitalisierung vor. Vorne mit bei dieser Entwicklung fährt das Start-up DrivEddy. Die Berliner haben mit einer App gestartet, mit der sich Schüler auf die Theoriefragen vorbereiten können. Dazu kam dann eine Software-Lösung, mit der Fahrschulen ihre oft knappen Termine für Fahrstunden verwalten können. Neu dazu kommt jetzt der EddyClub – eine Schnittstelle zwischen digitaler und analoger Welt.

Analoge Anlaufstelle für Fahrschüler

Eine erste Filiale öffnet in den nächsten Wochen in Berlin. Hier, mit schicker Lounge und modernen Fahrsimulatoren, sollen bald in hohem Takt Theoriekurse stattfinden. Fahrschüler können so das Pensum nach ihrem Tempo absolvieren. Für die praktischen Einheiten kommen kooperierende Fahrschulen zum Einsatz.

Damit wird DrivEddy zur Fahrschule ohne eigene Autos. „Wir haben schnell gesehen, dass ein Flixbus-Modell auf den Markt sehr gut passt“, sagt Mitgründer Robin Stegemann. Konkurrenz gibt es durchaus: 123Fahrschule.de arbeitet mit einer ähnlicher Mischung aus Online- und Offline-Angebot, betreibt aber überwiegend eigene Fahrschulen in NRW. Auch Odokar aus Berlin setzt auf ein vergleichbares Konzept. Clickclickdrive konzentriert sich vor allem auf Software-Angebote für Fahrschulen selbst.

Knotenpunkt für Fahrschulen

Stegemann und Kompagnon Lasse Schmitt wollen ihr Modell in den nächsten Jahren ausrollen: Pro EddyClub – erst in Berlin, dann in anderen deutschen Großstädten – sollen etwa fünf Fahrschulen angeschlossen werden. Investoren haben 1,5 Millionen Euro bereitgestellt, um die Aufbauarbeit zu ermöglichen. Schließlich muss für jeden neuen Standort ein passendes Ladenlokal samt Mitarbeitern gefunden und eingerichtet werden.

Im Hintergrund soll eine Software zukünftig die Dokumentation und Verwaltung für die Fahrlehrer verbessern. Das soll es den Prüflingen auch ermöglichen, bei verschiedenen Fahrlehrern mit dem gleichen Standard die Fahrstunden zu absolvieren. „So erhöhen wir die Transparenz bei der Ausbildung“, sagt Schmitt.

Überzeugungsarbeit auf gut ausgelastetem Markt

Eine Herausforderung: Auch wenn die Konzentration auf dem Markt zunimmt, ist die Branche noch sehr kleinteilig strukturiert. Und viele Fahrlehrer sind angesichts steigender Prüfungszahlen mittlerweile wieder gut gebucht. „Wer eine Auslastung von 110 Prozent hat und in ein paar Jahren in Rente geht, der will keine Provision mehr an uns abgeben“, sagt Schmitt.

Die Gründer setzen daher auf den personellen Engpass – und wollen ab 2020 auch selbst Fahrlehrer ausbilden. „Wir übernehmen die komplette Organisation und Betreuung, und die Fahrschule bekommt sogar noch Fahrlehrer von uns“, wirbt Stegemann für das Modell.

Verlängerung über die Club-Mitgliedschaft

Diese Konstruktion ist nach Angaben der Gründer erst durch eine Änderung im Fahrschulgesetz möglich geworden. 2018 wurden sogenannte Kooperationsfahrschulen erlaubt, die Teile der Ausbildung übernehmen können. Beim Austausch mit Behörden und Verbänden stoßen die DrivEddy-Macher dabei immer wieder auf skeptische Blicke. Doch nach eigenen Angaben stünden alle regulatorischen Ampeln mittlerweile auf grün.

Stegemann und Schmitt denken derweil bereits über die nächsten Schritte nach: Denn eigentlich sind Fahrschüler nach Bestehen der Prüfung als Kunden verloren – kein attraktives Modell, um schnell und stetig zu wachsen. Über die Mitgliedschaft im EddyClub jedoch wolle man den Nutzern auch darüber hinaus noch Angebote von Partnerunternehmen wie Versicherungen oder Mobilitätsanbietern ausspielen. „Wir erreichen da eine neue Generation von Fahrern – das Interesse von Unternehmen ist sehr groß“, sagt Stegemann.