Männer dominieren die Risikokapitalbranche. Die Initiative Level20 will hier mehr Frauen in Führungspositionen bringen. Wie das gelingen soll und warum sie trotz der derzeitigen Situation optimistisch ist, erklärt die Leiterin des deutschen Programms im Interview.

Von Louisa Schmidt

Die britische Initiative Level20 hat sich das Ziel gesetzt, mehr Frauen in Spitzenpositionen der privaten Investmentbranche zu bringen. Im vergangenen Jahr startete das Programm unter der Leitung von Dörte Höppner auch in Deutschland. Die dreifache Mutter ist europäischer Chief Operating Officer beim Private-Equity-Investor Riverside. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erklärt sie, warum die Branche so männlich geprägt ist und wie sie das ändern will.

WirtschaftsWoche Gründer: Level20 hat sich ein hohes Ziel gesteckt: 2020 sollen 20 Prozent der Führungspositionen in der Branche mit Frauen besetzt sein sollen. Ist das zu noch schaffen?

Dörte Höppner: Das war von Anfang an ein ambitioniertes Ziel, und es war klar, dass wir es mit großer Sicherheit verfehlen werden – aber wir wollten bewusst ambitioniert auftreten. In 2017 haben wir das letzte Mal in Großbritannien gezählt: In der Private Equity Branche dort waren nur sechs Prozent der Führungskräfte weiblich, im Venture-Capital-Bereich immerhin 13 Prozent. Zahlen für Deutschland gibt es bisher leider keine, sie werden aber ähnlich sein. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass sich in der Branche einiges bewegt.

Woher kommt der Optimismus?  

Diverse Teams performen einfach besser, das ist auch empirisch vielfach erwiesen. In den Chefetagen ist das inzwischen angekommen. Das merken wir daran, dass fast alle großen Häuser unsere Initiative unterstützen. Ein weiterer Punkt: Auch immer mehr junge Männer scheinen nicht mehr Karriere um jeden Preis zu wollen. Stattdessen kommunizieren sie von Anfang an, dass ihnen eine Work-Life-Balance wichtig ist. Darauf müssen die Arbeitgeber reagieren – und dann ist es nicht mehr ein geschlechterspezifisches Thema.

Ist es nicht gerade dieser Punkt: die Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit mit der Familie, die Frauen vom Investmentgeschäft zurückhält?

Vor allem müssen wir die Private-Equity-Branche besser erklären. Viele Studenten oder Berufseinsteiger denken, dass der Job eine permanente Knochenmühle ist und man jedes Wochenende durcharbeiten muss. Ich war neulich an einer Uni und habe Studentinnen erklärt, dass im Schnitt in der Branche jährlich etwa zwei bis fünf Investments gemacht werden. Das hat sie ziemlich überrascht. Es ist also noch viel Aufklärung nötig.

Wird dann bald die Risikokapitalinvestorin in Teilzeit zum Standard?

Das halte ich für unwahrscheinlich. In Investmentteams funktioniert das dauerhaft nicht. Wenn man Zeit für die Familie möchte, ist es bislang eher üblich, eine Zeit lang zu pausieren.

Aber was muss sich dann ändern, um Frauen in den Beruf zu locken?

Was wir vor allem brauchen, sind weibliche Vorbilder. In jedem vierten britischen Investmentteam hat Ende 2017 keine einzige Frau gearbeitet, vor allem kleine Firmen sind sehr männlich dominiert. Das schreckt Frauen natürlich ab. Wenn es aber einmal Diversity-Strukturen gibt, ist der Rest ein Selbstläufer. Bei Riverside in den USA führen zum Beispiel zwei Frauen einen der großen Fonds. Dort melden sich deutlich mehr weibliche Bewerberinnen als üblich. Mit Level20 gehen wir aber auch ganz bewusst in Universitäten um junge Frauen zu motivieren, eine Karriere in Private Equity in Erwägung zu ziehen.

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Was kann darüber hinaus helfen, die Strukturen für Frauen zu verbessern?

Viel wird sich durch den Markt regeln. Unsere Kunden, also institutionelle Investoren, die in die Anlageklasse Private Equity investieren, wollen, dass die Branche diverser wird. Nicht nur in Hinblick auf das Geschlecht, sondern auch bei Nationalität und Alter. Diese Investoren stellen jeder Private-Equity und Venture-Capital-Gesellschaft schon jetzt die Frage, wie es um die Diversität im Team bestellt ist. Das wird künftig noch zunehmen. Wenn ein Fond da passen muss, wird es mit dem Fundraising erheblich schwerer werden.

Wenn die Frauen einmal eingestiegen sind: Gelingt es dann, sie in der Branche zu halten?

Das ist einer der großen Knackpunkte. Hier ist Private Equity leider keine Ausnahme, viele andere Branchen kennen das Problem: Im Junior Level gibt es noch viele Frauen, aber es dünnt sich aus, je höher es nach oben geht. Das zu ändern, ist eines der Hauptziele der Initiative. Denn in der Investmentbranche hat man die großartige Gelegenheit, anders als in der Beratung, sehr tief ein in einzelne Unternehmen und Geschäftsfelder einzusteigen.

Welche Schritte gehen Sie mit der Initiative, um Frauen langfristig zu unterstützen?

Wir haben ein Mentoring-Programm gestartet, das Herzstück der Initiative: Erfahrene Kollegen, egal ob männlich oder weiblich, begleiten seit September 2018 deutschlandweit neun Monate lang 15 junge Frauen. Dabei geht es nicht um frauenspezifische Fragen, also zum Beispiel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – sondern darum, wie man in der Private-Equity- und der Venture-Capital-Branche Karriere macht, wie man sich verbessern kann. Gerade in kleinen Firmen, die eigene Programme nicht anbieten können, hoffen wir, damit viel zu erreichen. In Deutschland haben wir eine erste Runde gestartet mit durchweg positivem Feedback. Und gerade unsere männlichen Mentoren sagen, dass sie durch das Programm ein viel besseres Verständnis für die Karriereherausforderungen von jungen Frauen in Private Equity gewonnen haben.