Das französische Start-up steigt in den Club der Einhörner auf. Mit dem neuen Wagniskapital will Doctolib auch den deutschen Standort stärken.

Online zum Arzttermin: Mit diesem Service hat sich Doctolib einen Namen gemacht. Gegründet 2013, sind laut Unternehmensangaben aktuell über 75.000 Ärzte und 1400 Gesundheitseinrichtungen in Europa an das Portal angeschlossen. Gestärkt durch eine kräftige Finanzspritze in Höhe von 150 Millionen Euro will das französische Start-up nun seine Aktivitäten in Deutschland ausweiten – und in den attraktiven Markt der Telemedizin vordringen.

Wie das Start-up heute bekannt gab, hat es mit der aktuellen Finanzierungsrunde eine Unternehmensbewertung von über eine Milliarde Euro erreicht – und gehört nun zu dem exklusiven Klub der sogenannten Einhörner in Europa. Lead-Investor war der globale Wachstumsfonds General Atlantic (GA). Kapital kam außerdem von Bestandsinvestoren wie der Bank Bpifrance und dem Pariser Beteiligungsunternehmen Eurazeo, die Ende 2017 bereits eine Rekord-Finanzierungsrunde auf die Beine gestellt hatten. Auch mehrere deutsche Gesundheitsunternehmer zählten zu den neuen Investoren, heißt es bei Doctolib.

Arztbesuch per Videochat

Das Start-up ist seit 2016 in Deutschland aktiv und beschäftigt eigenen Angaben zufolge hierzulande inzwischen 100 Mitarbeitern an sechs Standorten. Europaweit sind es 760 Mitarbeiter. Die Entwicklungszentren befinden sich in Berlin und Paris. Mit dem frischen Kapital will Mitgründer und CEO Stanislas Niox-Chateau die Teams noch einmal vergrößern – geplant ist, die Mitarbeiterzahl in Deutschland und Frankreich in den kommenden drei Jahren zu verdoppeln. Ein direkter Konkurrent ist Doctena: Das Berliner Start-up hatte im September acht Millionen Euro eingesammelt.

Doctolib will indes nun in neue Geschäftsfelder vordringen: „Zukünftig wird Doctolib auch neue Telemedizin-Services zur Verfügung stellen“, heißt es in der Mitteilung des Start-ups. In Frankreich können Nutzer des Portals bereits seit Anfang des Jahres Ärzte von zu Hause aus konsultieren – per Videochat. Zudem ist es möglich, online Rezepte ausgestellt zu bekommen.

Der Telemedizin-Markt gilt als hochattraktiv, eine ganze Reihe von Start-ups positionieren sich aktuell in dem Bereich. In Deutschland hat das sogenannte Fernbehandlungsverbot in der Berufsverordnung der Ärzte die Möglichkeiten lange stark eingeschränkt, im vergangenen Jahr wurden die Regelungen aber gelockert. Bekannte Anbieter sind Dr. Ed und Fernarzt.com, die beide in Großbritannien ihren Hauptsitz haben und dort selbst Ärzte beschäftigen. Als Vermittler und Technologieanbieter versteht sich dagegen Teleclinic aus München – das Start-up ist ebenfalls gut mit Wagniskapital ausgestattet.