Sie könnten von Krankenkassen dazu genutzt werden, profilgenaue Angebote zu unterbreiten, das Leistungsspektrum entsprechend anzupassen oder künftige Risikozuschläge zu berechnen. „Die Mitglieder gesetzlicher Kassen sind durch Gesetz vor der unbedachten Preisgabe sensibler Daten und den damit verbundenen unabsehbaren Folgen geschützt“, sagte Voßhoff, „der Gesetzgeber sollte erwägen, diesen Schutz auch den Versicherten privater Kassen zu gewähren.”

Auch die Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann und Georg Nüßlein von der CDU fordern in einem gemeinsamen Schreiben vom 2. September mehr Patientenschutz bei Medizin-Apps: Gesundheitsdaten seien sensibel und würden daher höchsten Schutz verdienen. „Wir regen deshalb eine Zertifizierung bzw. die Vergabe eines Siegels für Apps an, die in Deutschland entwickelt und betrieben werden und bestimmte festgelegte Datenschutz-Vorgaben einhalten“, schreiben die Bundestagsmitglieder. Zum Beispiel solle sichergestellt werden, das die Daten in der Hoheit der Nutzer verbleiben und höchstens anonymisiert an Krankenkassen weiter gegeben werden.

Beim zuständigen Bundeminister Hermann Gröhe scheint das Thema angekommen zu sein: Er wolle Lösungen auf europäischer Ebene vorantreiben, antwortete er auf das Schreiben seiner Parteikollegen. Außerdem habe sein Ministerium im August 2015 eine umfangreiche Studie über die Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps in Auftrag gegeben. Entstehen soll ein Überblick über Datenschutz, Transparenz und medizinische Qualität der über 400.000 Angebote in Deutschland. Wann allerdings konkrete politische Maßnahmen folgen, bleibt offen.

Die Datenschutz-Debatte beschäftigt auch Markus Büchtmann von Gymondo. Aber der Geschäftsführer bekräftigt: „Die AOK bekommt keine Kundendaten von uns.“ Die allgemeinen Geschäftsbedingungen würden die Weitergabe von Daten ausschließen. Und auch Hermann Bärenfänger von der Techniker Krankenkasse sieht die Kundendaten seiner Mitglieder in guten Händen: „Wo in Deutschland sind die Daten besser aufgehoben als bei einer gesetzlichen, nicht profit-orientierten Krankenkasse?“