Die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Gründern in Sachen Digitalisierung bleibt eine Ausnahme. Zwei Vorreiter-Branchen aber gibt es.

Beginnen wir mit der guten Nachricht: Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Start-ups in Sachen Digitalisierung hat sich in den letzten Jahren verbessert. Von vier Prozent im Jahr 2017 ist sie auf acht Prozent um das Doppelte gestiegen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Bitkom Research im Auftrag von Tata Consultancy Services (TCS) unter 953 Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern in Deutschland. 

Womit man schon zur schlechten Nachricht kommen kann, denn eine Erfolgszahl sind die acht Prozent definitiv nicht. Schlagzeilen wie „Etablierte Unternehmen scheuen Kooperationen“ lassen sich nach wie vor auf die unterschiedlichsten Branchen anwenden, der  Logistik-Bereich ist das nur ein Beispiel unter vielen. 

Automobilsektor als Vorreiter

Eine rühmliche Ausnahme, so kontaktieren die Macher der Studie, bilde der Automobilsektor, in dem sich in den vergangenen zwei Jahren viel getan hat. Hier arbeitet mittlerweile fast jedes fünfte Unternehmen mit Start-ups zusammen. Und auch in der Chemie- und Pharmabranche sieht es mit 15 Prozent nicht ganz so düster aus.

Sieht man sich die Studie genauer an, wird deutlich, dass die Größe der befragten Unternehmen hinsichtlich der Kooperation mit Start-ups eine Rolle spielt – je kleiner, desto weniger Berührungspunkte gibt es: 15 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern arbeiten bereits mit Start-ups, weitere 16 Prozent planen eine Kooperation. Von den Unternehmen mit 200 bis zu 499 Mitarbeitern arbeiten neun Prozent mit Start-ups zusammen, bei den Firmen mit 100 bis 199 Mitarbeitern nur 5 Prozent.

Inspiration durch Zusammenarbeit mit Start-ups

Die Studie erweckt den Eindruck, als hätten die Unternehmen den Nutzen einer Zusammenarbeit mit Start-ups noch nicht erkannt, sie setzen für die digitale Transformation eher auf Verbände und IT-Beratungen (jeweils 36 Prozent), Personalberatungen (24 Prozent), Lieferanten (21 Prozent), wissenschaftliche Einrichtungen (16 Prozent) und Strategieberater (elf Prozent). Seltener als mit Start-ups arbeiten die Unternehmen nur mit direkten Wettbewerbern zusammen.

Kay Müller-Jones, Leiter Consulting und Services Integration bei TCS sieht das als ein großes Versäumnis an: „Gerade Start-ups können etablierte Unternehmen inspirieren, wenn es darum geht, digitale Technologien innovativ zu nutzen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder die Organisation flexibler und agiler zu machen.“ Ein gelungenes Beispiel für eine solche Kooperation ist die Immobilienwirtschaft. Die Branche hat die Digitalisierung lange verschlafen und setzt darum im Umgang mit Tools und Software seit einiger Zeit verstärkt und erfolgreich auf Start-ups.