ZeitgoldSmacc oder Candis digitalisieren die Finanzverwaltung mit Künstlicher Intelligenz. Prominente Geldgeber stecken Millionen in die digitalen Buchhalter. 

Stefan Jeschonnek und Jan Deepen beschäftigen sich seit langem mit Technologien für Restaurants und kleine Läden. Vor sechs Jahren gründeten sie SumUp und entwickelten einen Kreditkartenleser, mit dem kleine Unternehmen einfach per Smartphone Kartenzahlungen entgegennehmen konnten. Im vergangenen Jahr schloss sich SumUp mit dem Konkurrenten Payleven aus dem Hause Rocket Internet zusammen.

Jeschonnek und Deepen waren schon 2014 ausgestiegen und hatten ein Jahr später mit der Arbeit an ihrem neuen Projekt begonnen. „Bei SumUp haben wir viel über kleine Händler gelernt“, sagt DeepenFür viele ist der ganze Papierkram das mit Abstand größte Problem im Alltag.”

Schnelle Hilfe für die Kunden

Genau da setzen sie nun mit Zeitgold an. Das Start-up verspricht, von der Buchhaltung über Lohnabrechnung, Rechnungszahlung und Mahnwesen einen großen Teil der Finanzverwaltung abzunehmen. Die Unternehmen müssen dazu sämtliche Unterlagen einfach in einer Pappbox sammeln, die einmal pro Woche von Zeitgold abgeholt wird. 

Die Unterlagen werden dann gescannt und digital aufbereitet. „Die Kunden bekommen in der App eine To-Do-Liste und können mit einem Klick ihre Rechnungen bezahlen“, sagt Jeschonnek

Kern der Zeitgold-Technologie ist daher die selbstlernende Textanalyse-Software. Entwickelt wurde sie vom dritten Gründer Kobi Eldar, einem Experten für künstliche Intelligenz aus Israel.

Für die Weiterentwicklung hat Zeitgold nun eine Startfinanzierung über 4,2 Millionen Euro von Holtzbrinck Ventures und dem US-Wagniskapitalgeber Battery Ventures bekommen, der auch schon in GoEuro und N26 investiert hat. 

Der Markt für Buchhaltungssoftware scheint lukrativ. So ist die Commerzbank gerade beim Zeitgold-Konkurrenten Candis eingestiegen. Auch die Investoren Point Nine Capital, Speedinvest und Fly Ventures sind an dem Berliner Start-up beteiligt.

Millionenfinanzierung auch für die Konkurrenz

Zu den Candis-Kunden zählen Start-ups wie Mädchenflohmarkt, Heycater oder die Macher der Bits&Pretzels-Konferenz in München. 

Prominente Kunden und Geldgeber kann auch Smacc vorweisen. So setzt beispielsweise der Umzugsvermittler Movinga die Smacc-Software ein. Rocket Internet, Cherry Ventures und DvH Ventures haben 3,5 Millionen Euro in das Potsdamer Start-up investiert. Smacc hat zudem gerade Forschungsgelder in Höhe von 1,75 Millionen Euro von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) erhalten und das Dokumentenanalyse-Unternehmen Disdar übernommen.